Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1844)
- Date
- 1844-04-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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12» Rede ist. Und nun betrachten Sie die oft wiederholte Schlußfolge genau l Wer seinen Sohn nicht beschneiden läßt, steht dem Judenthume feindselig gegenüber; verstehn Sie es recht — feindselig, er ist ein rViftl JTDO, auf den p’IlD anzuwenden ist, er ist ein Feind, gegen den das Kriegsrecht gilt, den man ausstoßen und, wenn man kann, umbringen mußt Wenn das die Frucht der philosophischen jüdischen Theologie ist, die sich so gewaltig aüfbläht, daß sie uns Querköpfe und Jngui-- sitoren bildet, dann will ich mein Leben lang in deren Geheimnisse lieber nicht eindringen. (Braunschweig im April. Corresp.) Daß auch die Geistlichen in der Christenheit anfangen, für die rechtliche Gleichstellung der Juden in die Schranken zu treten, gehört um so mehr zu den erfreulichen Zeichen der Zeit, als dadurch am ersten auch im Volke die Vorurtheile gegen die Juden ausgerottct werden. In dieser Beziehung hat sich der Prediger C. B. König in seiner bei Vicweg und Sohn erschienenen Schrift: «die neueste Zeit in der evangelischen Kirche des preußischen Staates" ein Ehrcndenkmal gesetzt, und cs ist nur zu wünschen, daß solche Gesinnung von recht vielen seiner AmtSgcnoffrn getheilt werde, daß Alle Zeugniß davon geben, daß wenigstens in ihnen das Wort ihres Meisters: «Unter allerlei Völkern, die da recht thun und den Herrn fürchten, sind ihm angenehm" zur Wahrheit geworden. Herr König äußert sich über den gedachten Gegenstand folgendermaßen: Die christliche Religion ist aus der jüdischen hervorgegangcn, und der Stifter unserer Kirche war ein Jude, das bleibt unbestritten, so widrig es auch Manchem in die Ohren klingen mag. Auch das ist ganz gewiß, daß dem, welcher Jesu Lehre verstehen und seinen Endzweck bei Stiftung des Reiches Gottes auf Erden begreifen will, eine genaue Kenntniß der vorchristlichen Zeit nicht erlassen werden kann und wahrlich nicht undankbar ist das Geschäft, nach dem zu fragen, was Gott vor Zeiten durch den Mund der Propheten zu den Vätern gesprochen hat. Vor Allem tritt uns da als ein unaussprechlich ehrwürdiges Bild das des Abraham entgegen. Er führte die Seinen zur Verehrung des Einen höchsten Gottes, er bauete dem Einen Gott Altäre zu einer Zeit, wo alle übrigen Bewohner des Erdballs noch im heidnischen, grassesten Götzendienste befangen waren. Wie Gott zu ihm gesprochen hat, das weiß ich nicht; ich halte mich an die Thatfache, daß zu einer Zeit, wo überall Finsterniß herrschte, in seinem Geiste ein Heller Strahl des Lichtes angetroffen ward. Ich leugne es es nicht, mit derselben Ehrerbietung, wie es nur vom ftömmsten Juden geschehen mag, kann auch ich die Worte sagen: Vater Abraham! Auch Moses Verdienste um sein Volk sind mir ein rhrenwerther Gegenstand. Muß er doch einen tiefen Blick gethan haben ins menschliche Herz und ins menschliche Leben dieser Moses, daß er Gesetze geben konnte, welche noch heute jedem civilisirten Staate zur Grundlage dienen. Und die Geschichte des ganzen Volks, ist sie nicht ein treues Abbild der Geschickte der Menschheit? Abfall von Gott ist Abfall vom Glücke, und in diesem seinem Unglücke, welche rührende Klagen edler Gcmüther werden im Volke Israel nicht laut! Wenn ich das hier Gesagte erwäge und der Leute gedenke, die nur allzugern im Alten Testamente das Vorbild des neuen Testamentes finden, und die keine einzige der, von frommen Juden über den Messias ausgesprochenen, Weissagungen fallen lassen mögen, so bleibt mir unerklärbar, wie eben diese Menschen mit solchem bitterem Hasse das Judenthum verfolgen können. Geschieht das deshalb, weil es Juden waren, die Christum kreuzigten, nun so haben diese ja daS Erlösungswerk herbeigeführt, so bleiben doch die heute lebenden Glieder dieses merkwürdigen, und von Gott wunderbar beschützten Volkes unschuldig an der Missethat ihrer Väter, und das scheint ganz gewiß, wenn Jesus heute wieder käme, so würde er von den weltlichen Finsterlingen in der lieben Christenheit als Demagoge, und von den geistlichen Finsterlingen als Nationalist, wo nicht gekreuzigt, doch gewiß verfolgt, und eingekerkert werden. DaS ist meine aufrichtige Ueberzengung: ES ruht keine größere Schande auf der Christenheit, als ihr, durch alle Jahrhunderte hindurch bewiesenes, empörendes Verhalten gegen die Juden. (Schluß folgt.) Aus der baierischen Rheinpfalz. (Schluß.) Tie bei I. BenSheimer in Mannheim erschienenen Schrift:*) Zustände und Kämpfe der Juden mit besonderer Beziehung auf die baierische Rheinpsalz hat in letzterer nicht geringe Sensation hervorgerufen. Nicht allein bei Juden, sondern vielleicht mehr noch bei Christen, bei welchen jedoch die allerdings etwas scharfe Sprache keineswegs Mißbilligung gesunden. Die Folgen scheinen wolthätig werden zu wollen. Mindestens hat seitdem ein Jsraelite als Geschworner bei den Assisen-Verhandlungen functionirt, auf welche Ernennung nach schwerlich trügenden Anzeichen die genannte Schrift nicht ohne Einfluß sein mochte, und scheint selbst in der Stadt L., von welcher der Verfasser mit Recht behauptet, daß der Judenhaß mit Tinten aufgetragen erscheint, wie er wenigstens sonst in der Pfalz nicht wieder vorkommt, seitdem ein milderer Geist sich Bahn brechen zu wollen. Auch *) Es liegt diese gediegene Schrift vor uns und wird nach- Pens ausführlich bemtheilt werden. Red.