Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1844)
- Date
- 1844-05-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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170 ger unangetasteter, nie eine höhere Gleichheit vor dem Gesetze; für Jene ist alles gethan, und man kann mit Recht behaupten, unsre Zeit ist das n<m plus ultra aller Vollkommenheit, allein die Vorurtheile der Vergangenheit gegen den Israeliten sind selbst in diesem goldenen Zeitalter noch immer nicht besiegt." Glückliches Böhmen, dessen Einwohner so denken und fühlen! @itte christliche Stimme über die Verketzerung des Reformvercins durch die 41 Rabbinen. Ich jauchze Dir aus voller Brust entgegen, Dir Genius der neuen, freiem Zeit! Dir möcht ich all' mein Sein zu Füßen legen, Dir sei des Lebens höchste Kraft geweiht! Wie zu des Morgens neuen Lebensglutheu Die Erde sehnsuchtsvoll ihr Auge hebt: — Des Himmels Bild dort in des Stromes Fluten Die Welle zitternd zu umarmen strebt: So schlingt mein Denken und mein Fühlen, Sehnen, Mein Lieben, Hoffen sich zu Dir empor, Zu Dir Du Sonnenleuchten unter Thränen, Du Gottesbote aus der Zeiten Flor! Ob Du nun Deine Lebenssackcl schwingest Hoch über unsrer Kirche glänzend Grab; Ob Du dem Volke die Erlösung bringest, Das hcimathirrend mit dem morschen Stab: Es ist ja Eins! — Die wahren Gottesstrahlen, Sie einen den zerrißnen Menschenkranz, Vor ihnen bleichen todte Völkerzahlcn, Die welken Blätter flieh'n des Frühlings Glanz. Drum jauchzte auch mein Herz dem Nus entgegen, Der Auferstehung Israel Dir bot, Drum fleht' ich von dem Weltengeiste Segen Dem Leben, das so lange bei Euch todt; Dem Gottesfunken, der erstart, verloren, In todter Formen ew'ges Einerlei. Drum rief ich: der Messias sei geboren, Wenn in Euch erst der Welten Heiland frei! Ja Freiheit, Leben, gleiche Freiheit Allen, Das Recht, das Ihr Jahrhunderte erflehl; Ob tausend Lieder, tausend Weisen schallen, Um Freiheit, in Euch Allen ein Gebet. Freiheit auch Euch! ward Losungswort der Christen, Die ihres Meisters Lebensruf verstehn, In den vergangnen, öden Glaubenswüsten Ein neues Eden hoffend blühen sehn. Sie kämpften mit Euch vor dem Hochaltäre, Um Freiheit auch für Euch mit freiem Wort; Sie ahnten nicht, daß Einigen nur Waare Das Himmelsgut — das selbst sie jagten fort. Daß Einer unter Euch je könnte morden Mit eigner Hand, warum Ihr müht und ringt. Mit eigner Hand verschließen Euch die Pforten, Wenn Ihr um eigne Glieder Ketten zwingt. Sie ahnten nicht, daß Ihr im Mutterschooße Dem lichten Keim Vernichtung könnte dröhn. Der Euch entrissen einst dem grausen Loose, Entrissen der verirrten Christen Hohn! Wollt Ihr das Nachtgespenst herauf denn winken? Mit Bann und Interdikt, mit Glaubenszwang? Im alten Tempel, altem Fluch versinken, Woraus das Licht der Zeit Euch kaum errang?! Nun denn, verkriecht Euch wieder in die Winkel, Verkriecht Euch — einer freier» Zeit zum Spott, Verhüllt den Geist in Eurem Glaubensdünkel In Mumicngestalt, dem Zeiten Gott! Nur schreit dann nicht um Freiheit, gleiche Rechte, Geduldig unter's Joch den Nacken beugt — Wollt Ihr die Euren nur als feile Knechte Der starren Form, die längst ihr Grab erreicht! Nein, nein! so könnt Ihr selbst Euch nicht erwürgen, Kehrt wieder um — noch ist eö nicht so weit. Kehrt um! — glaubt cs, die neuen Lebensbürger, Sie hat ein Gott zum heil'gen Kampf geweiht! Der Gott, deß Worte Liebe, Freiheit, Leben, Im ew'gen Buch das heiligste Gebot, In der Natur gcheimnißvollem Weben, In unsrer Zeit erwachend Morgcnroth. Der Gott, der jetzt mit seinen Lebensflammen Begeisterung in tausend Seelen sprüht, Der fester, einiger sie schaart zusammen, Wenn schwerer noch der schwere Kampf erglüht. Glaubt mir's, cS wird durch nichts Euch jetzt gelingen, Mit äußcrm Zwang das Heil'ge zu entweih'n, Die Wahrheit wird den Sieg doch noch erringen, Und Gott in seinen Streitern mächtig sein!! Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.