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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-04-28 · Heft 17 (28.4.1844) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 17 (28.4.1844)
Date
1844-04-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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135 begreiflicher und trotz mannichfachen Einspruchs bei der höchsten Behörde erwirken zu müssen glaubte." Trier, im April. In diesen Tagen ist ein junger Mann jüdischen Glaubens zum Mitglieds hiesigen Casinos erwählt worden. Die Statuten der Gesellschaft reden zwar nicht von reliligiösen Meinungen, nur von unbescholtenen Charakteren, aber daS Vorurtheil war bisher so stark, daß der Jude für beschälten galt und kein Herz hatte, um Anerkennung seiner socialen Rechte einzukommen. Mit diesem Falle ist hier das Eis gebrochen, wird die Vernunft die Billigkeit ihrer Ordnung begründen, so daß das noch spukende Mittelalter sich immer mehr und mehr in seine Macht znrückziehen muß. (Diese Nachricht, welche die Trier-Zeitung gkebt, hat an sich gewiß kein Interesse; vielmehr besteht ihre — sehr traurige — Bedeutung darin, daß ein deutsches Journal sie als etwas Interessantes noch heutzutage geben muß.) Red. Böhmen. Prag, 22. März. (Deutsche Allg. Ztg.) Nachstehender, hier wenigstens noch unerhörter Vorfall verdient als Zeichen confessioneller Eintracht allgemein bekannt zu werden, so wenig wir übrigens geneigt sind, aus einer solchen einzelnen Erscheinung weitere Folgerungen zu ziehen. „Am 10. März starb der Direktor der hiesigen israelitischen Hauptschule. Derselbe war Katholik. Dem am 12. März stattgefundenen feierlichen Leichenzugc schlossen sich nicht nur das gesammte Lehrpersonal mit den Schüler» und Schülerinnen der Hauptschule, sondern auch die Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, sowie die Schulinspectoren an. Nachdem die Leiche aus dem Kirchhof angelangt und von dem katholischen Seelsorger feierlichst eingesegnet und der Sarg ins Grab gesenkt worden war, hielt der an der Seite des katholischen Geistlichen stehende israelitische RcligionSlchrer vr. Wessely am offenen Grabe eine Leichenrede, in welcher er mit wenigen aber treffenden Worten das Leben und Wirken des Hingeschiedenen, sowie seine Verdienste um die Schule schilderte, und die tiefste Rührung erweckte. Wenn man bedenkt, daß vielleicht noch vor 50 Jahren die Betretung eines katholischen Kirchhofs von einem Juden als eine Entweihung desselben wäre betrachtet worden, mnß man den humanen Geist unserer politischen Behörden nur lobend anerkennen, die trotz des Ernstes, mit welchem sie sonst für die religiösen Interessen der herrschenden Kirche Sorge tragen, dennoch in Aeußerlichkeiten von der Strenge früherer Zeit Nachlassen." Rußland. AmoziSlow. Vor einiger Zeit wurde in der hiesigen Gegend eine Paimka (Schmuggelei) entdeckt, wobei auch einige Inden betheiligt waren. Der Fall wurde nach St. Petersburg rapportirt und es wurde darauf verfügt, daß der zehnte Mann sämmtlicher jüdischen Bewohner unseres Städtchens, ohne Unterschied des Alters und Standes, in das Militär eingereiht und sofort abgeliefert werden solle. Diese Nachricht hat hier und in der ganzen Umgegend die äußerste Bestürzung hervorgebracht. Palästina. A Jerusalem, 30. Nov. 1843. Die „Jewish Intelligence« versichert, aus unzweifelhafter Quelle die bestimmte Nachricht zu haben, daß sich in Jerusalem ein Verein, nach dem Muster eines ähnlichen in einigen Theilen Deutschlands, gebildet habe, um „das Joch des Talmuds abzuschütteln" (to throw off the goke of the Talmud)! Der Correspondent habe jedoch trotz aller Mühe keinen Namen eines Mitglieds des Vereins erfahren können, da das Ganze noch in ein tiefes Geheimniß gehüllt sei. — Ist das ein „Puff", ist der englische Correspondcnt myftisiciert worden, oder ist etwas Wahres an der Sachet Unsere directe Corresponden; anS Jerusalem von beinahe fünf Wochen später (3. Jan.) meldet uns kein Wort von einem so auffallenden Ereigniß. Vermischte Schriften. Examen d’un Israelite a Tage de treize ans '"','2 Eine Eonsirmationshandlung in französischer Sprache und mit einem Vorworte von Albert Kohn wird hier den Lesern dargebotcn. Gewiß auf dem literarischen Gebiete eine sehr erfreuliche Erscheinung. Es thut wol, die zeitgemäßen Verbesserungen im Judenthum sich ansbreitcn zu sehen, und noch mehr in dieser modernen Schale den alten Kern wahrzunehmen. Das Judcnthum in seinen Grundwahrheiten und Hanptlchrcn ist eine so glänzende Erscheinung, daß ihm in allen Ländern und unter allen Völkerschaften die Anerkennung zuletzt doch noch zu Thekl werden wird. Erstaunlich ist es, wie in so kurzer Zeit der alte Glanz hervorgebrochen und überall das Wesen vor den formellen Bestandtheileu das Uebergewicht erringt. Ob diejenigen, die mit ungeduldiger Hast den höchsten Zweck des Judenthums realisiren wollen, das, was durch daS Judemhum erzielt, im Judenrhum bewerkstelligen wollen, nicht gerade das Gegentheil bewirken und an diesem sich schwer versündigen, geben wir ihnen zu bedenken. Doch aus vorliegende Schrift zurückkommend, halten wir ein ausführliches Referat für überflüssig, denn schwerlich dürften wir deutschen Israeliten dieselbe zum Muster nehmen, aber als ein Lesebüchlcin für israelitische Kin-

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