Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-05-19 · Heft 20 (19.5.1844) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 20 (19.5.1844)
Date
1844-05-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2566751-2566911-2566932--0974-2568702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

101 vermochte nur kümmerlich und mit Noth und nur theilweise und in gar sehr zaudernden Schritten den Bedürfnissen Nachkommen, welche in anderen Gemeinden rasch und mit einem Male befriedigt werden. So bestand denn ein straff gesoanntes Verhaltniß. Tiktin war nicht befriedigt, weil er sich nicht zufrieden geben wollte, seine Anhänger murrend, weil sie unterlagen, der Vorstand unwillig, weil er seine Anordnungen nicht geachtet fand, und endlich Geiger überall gehemmt, und auf die theilweise Selbstzerstörung seiner Kräfte hingewiesen. Ich muß gestehen, ich habe zuweilen ein recht inniges Mitleiden mit Geiger gehabt, unter dessen freundlichem Aeußern sich manchmal ein recht nagender Mißmut!) dem Lieferblickenden kund gab. Wie konnte er, gewohnt, über die Oertlichkeit hinaus in die allgemeine Bewegung einzugreifen, über die praktischen Verhältnisse hinaus höhere wissenschaftliche Tendenzen zu verfolgen, sich behaglich fühlen in einer Stellung, die ihm umfassende Wirksamkeit ganz untersagt, die örtliche auf ein Minimum beschränkte! Und während er hier über Alles, was er that, selbst unter seinen Freunden! ängstliche Wähler fand, mußte er für die Ferne als ganz aus dem Kreise der Strebenden getreten ist geachtet halten. Mußten ihn nicht Briefe von allen Kampfgenossen, die ihm das „Brutus, schläfst Du?" in den verschiedensten Wendungen in die Ohren raunten, tief betrüben? Uebelwollende Jndifferentisten benützten diese scheinbare Untätigkeit. „Was thut Geiger nuu?" sprachen sie, nun, er macht's wie Alle, wenn sie eine gute Stelle haben, sind sie den Leib pflegende Pfaffen und kümmern sich um uns und unsere Interessen gar nicht. Was das ein Poltern war, als er noch in Wiesbaden den Futterkorb etwas karg gefüllt hatte; nun dachten wir, mit großen Kräften wird sich erst seine großartige Wirksamkeit zeigen, allein wir haben wieder eine Täuschung, wie so oft im Leben, erfahren." Und die Zeit war in so lebendiger Bewegung, lockende Sirenentöne überall, und er sollte die Hände in den Schoß legen! Bis dahin blieb die Angelegenheit ganz im engen Kreise von localen und persönlichen Verhältnissen, ohne daß die Principien scharf und öffentlich hervorgetreten waren. Von nun an nimmt der Streit eine entschiedenere Wendung, er sucht sich nach beiden Seiten zu begründen, er tritt offen hervor. A. E. Geschichte des Lager. . Frankreich. A Paris. Herr Adam Salomon hat eine Medaille mit dem sehr gelungenen Bildnisse der Herrn Cremieux äugefertigt, welche zum Preise von 2 Frs. zum Vortheile der armen Israeliten an der russischen Grenze verkauft wird. Die Redac tion der »Archiv. Israelites“ hat den Verkauf dieses Kunstwerks übernommen und wird seiner Zeit über den Ertrag und dessen Verwendung öffentlich Rechnung ablegen. Die Namen der Subscribenten werden alsdann veröffentlicht werden. Auch Mad. Anastasia CzynSki, katholische Polin, hat, aus Dankbarkeit für Dlle. Rachel, welche im vorigen Jahre zum Vortheil der (katholischen) polnischen Flüchtlinge eine Vorstellung gegeben, sich mit an die Spitze einer Lotterie zu Gunsten der poln. Grenzenden gestellt und fordert in einem Schreiben an den Herrn Nedactcur der »Arch. Israel.“ zur Theilnahme an diesem Werke der Mildthätigkeit auf. Der Rabbine von Colmar hat vor einiger Zeit, bei Gelegenheit der Einweihung der Synagoge zu Blotzheim, eine Philippika gegen den Besuch der Schule von Seiten junger Israeliten gehalten. Hr. Klein, Rabbine in Durmenach, gibt nun in dem »Arch. Isr.“ Dine eben so gediegene als energische Zurechtweisung für den Herrn Rabbine von Colmar, und wir wünschen, daß dieser sie gehörig beherzigen möge. Ter Minister des Innern, sodann auch Reschid Paschah, türkischer Botschafter am französischen Hose, haben wiederholt auf die »Arch. Israel.“ abonnirt. Die Stadt Nancy hat der israelitischen Gemeinde daselbst Behufs des Ausbesserung ihrer Synagoge 6,000 Franken vrrwilligt. Das Journal „Satan" berichtet, daß Herr Cremieur, nachdem er die „Gazette de France" erfolgreich vertheidigt hatte, cs abgelehnt hat, für seine Bemühungen ein Honorar anzunehmen, und zwar mit der edclsinnigen Bemerkung; „Ich habe nie für die Vertheibigung der Opposikionjournale eine Belohnung angenommen, und ich kann dies nunmehr um so weniger, wo ich ein Blatt vertheidigt habe, welches meine Meinungen nicht theilt." — Ich kenne einen Kau;, der hierüber die Bemerkung machte: „Wahrhaftig, dieser Cremieur dürste ein Christ sein!" — Wir haben noch zu bemerken, daß der „Satan" eineder Blätter ist, welches sich am meisten durch heftige Artikel gegen die Juden bemerklich macht. I» Sainte-Marie-aur-MineS hat sich eine „israelitisch»pbilantrophische Gesellschaft des OberrheinS" zum Zwecke der Aufmunterung und Unterstützung der Künste und Gewerbe gebildet. Dieselbe hat in einem Erlaß vom 3. März 1844 die Bestätigung des Centralkonsistoriums erhalten. - pi rer p Nach der neuesten Zählung befinden sich in Algier 19,760 Katholiken, 275 Protestanten, 18,704 Muhamedaner und 6033 Israeliten. Summe der Einwohner: 44,772.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.