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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-05-26 · Heft 21 (26.5.1844) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 21 (26.5.1844)
Date
1844-05-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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169 Gangränescenz analogen Affectlon alterirt. Aber man muß den Geist des jüdischen Gesetzgebers höher fassen. In die Alternative gebracht, sein Volk durch bloß vegetabilische Kost zu entnerven, oder Ln einem Klima, das jeden Exceß so schwer büßen läßt, den ungeregelten Gebrauch aller Nahrungsmittel zu gestatten, zog er es vor, willkürlich in dem Interesse der allgemeinen Gesundheit die Nahrungsmittel zu bestimmen, und ihre Mannichfaltigkeit anzuordnen." Königsberg, im April. (D.A.Z.) Der hiesigen Judengemeinde steht in der Entwickelung ihres Synagogencultus ein großer Verlust bevor. Der als Sänger, Vorleser und Componist gleich ausgezeichnete Cantor Weintraub, nächst Sulzer in Wien unstreitig die größte Notabilität im jüdischen Kirchengesange, verläßt vielleicht mit dem 1. August, wo sein sechsjähriger Contract mit der Gemeinde abläuft, die Stadt Königsberg, wo sabbatlich und an den jüdischen Feiertagen Bekenner verschiedenster Confession, Männer der höchsten und niedrigsten Stände zugleich andachtsvoll seinen und seines meisterhaften Chores tiefempfundenen Harmonieen lauschten. Mit ihm würde die Seele des hiesigen Synagogendienstes und ein Element ausscheiden, das bei den heutigen Juden die schönste Versöhnung zwischen Hyperorthodoxie und religiösem Jndifferentismus bildet. Die Hauptschwierigkeit zur Erneuerung des Contracts soll in dem Mangel-an Mitteln liegen, wodurch ein vollständiger Gesangchor zur immerwährenden Ergänzung der etwa mit der Zeit sich abnutzenden Stimmen unterhalten und fortgebildet werden könnte. Sollte Herr Weintraub wirklich seine Gemeinde verlassen, so würden, da der König dem Hochgeachteten russischen Virtuosen die Naturalisation verliehen, viele großartige Judengemeinden Preußens oder auch eines außereuropäischen Staats an demselben eine unschätzbare Acquisition machen. Die von ihm bereits angekündigte Herausgabe seiner musikalischen Compositionen wird ihn, wie dies Sachkenner laut bezeugen, in die Reihe der ersten Kirchengesangsheroen setzen." B a i e r n. Landan. Am 12. März starb in Herxheim der Jsraelkte Salomon Herz Levi in einem Alter von 109 Jahren. Er hatte bis zum letzten Augenblicke sich seines ungestörten Geistesvermögens erfreut. Seinem Sarge folgten 81 Kinder, Enkel und Urenkel; eine 73 jährige Tochter befand sich unter diesen Leidtragenden. England. Die „Morning Post", das liebmöwürdigste und philanthropischste Hochtoryblatt in ganz Altengland, hat seine Demonstrationen gegen die Irländer und die britischen Arbeiter auf einen Tag eingestellt, um fein Gift gegen die Juden zu spritze». Es beschuldigt die Juden in Masse des Wuchers, der Geldagiotage und der Bevortheilung. ES scheint, als b die kornwucherischeu Prinzipale und die börsenspekulirenden Aktionäre der „Morningpost", jene hochmüthige Coterie, die ihr Vaterland an den Rand des Verderbens gebracht hat, auch den Wucher und die Agiotage unter ihre Privilegien zählte und vor Allem einer etwaigen jüdischen Concurrenz rntgegenzuwirken suchte. Bald wird einmal in einem Tory blatte geklagt werden, man habe entdeckt, daß Juden sich ein Gewerbe daraus machten, den irländischen Pächtern die Haut abzuziehen, und man solle doch das Judenvolk wegen dieser Anmaßung adeliger Vorrechte sammt und sonders aus dem Lande' jagen. — Die »Jewisch Intelligenze« widerlegt aus statistischen Thatsachen den Artikel der „Morning Post" auf das gründlichste. Die »Gazette musicale« berichtet, daß in London eine Sammlung hebräischer Melodiken zum Vortrag gekommen, die auf dem Wege der Tradition aus den ältesten Zeiten herüber gekommen sein soll und von Rabbinen gesammelt worden ist. Diese Melodieen zerfallen in zwei Abtheilungen, in einen durchaus religiösen und in einen profanen, den leidenschaftlichen und geselligen Empfindungen und Gefühlen gewidmeten Theil. literarische Notiz. Die österreichischen Juden. (Leipzig 1844.) Diese Brochüre ist nur ein Beleg mehr, welch geringen, um nicht zu sagen, wie so gar keinen Eingang Schriften, welche sich allein mit der Judenfrage beschäftigen, bei dem christlichen Publikum haben. Der zu Prag lebende christliche Verfasser hat zu oieser Arbeit viel guten Willen, aber gar keine Befähigung mirgebracht. Wir zweifeln, ob er weiß, daß ein Dohm je gelebt har; von einem Rieß er hat er wahrscheinlich auch nichts erfahren. Noch unbekannter als mit den äußeren Verhältnissen der Juden scheint der Verfasser mit deren inneren Verhältnissen zu sein; die Bezeichnungen: mosaisch und talmudisch wenver er als gleichbedeutend an; mit einem Worte, er kennt weder die Emanci'pationsnoch die Reform-Bestrebungen unserer Glaubensgenossen. Zur Beurtheilung des politischen Standpunktes ocs Verfassers überhaupt, diene folgende Stelle der Brochüre S. 6: „Die Regierungen der Gegenwart haben alles Erdenkliche für das materielle Wohl der Staatsbürger geleistet; es herrscht eine vorzügliche öffentliche Ordnung, die Polizei ist wohl eingerichtet, die Finanzen werden sorgsam verwaltet, niemals war das Privateigenthum sicherer, nie die Freiheit der Sraaisbür-

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