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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-05-05 · Heft 18 (5.5.1844) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 18 (5.5.1844)
Date
1844-05-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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138 ein gewisses freimaurerisches Element beigewohnt haben. Einer der damaligen Vorsteher, Lippmann Maier, ein in vieler Beziehung höchst verdienstlicher Mann, wirkte bereits eifrig zur Hebung der Handwerke unter den Juden und scheute weder Mühe noch Kosten, um den Schwierigkeiten, welche christliche Meister und Gesellen in den Weg legten, kräftig zu begegnen. — Wenn dessen ungeachtet die Gemeinde sich nicht zu der Stufe erl)o!>, bä|j sie gewissermaßen tonangebend würbe, so rührt dies von ihrer Entstehung her; indem sie eigentlich erst 50 Jahre früher sich aus zerstreuten Elementen gesammelt hatte und von verschiedenen Orten her sich vergrößerte, auch von ihrer Lage, die sie weniger mit den deutschen Schwestergemeindcn in Berührung brachte, sie immer nach Polen hinwies und ihr auch viele neue polnische Elemente zuführte. Ein Aufschwung in der Gemeinde selbst war jedoch nicht zu verkennen. Die neue Verfassung, welche den Juden der altern Provinzen durch das Edfct vom 11. Marz 1812 gegeben wurde, zu deren Herbeiführung ebenso die jüdische Gemeinde Breslau's mitgewirkt hatte, als sie dieselbe freudig begrüßte *), brachte in die ganze Sachlage eine völlig andere Gestalt. So sehr das Gesetz, aus humanem Geiste geflossen, die bürgerliche und sociale Stellung der Juden verbesserte, so sehr ließ es auf der andern Seite eine neue Begründung des Gemeindeverbandes vermissen; nicht genug nämlich, daß nicht Anordnungen vorhanden waren, welche entsprechend dem großen Fortschritte der Gesetzgebung über die Juden, den das Edict verkündete, auch die Gemeinde als solche mit in diese Bahn hineinbrachten, waren durch dieses Edict die meisten frühern Elemente der inner» Verbindung aufgelößt, und so auch die Mittel zu einer selbstständigen organischen Fortentwickelung gestört. In der That stellte das Edict zum Schluffe auch eine neue Verfassung der Cultusgemeinde in Aussicht, und nicht lange nach Emanirung desselben begannen Verhandlungen mit den Gemeinden über die Grundlagen der neuen Einrichtungen, welche aber durch die eintretenden Kriegsjahre liegen blieben. Auch in jener kurzen Zeit der Hoffnung bekundete sich Breslau als eine Gemeinde, in welcher die Intelligenz bereits mächtig Wurzel geschlagen. Als nämlich ein Deputirter gewählt werden sollte, der in Berlin in Verbin- *) Vergl. (Freund's) die gegenwärtig beabsichtigte Umgestaltung der bürgerlichen Verhältnisse in Preußen. Breslau 1642. G. 8, S, 14. düng mit den aus andern Gemeinden Gesandten Vorschläge über die Cultusangelegenheiten machen sollte, da widersetzte sich eine Anzahl achtbarer Gemeindeglieder, nahe an hundert, unter ihnen der Vorstand, einer solchen Wahl, von der sie, als von einer Majoritätswahl, keinen günstigen Erfolg zu erwarten hatten; sie schlossen sich vielmehr allen von David Friedländer ausgehenden Proposi'tioncn an. Durch die Majorität «her wllldk hks damalige Oberrabbine zum Deputirten gewählt, doch nicht einberufen, indem die Zeit heranram, da der Staat nochmals um seine Existenz zu kämpfen hatte und durch den Aufschwung seiner Bürger glänzend aus dem Kampfe hervorging. Auch die jüdische Jugend zog begeistert in den Krieg, und Hilsbach u. A., die den ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfelde fanden, gehören Breslau an. — Unterdessen änderten sich die höhern Intentionen, und man zog cs nun vor, die jüdischen Angelegenheiten auf sich beruhen zu lassen. Für Breslau, wie für die meisten preußischen Gemeinden, hatte dieß den unsäglichen Nachtheil, daß die Gebildeten entweder durch die errungenen halben Vortheile lüstern geworden nach dem Besitze des Ganzen, dieses aber erreichen zu können verzweifelnd, gänzlich aus dem Judenthum schieden, oder mit der bürgerlichen und geselligen Errungenschaft zufrieden, von dem veralteten Gemeindewesen, dessen Bande sehr gelokkert waren, sich möglichst entfernten, dessen Leitung dem Zufalle überlassend. Die Gemeinden gerietben dadurch in Verfall und die Bestrebungen, deren innere Zustände mit der Bildung der Zeit in Einklang zu bringen, wurden schlaff; Letzteres um so mehr, da höhern Orts die Ansicht nicht mehr gebilligt ward, daß den kirchlichen Angelegen, Helten der Juden eine zeitgemäße Gestalt verliehen werde. Diese Periode der Erschlaffung hat den preußischen Gemeinden vieles Unheil gebracht und festgewordenc Elemente hinterlassen, welche jetzt, bei wieder erwachter Theilnahme, mächtige Hindernisse bereiten und unsägliche Verwirrungen erzeugen. Es war eben zu jener Zeit, wo man die ganze Gemeinde als einen lästigen Verband, die anzustellenden Beamten als ein unnützes altes Möbel, das man mit den geringsten Kosten und mit dem möglichst wenigen Aufsehn sich zu verschaffen suchen müßte, zu betrachten sich gewöhnte, und wirklich verfuhr man so, namentlich bei der Anstellung von Rabbinen, Rabbinatsverwesern, stellvertretenden Rabbinen, neugeschaffenen Personen, denen man zeigen mochte, wie gering man sie eigentlich hielt, die man aber auch darnach aussuchte. In diese Zeit fällt nun auch die Anstellung

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