Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1844)
- Date
- 1844-06-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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199 denthum tu feiner weiteren Entwickelung des Gottesbegriffes sich nicht wieder diesen spinozistischen oder, wenn Sie wollen, kabbalistischen Ansichten nähern wird? Drum wäre es besser, daß man vorläufig nicht seine persönliche Ansicht über diese Dinge, als die alleinseligmachende ansahe. Eben weil das Dogma fehlt, steht es jedem frei, sich hierüber mit seiner Vernunft abzufinden, nur muß er auch jedem Andern dasselbe gestatten, nur muß der Knorr den Knubben hübsch vertragen, nur muß ein (Zipfelchen sich nicht vermessen, daß es allein der Erde nicht entschossen. Doch kehren wir zu Ihren Bedenken zurück. Daß unser Resormversuch der bürgerlichen Emanzipation der orthodoxen Juden hie und da schaden könnte, ist von uns nicht minder genau als von Ihnen erwogen worden, konnte uns aber auf keine Weise abschrecken. Die Frankfurter Reformfreunde haben sich schon darüber kurz jedoch genügend ausgesprochen. Aber auch der sortschreitende Rabbimsmus hat die Nichtigkeit ja Schädlichkeit dieses Bedenkens bereits vor dem Erscheinen Ihrer Beleuchtung aufgedeckt. Ich verweise Sie auf den Aufsatz des Herrn Di-. Geiger im 5. Bande der wissensch. Zeitschrift f. d. jüd. Lheol. S. 147 ff. Ich will nur noch einige Worte hinzufügen. Sie sprechen von Wir und Ihr, ich muß daher, gegen meinen Willen, diese Scheidung beibehalten. Wenn rhr verlangt, daß wir euere bürgerliche Befreiung nicht hemmen sollen, so verlangen wir mindestens mit demselben Rechte, daß ihr uns in unserer geistigen Befreiung nicht stört, denn was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Wir haben nicht einen Spaß, nicht eine Bequenilichkeit im Auge, die wir euch Preis geben sollen, wir glauben eine heilige Pflicht zu vollziehen, indem wir uns von einem durch und durch lügenhaften Zustande lossagen. Wir halten uns verbunden, das Gemüt!) der Frauen vor dem Erstarren, den religiösen Sinn der Kinder vor der Indifferenz zu bewahren, mit welchem Rechte verlangt ihr, daß wir die geistige Hebung der aufwachsenden Generation, und vielleicht vieler nachfolgenden, eueren bürgerlichen Vortheilen zum Opfer bringen sollen, die wir nicht einmal den unfrigen opfern dürsten. Denn cs ist weit besser, mit freiem Geiste in bürgerlichen Banden gefesselt zu sein, als in den Ketten der Geistesknechtschaft alle Vortheile eines Staatsbürgers zu genießen. Euere bürgerlich: Emanzipation, wie die unsrige, hat mit dem Glauben *) nichts zu schaffen, wir Diese Behauptung ist wenigstens im Allgemeinen richtig; ob eS Nicht im jetzigen rabbmischen Judenchume Dinge giebt, die, würden uns auch dann noch für verpflichtet halten, für eure Befreiung zu kämpfen, wenn ihr Negersclaven wäret, wenn wir Christen waren, und wir sind alle Juden und Blutsverwandte. Die bürgerliche Befreiung können wir alle in Ruhe abwarten, sie ist das unzweifelhafte Produkt der fortschreitenden Humanität; mögen auch noch einige Geschlechter im Drucke seufzen, die Erlösung bleibt nicht aus. Aber anders ist es mit der geistigen Erhebung des Judenthums, die kann nicht warten, die wird immer schwieriger, je langer sie zmückgehalten wird, die darf keinen Tag aufgeschoben werden, wenn nicht bald ,,Jsrael in voller Auflösung begriffen sein" soll. Und wenn wir so thöricht waren, uns aus falschem Edelmuth verleiten zu lassen, wenn wir den Geist dem Körper, das Judcnthum den Juden opfern wollten, was würde die Emanzipation dabei gewinnen? Auf welcher Seite sind denn die Talent?, die uns Achtung im Staate verschaffen? sind sie orthodox oder sind es solche, die sich seit lange zu den Grundsätzen bekennen, *welche der Reformverein endlich ausgesprochen hat? Was hat denn die Orthodorie in Deutschland für unsere bürgerliche Befreiung gethan? gehemmt hat sie genug, aber gefordert hat sie nichts, wenigstens nichts, was nur dem tausendmal tausendsten Lheile von dem gleich käme, was die Bemühungen eines Mannes geleistet haben, der laut und offen erklärt hat, daß er mit seiner persönlichen Ueberzeugung auf der extremen Linie der Ansichten siehe, die bei Gelegenheit des Reformvcreins zur Sprache gekommen sind. Wie viele sich uns nun anschließen werden, das muß erst die Zeit lehren. Rom ist nicht in einem Tage gebaut worden, und mit dem neuen Jerusalem wird das noch weit weniger der Fall sein. Wir säen eine Saat, ob wir selbst die Frucht sehen werden, ob sie erst ein spateres Geschlecht genießen soll, das müssen und werden wir mit Ergebung abwarten. Und wenn sich, wie Sie meinen, in einem Orte nur einer, in einem Bezirke nur zwei für uns erklären sollten, so genügt uns das schon. Durch die Zahl hat das Judenthum nie gesiegt, sondern durch den Muth seiner Vertreter. Darum forderte der Priester, wenn unsere Ahnen in den Krieg zogen, auch alle Feigen und alle die nicht mit frohem Herzen in den Streit gingen, feierlich aus, das Heer zu verlassen. Und •niv uup,mi\i|ckai Gesichtopuntt bnrachlc:, der viNNgen Emanzipation im Wege stehen, iss eine örage, die ich »ich: anrühren