Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1844)
- Date
- 1844-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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133 tif und — was das Wichtigste ist — liefert den besten, unwiderlegbarsten Beweis, daß der Talmud nimmermehr eine Autorität, ein göttliches Buch sein könne. Denn wenn die gedachten Lehren, die doch auch aus jenen dreizehn hermeneutischen Regeln (5INQ 5"') des Rabbi Jismael abgeleitet werden, und darum als göttlich, als traditionell — in dem gewöhnlichen rabbinischen Sinne — sich ankündigen, — es nicht sind, wegen ihres sittlich-verwerflichen Inhaltes nicht sein können, so muß jenes Buch auch den letzten Rest seines heiligen Nimbus verlieren, so muß es jedem Vernünftigen einleuchten, daß sein ganzes früheres Ansehen nur in einer höchst befangenen Volksmeinung seinen Grund hatte, daß es darum ein solches in unserer Zeit nicht mehr ansprechen könne, vielmehr in dieser nichts gerechter, ja nothwendiger sei, als das gänzliche Aufhören seiner Autorität frei und unverhohlen auszusprechen. Frankfurt a. M. im April. Es geschehen noch Wunder. (Schiller in der Jungfrau.) Und es ist nicht ein Wunder, wenn ein Christ, der selbst einen nicht unbekannten Namen trägt, einen pseudonymen jüdischen annimmt? Wenn er es gar zu dem Ende thut, um dem Israeliten ein Buch in die Hand zu geben, „das als eine wirkliche israelitische Dogmatik und Ethik zugleich ihm durch sein ganzes Leben hindurch in allen Glaubens- und Sittensachen zur sichersten Richtschnur zu dienen vermag, wo es ihm darauf ankommt, sein Aeußeres (?) wie Inneres in acht israelitischer, d. h. mosaischer Reinheit zu bewahren?" Streitet noch weiter darüber, ob eine Reform des heutigen Judcnthums von Laien ausgchn kann oder nicht, wenn ihr seht, daß christliche Schriftsteller an das Verfassen jüdischer Rcligonsbücher gehn! Es ist aber wirklich in der Hallbergerschen Verlagshandlung zu Stuttgart eine Broschüre erschienen, betitelt: „die Lehre von der Beschneidung der Israeliten, in ihrer mosaischen (?) Reinheit dargestellt und entwickelt von Ben Rabbi", welche sich in der Vorerinnerung, der wir oben eine Stelle entlehnten, ankündigt als Scparatabdruck eines CapitelS aus einem demnächst zu erscheinenden größeren Werke: „das Glaubens-, Kirchen- und Sittenrecht der Israeliten, in seiner Reinheit nach den Gesetzen Mosis dargestellt," dessen Jnhaltsverzeichniß einstweilen mit abgedruckt wird. Wenn etwa der Verfaßer von der Herausgabe dieses Werkes pekuniären Vortheil erwartet, so dürste er sich in dieser Erwartung getäuscht finden. Man ist freilich endlich zu der Ueberzeugung gelangt, daß die jüdische Religion wie jede andre ein geschichtlicher Moment ist, und geschichtliche Behandlung erheischt. Allein dieser geschichtliche Moment ist von seinem Anfänge bis auf den heutigen Tag mit kritischem Auge zu verfolgen, und dazu fehlen unsrem Verfasser, 'nach der bekannt gemachten Probe zu urtheilen, schon die nöthigen Borkenntnisse. Er scheint den Talmud und dessen Commentatoren, die zahlreichen rabbinischen Schriften, selbst das heutige Judenthum*) und dessen neuere Literatur gar nicht, und seinen Gegenstand überhaupt nur aus Michaelis und ähnlichen Schriften zu kennen. Damit reicht man aber heute nicht aus, und am wenigsten bei dem Publikum, welcheer bei der Herausgabe seines Werkes im Auge zu haben scheint. Wir würden ihm rathen, zuvor sich in den Schriften von Zunz, Geiger, Holdheim, Eisenberg:c. etwas umzusehn, was namentlich die von ihm besonders veröffentlichte Beschneidungslehre betrifft, die umfangende Abhandlung Bergsohns über dieselbe cinzusehen, und dann erst seine Kräfte nochmals zu prüfen, ob sie der beabsichtigten Arbeit auch gewachsen sind, woran zu zweislen wir offen bekennen müssen. A Frankfurt a. M. Den 30. März war seit undenklicher Zeit der erste an welchem in der hiesigen „Alten Synagoge" keine gehalten ward. Hr. Rabb. Trier, mit der Gemeinde schmollend, nahm Rache und behielt seine TOHI siir sich und seine Freunde, die er, auf den zweiten Pesach-Tag zu sich ins Haus eingcladen hat. — Als ein Svnagogenbesucher seinen Nachbar fragte, ob R. Salomon Trier heute „sage", erwiederte dieser witzelnd: „Nein, er hat nichts mehr zu sagen'." worauf der andere ruhig sprach; „das hat auch nichts zu sagen!" — und das unterbrochene Gebet wieder sortsetzte. Die Prüfung an der hies. ist. Volks- und Realschule siel dießmal besonders glänzend aus, und diese Schule bewährte aufs neue ihren Ruhm als eine der vortrefflichsten Bildungsanstaltcn unserer Zeit. Herr vr. Heß, Tirector dieser Schule, ist gewiß einer der verdientesten Männer des Judenthums, und wenn die hiesige israelitische Gemeinde heute auf einer Stufe der Bildung und Intelligenz steht, auf welcher sie dem ganzen beßern Theile des deutschen JudenthumS als Muster dient, und wenn die Männer des Fortschritts in diesem Augenblicke von allen Seiten her ihre Blicke Vertrauens- und hoffnungsvoll aus die Frankfurter Gemeinde richten, so verdanken wir diese Stellung vorzugsweise Hrn. vr. Heß, dem Prometheus, der den göttlichen Lichtstrahl hierher gebracht und als eine leuchtende Fackel aufgepflanzt hat. Hr. vr. I. Auerbach erregte durch die warmen und lichtvollen Auffassungen der erhabenen Wahrheiten unsrer Religion, welche die Schüler mit der größten Klarheit und Erkenntniß an den Tag legten, wahrhafte Bewunderung. S 0 sollte *) So glaubt er, der Act der Beschneidung werde vom Rabbinen vorgenommen, S. 36 a. E.