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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-06-30 · Heft 26 (30.6.1844) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 26 (30.6.1844)
Date
1844-06-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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SV« Gejflbs für keine Folge der Influirung Gottes? Ich müßte sehr irren, wenn Sie nicht hier wieder das rechte Stichwort heraus gesagt hätten. Ich denke mir nervlich, daß Sie eigentlich Folgendes sagen wollten: die göttliche Offenbarung besteht darin, daß Gott mit vernehmlicher Stimme eine Reihe Gesetze verkündet hat, auf diese Weise ist der Mofaismus entstanden, und darin ruht der Beweis seiner Göttlichkeit. Indem aber die frankfurter Reformfrcunde anzudeuten scheinen, daß der Mosaismus ein Produkt des denkenden Geistes ist, so laugnen sie damit seinen göttlichen Ursprung und stellen ihn in gleichen Rang mit anderen Produkten des menschlichen Geistes, wie es z. B. die Schöpfungen der heidnischen Philosophie sind. Ich ersuche Sie nun, mir auf folgende Frage eine bestimmte Antwort zu geben. Der Gcdankenpöbel schreit freilich bei solchen Fragen über Verrath an der positiven Religion, aber ich spreche ja auch nicht mit dem Pöbel, sondern mit einem besonnenen Gottcsgelehrten und erwarte, daß Sie mir mit wissenschaftlicher Ruhe antworten werden. Gesetzt, die frankfurter Reformfteunde waren mit dem Gaon Samuel den Chofei der Ueberzeugung, daß nichts geglaubt werden könne, was der Vernunft widerspricht; es widerspräche aber ihrer Vernunft, anzurrehmen, daß Gott auf irgend eine mechanische Weise, wie z. B. durch eine Stimme, seinen Willen zu erkennen gäbe. Gesetzt, sie sähen sich aus diesem Grunde genöthigt, die Stellen des Pentateuchs, die auf eine solche mechanische Mittheiluug Hinweisen, anders zu deuten, und anzunehmen, daß die Offenbarung in Mosi's denkendem Geiste Dor sich gegangen sei, wodurch wäre ihnen das, vom Standpunkte des Iudenthumcs aus, verwehrt? Wenn Sie die Stellen, welche nach ihrem Wortlaute besagen, daß Gott einen angenehmen Geruch riecht, oder daß Gott hört, seinen Arm ausstreckt, zürnt, bereut u. s. w., sich so zu deuten erlauben, wie es gerade mit Ihrer Vernunft übereinstimmt, warum sollte das andern weniger erlaubt sein? warum sollten diese, im Verhältniß zu Ihnen, nicht eben so fest im Judenthume stehen, als Sie im Verhältniß zu Salomon b. Abraham und seinen Schülern, die Gott in den Himmel einschließen und eine räumliche Scheidewand zwischen ihm und den Geschöpfen ziehen (Wissenschaftliche Zeits. f. d. jüd. Theol. Bd. 5, S. 92)? Fragen Sie, was denn nun in diesem Falle Wesen und Kennzeichen der Offenbarung sei, so antwortet man vielleicht, daß ihr Wesen in dem Ausspruche von Gedanken über göttliche Dinge besteht, die über die vorhandenen Gedanken der Zeit, in welcher sie ausgesprochen werden, nicht bloß weit hinausgehen, sondern zugleich ein fruchtbarer Keim werden, aus welchem sich die Vorstellungen späterer Geschlechter über göttliche Dinge weiter entwickeln, und daß gerade in der Lebensfähigkeit und Fruchtbarkeit eines solchen Gedankens daS Kennzeichen feines göttlichen Ursprungs liegt. Man sagt Ihnen vielleicht, daß eben deswegen der Mosaismus, im Verhältniß zu heidnischen Philosophemen, eine göttliche Offenbarung ist, weil er und nicht jene Philosopheme die Glaubensform aller cultivirten Völker erzeugt hat, weil eben die Bibel, und nicht die Worte des Aristoteles, wie die Geschichte zeigt, dazu bestimmt ist, den Gottesglauben über den Erdboden zu verbreiten. Vielleicht geht man sogar so weit, hinzu zu setzen, daß diese Ansich't über die geoffenbarte Wahrheit des Judenthums eine viel höhere, tiefer begründete ist, als diejenige, welche eine mechanische Vermittelung annimmt, weil sie immer kräftiger bewiesen wird, je länger und in je späterer Zeit die Wirkung des Mosaismus noch fortdauert, wahrend die Nichtigkeit des anderen Offenbarungsglaubcns desto mehr dem Zweifel unterworfen ist, je weiter man sich zeitlich von denen entfernt, welchen die Mittheilung zuerst geworden ist. Ihnen muß es ja ganz klar sein, daß diese Ansicht eine falsche ist, sonst hätten Sie ohne Zweifel als Gottesgelehrter sich ein Gewissen daraus gemacht, von einer Anzahl Juden zu sagen, daß sie eine eigentliche göttliche Offenbarung nicht bekennen. Seien Sie also so gütig, diesen Jrrthum mit recht schlagenden Gründen zu widerlegen, damit Niemand künftighin von solchen Zweifeln gequält werde. Seien Sie der redliche Hirt, welcher ein Schaaf, das am Abgrunde steht, vor dem möglichen Falle sichert. Dann wollen wir auch noch weiter über das Wesen eines Propheten sprechen und Ihre Frage untersuchen, ob Spinoza unter die Propheten aufzunehmen ist, nur bitte ich Sie, zuvor die drei ersten Kapitel in dessen Iraetutus theologicopoliticus zu lesen. Uebrigens habe ich nicht ohne Bedauern bemerkt, daß Sie in Beziehung auf die Propheten wieder eine Erklarungsweise hervorgeholt haben, die man schon langst in die exegetische Rumpelkammer gestellt hat. Nun steht es Ihnen unzweifelhaft frei, sich eines vermoderten Möbels zu bedienen, allein Sie müssen nicht verlangen, daß andere das Gleiche thun sollen, müssen Ihre Erklärung nicht so zuversichtlich hinstellen, als ob nicht der mindeste Zweifel darüber wäre. Ich habe auch das 58. Kapitel

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