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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-04-28 · Heft 17 (28.4.1844) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 17 (28.4.1844)
Date
1844-04-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ISS als zu ihrem Inhalte gehörig an seinem Kinde übertreten hat, und, falls er irrthümlich der Meinung war, das Gebot sei kein göttlichoffenba rtes, sich durch Belehrung nicht zurechtweisen und die Beschneidung an seinem Kinde nicht vollzieh» läßt (Maimonides von der Buße NI, Ende) aus dem religiösen Verbände der Israeliten geschieden, zum religiösen Eide und zum Zeugnisse in so fern dessen Glaubwürdigkeit in dem Glauben an die göttliche Offenbarung gesucht wird nicht zulässig sei; daß derselbe dagegen, wenn seine Handlungsweise in der Scheu vor dem Schmerze oder dergleichen ihren Grund hatte, lediglich zu belehren ist, sie jedenfalls aber zu vollziehen hat, wenn nicht wirkliche Gefahr bei der Familie cingetreten ist. Bei den Reformfreunden treten jene Folgen ebenfalls ein, wenn sie die göttliche Offenbarung*) oder die Integrität ihres Inhaltes läugneten **), nicht aber, wenn ihr Verhalten sich bloß auf die Auslegung beschränkte, selbst wenn sie in Widerspruch mit traditionellen Bestimmungen zu Handlungen aufforderten. Landau, in der Pfalz, den 19. Kislew 5604. (12. December 1843.) Das Bezirks - Rabbinat: vr. Grünebaum. *) Daß dieses nicht geschehen, ist bereits in diesen Blättern nachgewicsen. Red. Der Verfasser des Gutachtens konnte sich hierbei nicht kategorisch aussprechen, da ihm die vorgelcgten Aktenstücke keine sichern Beweismittel an die Hand zu geben schienen. Geschichte des Tages. Freie Städte. Hamburg im April. (Corresp.) Was Sie kürzlich über den Talmud und insonders über die Pflicht, die sittlichen Unvollkommenheiten desselben nicht länger mehr zu verhehlen, gesagt, hat, wie Sie sich denken können, auch hier bei dem gewöhnlichen Publikum eine unangenehme Sensation hervorgebracht. Die Höhergesinnten und Tieferblickenden haben Ihnen aber lauten Beifall gezollt. Ich sollte auch meinen, daß die richtige Einsicht hierin auch gar nicht so schwer sei. Früher freilich, wo das Dorurtheil gegen uns noch so groß war, und wo der Talmud selbst bei einem großen Theile unserer Glaubensbrüder das heilige Ansehen eines Religionsbuches hatte, war die Sache anders. Mau fürchtete mit Recht, unfern vielen Feinden die Waffen selbst in die Hände, und dem langjährigen Unrecht gegen uns, noch eine längere Dauer zu geben, wenn man zugestehe, daß so viele Unsittlichkeiten wirklich im Talmud stehen, daß er keine umfassende Menschenliebe, ja nicht einmal strenges Recht gegen die Bekenner anderer Religionen fordere. Auch hatte das Ansehen, in welchem jenes Buch noch stand, die wissenschaftlich gebildeten Religionslehrer selbst befangen gemacht, so daß sie wirklich glaubten, es seien jene Stellen nicht so gemeint, seien nur so zufällig hingeworftne Ansichten, und dürften in keinem Falle auf die christlichen Religionsgenossen angewendet werden (wiewol ein Unrecht gegen einen Heiden auch ein Unrecht ist und jene Stellen — wie in -DD 'U HISTO , IHID n*T2K — heute noch in den praktisch - rabbinischen Gesetzbüchern sich vorfinden). Jetzt ' aber, wo man viel gerechter gegen uns geworden, und auch das Volk immer mehr von dem Glauben abkömmt, es habe heute noch der Talmud eine gesetzliche, bindende Kraft, ist wahrlich kein Grund mehr da, das zu leugnen und zu verhehlen, oder anders auszulegen und darzustellen, was doch einmal so klar und unzweideutig ausgesprochen ist. So wenig die heutigen Katholiken die beschränkten sittlichen Ansichten, welche sich in den Schriften ihrer älteren Kirchenlehrer vorfinden, werden über sich nehmen wollen, so wenig die Lutheraner und Reformirten für die — mitunter sehr schädlichen — Vorurtheile, welche sich in den früheren Schriften ihres Bekenntnisses gleichfalls vorfinden, werden verantwortlich sein wollen, eben so wenig kann es auf die heutigen Israeliten ein schlechtes Licht werfen, wenn ihre früheren Rabbinen Unvernünftiges und Verwerfliches geäußert haben, da sie an diese Aeußerungen eben so wenig mehr glauben, wie die Katholiken und Protestanten an die ihrer alten Theologen. Ja, wie die Sache jetzt steht, in der Weise, wie das Nrtheil über "MNs ein freieres, unbefangeneres geworden, müssen auch wir frei und unbefangen uns zeigen, muß uns die Wahrheit und das offene Bekenntniß derselben über Alles gelten, selbst wenn wir damit auch unsere früheren Vorurtheile und Jrrthümer, die beschränkte sittliche Stufe, auf welcher unsere Lehrer, gleich denen der Christenheit, gestanden, verrathen und blosstellen. Ich .möchte wol noch weitergehen und behaupten, daß dieses das beste Mittel zu unserer inneren Freiheit, zu unserer geistigen, sittlichen Emancipation sei. So lange wir nämlich den Talmud noch vertheidigen, noch wegen seiner beschränkten sittlichen Anschauung in Schutz zu nehmen suchen, bleibt auch in uns immer eine übertriebene Ehrfurcht vor demselben zurück, laufen wir selbst Gefahr, in die Faseleien und den allegorischen Schwindel eines Hirsch, Sachs u. A. zu verfallen. Das offne Geständniß des beschränkten Standpunktes der Talmudisten, macht hingegen unseren Blick frei, behütet uns vor allen Abirrungen der neueren jüdischen Roman-

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