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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-06-23 · Heft 25 (23.6.1844) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 25 (23.6.1844)
Date
1844-06-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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200 so sagen auch wir: wer fekg ist und zaghaften Herzens, der gehe und kehre nach Hause zurück. Das Judenthum hat schon den Beweis geliefert, daß es nur eines Dutzend Männer bedurfte, um eine Glaubensform aus sich heraus zu treiben, die sich über den ganzen Erdboden verbreitet hat. Was würden jene Männer geantwortet haben, wenn Sie ihnen mit dem Bedenken entgegen getreten wären: laßt sehen, in einem Orte einer, in einem Bezirke zwei könnten sich für euch erklären! Und Sie fragen, was aus der großen Zahl der Uebrigen werden soll, welche das Judenthum auf einer gediegenen Basis regcnerircn möchten? Damit haben sie die ganze Sache auf den Kopf gestellt. Wenn wir glaubten, daß es eine Regeneration mit gediegener Basis gäbe, welche nicht auf unseren Grundsätzen beruhte, welche z. B. die Autorität des Talmuds unberührt ließe, so hätten wir geschwiegen oder uns anders ausgedrückt. Aber eben weil wir nur unsere „Erklärung" als eine gediegene Basis ansehen, haben wir sie ausgesprochen. Was aus denen werden soll, welche an Ihren Ansichten kleben bleiben, das mag der Himmel wissen, ich weiß nichts Tröstliches darüber zu sagen. Am wenigsten kann ich es billigen, wenn Sie uns durch das abschrecken wollen, was etwa Zeloten, wie Sie sagen, gegen uns unternehmen könnten. Ob die Orthodoxie, die sehr viel ehrenwerthe Männer zählt, auch von einigen Schurken geschändet wird, welchen selbst das Mittel der Denunziation nicht zu schlecht wäre, ob sich unter den vielen erleuchteten Staatsmännern Deutschlands auch einer findet, der schwach genug wäre, solchen Einflüsterungen Gehör zu geben, das muß ich dahin gestellt sein lassen. Aber wenn das auch wäre, was verschlägt das uns? Wissen Sie, daß Sie mit Juden sprechen? Glauben Sie, daß der Geist der Väter, die zu Lausenden für ihre Ucberzeugung geblutet haben, so ganz und gar aus uns gewichen ist, daß wir vor dem Schatten der Wuth einiger Parriciden davon laufen sollten? So hasenherzig sind wir nicht, daß wir lieber im Freien frieren, als uns ein Haus bauen, weil es uns ein Mordbrenner über dem Kopfe anzünden könnte. Sie haben Luther genannt; gäbe der Himmel, daß der gesammte fortschreitende Rabbinismus sich -en zum Dorbilde wählte. Der hat nicht erst gefragt, was einige Zeloten und eine Excellenz zu seinem Beginnen sagen werden, der trat kühn und frei vor Kaiser und Reich, sprach wie es ihm ums Herz war und schloß mit den Worten: Gott helfe mir. Und Gott half ihm. Fördern wir vor allem die Wahrheit und überlaßen wir das Weitere dem, dessen Siegel die Wahrheit ist. So glaube ich nun gezeigt zu haben, daß Ihre Aeußerungen mit den Ansichten des fortschreitenden Rabbinismus im schreiendsten Widerspruche stehen, und daß Sie mithin durchaus kein Recht dazu hatten, sich zu dessen Herold aufzuwerfen. Ich hoffe daß der fortschreitende Rabbinismus sich nun bald einmal, durch einen seiner wahren Vertreter, über ein Beginnen aussprechen wird, zu dessen Entstehen er selbst mächtig beigciragen hat. Es ist nun genug tiraillirt, es ist hohe Zeit, daß auch das schwere Geschütz auf dem Kampfplätze erscheint. An Verrath hat es bereits nicht gefehlt, möchte die zögernde Klugbeit nicht das Uebrige thun. In der Sache sind wir einig, sollte dem fortschreitenden Rabbinismus die Fassung unserer Sätze nicht genügen, so spreche er sich darüber aus, und ich will mich im Voraus verbürgen, daß die Reformfreunde nicht daran denken werden, um Worte zu feilschen, sobald die Sache gewahrt wird. Und Sie ersuche ich, aus dem Helldunkel Ihrer bisherigen Beleuchtung hervor zu treten. Wenn cs Ihnen wirklich Ernst ist uns den rechten Weg zu zeigen, so benehmen sie sich, wie ein beherzter Wegweiser, nicht wie ein Schleichhändler, der den orthodoxen Grenzhütern ausweichen will. Sie haben über das Nichtssagende unserer „Erklärung" geklagt, leider können wir Ihnen diese Klage nur zurückgeben. Sie verlangen Positives, gehen Sie uns mit gutem Beispiele voran; geben Sie uns Positives. Beantworten Sie die Fragen, die ich Ihnen vorgelcgt habe, widerlegen sie uns oder vielmehr die Gewährsmänner, die ich angeführt habe, aber versteht sich mit Gründen, und zwar mit Gründen die nicht der Politik, sondern der jüdischen Theologie entnommen sind, mit Gründen, die nicht die Autorität des Talmuds voraussetzen, die wir nun einmal nicht anerkennen werden, so lange sie uns nicht anderswoher bewiesen wird. Dann kann Ihre Beleuchtung aufklären, während sie jetzt nur höchstens blenden kann. Als Mitglied des Reformvereins hielt ich mich verpflichtet Ihre Angriffe auf diesen abzuweisen, dabei könnte ich es bewenden lassen. Was Sie noch im „Nachtrage" gegen die Actenstücke sagen, welche von den Frankfurter Reformfreunden ausgegangen sind, könnte ich mit Stillschweigen übergehen. Ich, wie viele andere Reformfreunde, die in aller Welt zerstreut leben, habe diese Actenstücke erst nach dem Drucke gesehen und halte

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