Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1844)
- Date
- 1844-05-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Zsraelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntnils und Nekorm des Indenthums. Redigirt und herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Nabbinen zu Stadt-Lengsfeld bei Eisenach. Rk. 18. Sonntag, »en 8. Mai 1844. V. Jahrga«g. »lüttlHf. Haupt-Artikel: Breslauer Zustände. — Geschichte -es Tages: Frankfurt a. M.: Triers Demission. Aus Baiern: die Gebetabänderungen; Fürth, Dr. Levi. Hamburg: der Reformverein; Umwandlung des vr. Mannheimer; Die Rabbinenversammlung. Carlsruhe: Petition der Israeliten. Bon der polnischen Grenze: Ukas wider die Juden. Breslauer Zustän-e. I. Artikel. Geschichtliches. Breslau gehört mit zu den Gemeinden, welche zuerst in die Wirksamkeit der Mendelssohn'schen Schule hineinqezogen wurden. Vor langer als einem halben Jahrhundert wurde hier die königliche Wilhelmsfchule gestiftet nach den damaligen wolwollenden Absichten der Regierung, durch ein wolgeordnetes jüdisches Schulwesen und zeitgemäßen Unterricht die jüdische Jugend auf den Weg der neu erwachten Gesittung und Bildung zu führen und das neue Geschlecht in den Kreis der Gesammtüeit einzufchließen. Wenn damals auch nicht feste Principien walteten über die Leitung der innern Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden, so war doch die Ueberwachung derselben, von humanen Grundsätzen aus, feststehend, und man überließ sie nicht sich selbst und ignorirte sie nicht als einen abgesonderten verdorrten Zweig, suchte vielmehr in Verbindung mit intelligenten jüdischen Männern den Fortschritt ruhig zu bewirken.? n der genannten Schule wirkten die als Schriftsteller, namentlich als Mitarbeiter des „Meeffef". bekannten Aron Wolfsohn und Joel Löwe, Bröse und Roch; die Verwaltung der Gemeinde suchte man möglichst in die Hände einsichtsvoller Gemeindeglieder zu bringen. Durch Wol>fohn bildete sich damals schon eine sogenannte dreitägige Gesellschaft, die für ihre Glieder das Beerdi'gungswesen ordnete, alle die Mißbrauche, welche auf die ernste Feier des Todes sich hausten, wegräumte und als hauptsächliches Unterscheidungszeichen aufstellte, daß die Todten erst nach Verlauf von drei Tagen — woher ihr Name — bestattet werden, im Gegensätze zur damaligen Sitte, nicht genug mit der Entfernung der Leiche eilen zu können. Die „Gesellschaft der Brüder", älter als die Berliner Gesellschaft der Freunde, gestiftet von dem bei der Gemeinde als Syndicus wirkenden Dohm — er hatte den Namen des edlen Menschenfreundes angenommen, welcher zuerst die Stimme für die unglücklichen Juden zu erheben wagte —, hatte neben ihren wohlthätigen Zwecken auch sociale und veredelnhe, und in früherer Zeit soll derselben