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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-06-23 · Heft 25 (23.6.1844) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 25 (23.6.1844)
Date
1844-06-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SOS Schilderung der Masse übergehe, will ich von ihren religiösen Lehrer«, die so mächtigen Einfluß auf diese üben könnten, sprechen. (Fortsetzung folgt.) Preußen. Breslau im Mai. (Corresp.) Mit freudigem Herzen melde ich Ihnen heute zwei sehr erhebende Ereignisse im Schoße unserer hiesigen israelitischen Gemeinde, die wir dem unermüdlichen, kein Opfer scheuenden Streben unseres würdigen, geliebten Rabbinen vr. Geiger verdanken. Am 12. d. M. fand nemlich die erste Prüfung der Schüler und Schülerinnen der vor einem Jahre von ihm begründeten Religions-Schule, vor einem sehr zahlreich versammelten Publikum statt, deren Resultat allgemeine Bewunderung erregte. — Herr vr. Geiger leitet und gibt selbst den Religionsunterricht nach der besten und das Ziel nicht verfehlenden Methode; ihm zur Seite steht der Candidat der Theologie, Herr vr. Levp, ein zu diesem Fache vollständig geeigneter, nach Erreichung eines schönen Ziels strebender Mann. Es war erstaunend, wie viel in so kurzer Zeit bei der kaum ins Leben gerufenen Anstalt geleistet wurde. Außer der beseligenden Religionslehre, die die Kinder, welche die ihnen vvrgelegicn Fragen mit Bestimmiheit und Klarheit beantworteten, mit wahrer Begeisterung erfaßten, erkannte man cs mit Dankbarkeit, daß der fromme acht gläubige Lehrer auf das Gcmüth der Zöglinge tiefen Eindruck gemacht, und den Keim der Tugend und Sittlichkeit in ihre Herzen gepflanzt, der gewiß einst schöne Früchte her- Vorbringen wird. Auch im Hebräischen wurde sehr viel geleistet; nicht nur die Knaben waren mit der Ursprache der heiligen Schrift vertraut, sondern auch die Mädchen lasen die Hauptgcbete hebräisch und wußten solche wörtlich zu übersetzen. Die Schlußworte, welche Herr vr. G. an die Versammlung richtete, waren wieder ganz des begeisternden Redners würdig und fanden allgemeinen Anklang. Unser edler, von hohem Sinne belebter Herr Oberbürgermeister, eine Deputation unseres liberalen Magistrats und einige unserer ersten und berühmtesten Schulmänner, wohnten der Prüfung bei und sprachen laut und offen ihre Zufriedenheit mit dem Geleisteten und ihre Verehrung für den wackcrn Gründer aus. Wo Männer von so hohen bürgerlichen Tugenden, von so tiefer Gelehrsamkeit den Fortschritt begünstigen, da wird mit GottcShülfe weder Engherzigkeit noch Befangenheit und Formglaube in den Weg treten können. — Doch wie soll ich Ihnen mit schwacher Laicnfeder die erhebende Feierlichkeit beschreiben, die gestern bei Entlassung von fünfr-hn Mädchen aus dieser Anstalt und bei deren Ausnahme in den heiligen Bund des Glaubens in dem großen Tempel stattfand. Schon eine Stunde vor dem Beginn derselben war kaum ein kleiner Raum leer geblieben, und nie war hier in unserer Gemeinde eine so zahlreiche Versammlung im Gotteshause anzutreffen. Aber auch alle, ohne Ausnahme, alle, in deren Herzen wahre Frömmigkeit wohnt, alle waren tief ergriffen von der Erhabenheit einer religiösen Feier, die in Breslau zum ersten Male uns erbaute. Nach einem ergreifenden Gebete unseres theuren Rabbinen vr. Geiger und einer kurzen Einleitung über den Zweck der Feier, beantworteten die zu entlassenden Mädchen der Reihe nach, in welche sie der Zufall setzte, die Fragen des Rabbinen über die wichtigsten Glaubenslehren unserer Religion, mit Heller Klarheit, mit tiefem Ausdruck und mit solcher Festigkeit, daß eS dem Zuhörer einleuchtcn mußte, es sei die Sprache deö Gefühls, des Durchdrungenseins von dem Geiste der Lehren und ihrer unerschütterlichen Wahrheit. — Hierauf sprachen einige der vorzüglichsten Schülerinnen mit rührendem Ausdruck Worte des Dankes an ihre Eltern, und als sie sich dann von ihren Sitzen zu denen derjenigen begaben, denen sie Leben und Erziehung verdanken, da blieb kein Auge thränenlcer und cs trat eine feierliche Pause ein, ehe Kinder und Eltern und Verwandte und Freunde sich wieder gesammelt hatten um die Ermahnung des Geistlichen zu vernehmen, der, selbst tief gerührt, der Erholung bedurfte, um dann um so kräftiger sein heiliges Wort an die Scheidenden zu richten, die er mit frommer Liebe auf den Pfad des Guten hingelcitei und die, gleiche Liebe ihrem Lehrer zollend, auch auf diesem Pfade sortwandeln und dem Glauben ihrer Väter treu bleiben, werden. Zum Schluß noch dem löblichen Vorstande der hiesigen israelitischen Gemeinde den innigsten Dank für den Eifer und die Sorgfalt, mit welchen er der Religionsschule selbst sowol als der Feier der Entlassung'hülfreich beiftand. Ans Westphalen, 23. Mai. (F. I.) Der Judenhaß ist einer der pontinischen Sümpfe, welcher die Luft in Deutschland verpestet, sagte Börne vor länger als einem Vierteljahrhunderk. Um so betrübender ist es, daß sich in unseren Tagen Austritte ereignen, wie wir sie an zwei Orten in unserer Provinz, zu Geselle und Störmede, erlebt haben, die noch dazu durchaus konfessionellen Motiven ihr Dasein verdanken. Statt solchen bedauerlichen Antipathiecn in den Schulen und auf der Kanzel entgegen zu wirken, lassen es sich im Gegentheil viele Prediger des Friedens angelegen sein, jene schroffe Scheidung der Lonfessiorieu noch mehr zu fördern, und in offenen s. g. Controverspredigten das unselige Feuer zu schüren. Daß die Behörden diesen ver-

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