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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-05-26 · Heft 21 (26.5.1844) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 21 (26.5.1844)
Date
1844-05-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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165 den könnte. Wir leben gleichsam ohne Gegenwart, über das Ringen und Wollen und Kämpfen kommen wir nicht zu jener lieblichen Gewohnheit des Daseins, die den wahren Lebensgenuß bedingt. Wir stehen an den Pforten des frisch bewegten Lebens, eine neue Aera in der Geschichte der Menschheit scheint vorbereitend zu beginnen, und wir müssen, von gewaltigen Geistesschwingen getrieben, aus unsrer bisherigen Jsolirung heraustreten und Theil nehmen an dem großen Kampfe um die höchsten Interessen der Menschheit. Eine alte Zeit ist untergegangen, eine neue will sich gestalten. Die Gegenwart bildet den Kampfplatz, auf welchem zwei Parteien gerüstet einander gegenüber stehen. Die Einen mit aller Inbrunst des Gemüths nach einer Vergangenheit sich zurücksehnend, die im Dämmerscheine der Abendröthe kaum noch die Schatten eines Daseins erkennen laßt; die Andern im kühnen Gedankenfluge und mit der zuversichtlichen Kraft eines jugendlichen Hoffnungsmuthes die Morgenröthe einer neuen Zukunft verkündend, deren Gestaltungen noch in grauen Nebeln verhüllt sind. Die höchsten Interessen der Menschheit bilden den Preis des Sieges, und darum wird der Kampf mit Hartnäckigkeit und Leidenschaft geführt. Wir sehen dem erhabenen Schauspiele nicht in behaglicher Gemüthlichkeit mit zu, handelt es sich doch um unsere eignen höchsten Interessen. Die meisten der Zuschauer haben jedoch noch keine Partei genommen und sind unentschieden, auf welche Seite sie sich wenden mögen. Man scheut die äußersten Consequenzen der einen, wie der andern Richtung, man möchte am liebsten in dem gemüthlichen Halbdunkel der Unentschiedenheit und Halbheit verharren. Unbequem sind daher die Entschiedenen, sie stören die Illusion, rütteln die Schläfer aus ihrer indolenten Behaglichkeit. Darum werden diejenigen als Ultras erscheinen, die es wagen, jene Consequenzen zu ziehen, die man vor Andern gern verhüllen und sich selbst verheimlichen möchte. Doch wie die Knospe zur Blume sich entfaltet, so muß das Prkncip in seinen Consequenzen sich verwirklichen, wenn es anders treibende Lebenskraft in sich trägt. Da hilft kein Vertuschen, kein ängste liches Laviren. Es ist eine lächerliche Selbsttäuschung, wenn man glaubt, durch Verhüllung der Consequenzen Andere täuschen zu können. Wenn der Strauß seinen Kopf in den Sand steckt, wird der Verfolger ihn um so sicherer erjagen. Wer die Geschichte der Emancipation seit den letzten dreißig Jahren verfolgt hat, dem dürfte schon die Klugheit rathen, ein solches vergebliches Bemühen fahren zu lassen. Wo zwei entgegengesetzte feindliche Principien mit einander in Kampf gerathen, da ist an eine Vermittelung nicht zu denken. Entweder das eine oder das andre muß siegreich aus dem Kampfe hervorgehn, oder sie müssen beide kampfend untergehn. Wir überlassen es dem Leser, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. — Diejenigen verdienen darum unfern Dank, welche uns zum klaren Bewußtsein dessen bringen, was nur dunkel unser Inneres bewegt, und offen und unumwunden das Schiboleth aussprechen, das das Losungswort der Kampfenden ist. Und diesen Dank hat das Preßburger Rabbinat sich erworben. Die beiden sich bekämpfenden Richtungen stehen jetzt klar und entschieden vor uns: der Rabbinismus und die jüdische Nationalität mit allen ihren stabilen Consequenzen auf der einen — die religiösen Bedürfnisse der Gegenwart, das Bürgerthum und die Anforderungen des fortschreitenden Lebens auf der andern Seite. Wer Augen hat zu sehen, der sehe, wer Ohren hat zu hören, der höre. y. Geschichte -es Tages. Frankfurt a. M. 3. Mai. (Correfp.) Unser heutiges Journal theilt folgendes aus London vom 27. April mit: „In den Sälen von Hannover-Square ward am 23. d. M. in sehr zahlreicher Versammlung die Frage erörtert, ob es nicht rathsam sei, auf die Wiederherstellung der jüdischen Nation in Palästina hinzuarbeiten, und zu diesem Zwecke eine britisch-ausländische Gesellschaft zu errichten. Die Versammlung beschloß, daß eine solche Gesellschaft gebildet werden und alle ihr zu Gebote stehenden Mittel aufbieten solle, um das Interesse des vereinigte» Königreichs und der übrigen Welt der jüdischen Nation und ihren aus die heilige Schrift begründeten Rechten zuzuwenden. Tie Königin und das Parlament sollen gebeten werden, die in Palästina bereits ansässigen Juden unverzüglich in ihren Schutz zu nehmen, zur Bewirkung einer Unabhängigkeitserklärung der jüdischen Nation durch die Pforte Unterhandlungen anzuknüpsen, und den jüdischen Familien, welche in das Land ihrer Väter zurückkehren wollen, thatkräftigen Beistand zu leisten. Man will christliche Deputationen nach dem Festlande abschicken, um überall Theilnahme für die jüdische Nation zu erwecken. Die Versammlung beschloß zuletzt noch, daß demnächst eine weit zahlreichere

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