Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1844)
- Date
- 1844-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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146 gegen ihn bewies; vielleicht zeugt es auch davon, daß man durch das bisher von Hrn. T. beobachtete Verfahren sich daran hatte gewöhnen lassen, etwas zu submiß gegen ihn sich zu benehmen. Aber andererseits bleibt es kaum begreiflich, wie ein Mann, der nur im Geringsten im Amte Klugheit und Erfahrung sich erworben, die Connivenz, welche der Vorstand ihm gegenüber zeigte, gewandt zu ergreifen versäumen konnte. Hr. T. hätte eine beneidenswerthe Stellung sich begründen können. Seine bisherige Abneigung gegen eine jede Mahnung der Zeit, seine Liebe zur Stabilität hatte ihm nun einmal die Zuneigung desjenigen Theils orr Gemeinde gesichert, welcher solche Grundsätze heilig hielt. Nun aber, ohne den bisher geäußerten Grundsätzen etwas zu vergeben, hätte er das Andringen eines großen Theils der Gemeinde beschwichtigen können und müssen, und die Liebe desselben zu sich dadurch befestigt. Wenn er dem Vorstande in seiner Antwort zwar sein Bedauern darüber ausgedrückt hätte, daß man auf einer Maßregel beharre, die er als überflüssig, ja in dem Mißbrauche, welcher von derselben gemacht werden könnte, leicht als zu schädlichen Folgen führend betrachte, er jedoch von Männern, wie der Vorstand sie in seiner Mitte zahle, wol erwarte, sie würden die Maßregel in einem Geiste ausführen, der solche Befürchtungen Lügen strafe, — daß er eine Bestätigung dieser Erwartung bereits in dem Versprechen des Vorstandes finde, nur einem solchen Manne ihre Stimmen zu geben, der auch von ihm gebilligt werden könne, er es sich daher angelegen sein lassen werde, in Verbindung mit dem Vorstande einen solchen Mann aufzufinden —: wenn Herr T. so geantwortet hätte, mit welcher Hochachtung, mit welcher Liebe hätte nicht Alles dem Manne sich zugewendet, der ebensowol Zutrauen zu ertheilen wisse, wie auch ernstlich beflissen sei, etwaigen schädlichen Einflüssen, wenigstens was ihm dafür galt, vorzubeugen, — wie hätte die Achtung vor der Felsenfestigkeit der Ueberzeugung mit der innigen Verehrung vor dem Oberhaupte, das gern sich den Wünschen fügt, soweit es nur irgend mit der Ueberzeugung sich verträgt, zur treuesten Anhänglichkeit sich verschmolzen! Man müßte den Einfluß einer lange ausgeübten Herrschaft, den Wunsch nach Stille und Ruhe in einem lange Zeit wenig angeregten Gemeinwesen, man müßte die Breslauer Gemeinde nicht kennen, wenn man behaupten wollte, der Vorstand wäre im ersten Augenblicke von einer solchen Antwort nicht entzückt gewesen und hätte sich nicht laut und im Stillen ernstlich gelobt, allen Anforderungen eines Mannes nachzukommen, der solche Aufmerksamkeit gegen seine Wünsche bezeige. Allerdings wäre der Vorstand bald zur Einsicht gelangt, welche große Schwierigkeiten diese Willfährigkeit ihm bereite; aber sicher, was er Hrn. T. und sich im ersten Augenblick gelobt hätte, wäre ihm Richtschnur seiner Handlungsweise geblieben, hätte es ihm bleiben müssen, um nicht den Vorwurf auf sich zu ziehen, durch seine Abneigung gegen ein vermittelndes Verfahren seien in der Gemeinde Zwistigkeiten ausgebrochen. Um so besser hätte Hr. T. seinen Zweck erreicht und die Wahrheit des Spruches kennen gelernt: „gib deinen Willen auf, um Anderer Willen nachzukommen, so werden auch Andere deinen Willen vollziehen" (Aboth 2, 4). Denn abgerechnet jenes falschkluge Verfahren, das etwa durch Tergiversationen und Hinziehen den ganzen Plan zu vereiteln getrachtet und vielleicht für den Augenblick den Zweck erreicht, allein eine empfindliche Mißstimmung zurückgelassen hätte, würde ein wahrhaft kluges Benehmen von Seiten des Hrn. T. einen Jeden, auf den etwa sonst bereits die Aufmerksamkeit gerichtet war, von der Wahl haben ausschließen und diese auf einen Mann lenken können, der ihm nicht gefährlich dünken mochte, und der entweder so unbedeutend gewesen wäre, daß er keinen Einfluß gewinnen konnte, oder der in seinem Wirken so enge an die Grundsätze des Hrn. T. sich angeschlossen hätte, daß dieser dadurch nur einen Zuwachs des eignen Einflusses davon erwarten durfte. Die Gemeinde hatte sich gefügt, wäre den alten, freilich traurigen, Weg weiter gewandelt, hie und da hätte sich vielleicht eine Miß/ stimmung kund gegeben, doch nun nicht gegen Hrn. T., sondern eben gegen die schwierigen Verhältnisse. Allein die Gemeinde sollte von einer solchen Schein- Heiligung, die das Uebel nur verhärtet, befreit bleiben. Nur der wahrhaft redlichen Gesinnung, nur dem reinen Wolwollen steht auch die ächte Klugheit zur Seite, die nicht eine Frucht ist schlauer Berechnung, sondern ein Geschenk des freundlichen Gemüthes. Hr. T. antwortete nicht so, wie er es hatte thun können und sollen, er blieb dabei (Antwort vom 1. Marz), „er könne in keiner Art einer Neuerung beistimmen, die sich mit den Principien unserer Religion keineswegs vertrage u. s. Es liegt, abgesehn von der falschen Richtung, welche Hr. T. eingeschlagen, abgesehn auch von der seltsamen Bezeichnung eines so ganz natürlichen Wunsches, den zu allen Zeiten üblichen gottesdienstlichen Vortrag, für den gar keine Form vorgeschrieben war, :'n einer Allen zu-