Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1844)
- Date
- 1844-04-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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128 in dieser Stadt wurden jetzt zum crstenmale wieder alle Israeliten, welche die gesetzlichen Requisiten besitzen, in die Geschwornenliste ausgenommen. Der Pfälzer ist von Natur nicht fanatisch; nur der durch den in gleicher Weise mit der christlichen steigende Wolstand der jüdischen Bevölkerung hervorgerufene Neid nimmt den Fanatismus hier und da zur Hülle seines noch verwcrflichern Wesens, und gerade in der bczeichneten Stadt, in welcher in den letzten Jahren die jüdische Gemeinde durch bedeutenden Zuwachs von außen sich der Zahl und dem Vermögen nach sehr vergrößert hatte, sah der christliche Kausmannsstand, wenige rühmliche Ausnahmen abgerechnet, mit verbissenem Ingrimm auf die blühenden Verhältnisse mancher Juden und hatte die öffentliche Meinung eingeführt. Es war an der Zeit, den Gebildeten die Augen zu öffnen und ihnen den Irrweg zu zeigen, auf welchen sie der lügenhafte Eigennutz geführt hatte. Die Wahrheit, die freilich in etwas bittern Pillen gereicht werden mußte, blieb nicht ohne Wirkung, und da der freisinnige Redacteur der Neuen Spcycrcr Zeitung, der auch durch seine schriftstellerischen Leistungen bekannte und geachtete vr. Kolb zu Speyer der Schrift und ihrer Tendenz in seinem Blatte mehrmals das Wort redete, so steht zu hoffen, daß die öffentliche Meinung sich wieder zum Bessern wenden werde. — Das Resultat der von dem Münchener Unterstützungsvcrein für isracl. Ackerbau- und Handwerkslehrlinge in Baiern von den Pfälzer Blitblnnatett geforderten Notizen bin ich noch nicht im Stande ganz mitzutheilen. In den beiden Rabbinatsbezirkcn Landau und Zwcibrückcn, von welchen die Notizen mir vorliegen, befinden sich jedoch allein 169 Ackerbauer, welche mit eigenem Viehstand selbst ihre Güter bewirthschaften, ferner 165 Handwerksmeister, 128 Gesellen und 49 Lehrjungen, und zwar Müller, Gerber, Metzger, Seiler Schlosser, Bäcker, Sattler, Tüncher, Schreiner, Blcchschmiede, Nagclschnu'ede, Seifensieder, Kammmacher, Dreher, Buchbinder, Kürchner, Uhrmacher, Goldarbeiter, Schuhmacher, Schneider, Posamentirer u. a. ein sicher nicht unerfreuliches Resultat, wenn man bedenkt, daß der Arme seinen Sohn oft gerne zum Handwerke thun würde, wenn ihm in unserer, bis jetzt an Unterstützungsanstalten armen Gegend nicht allzuhäufig die Mittel dazu fehlten. Regelmäßig gebildete Kaufleute, deren in der Pfalz bis vor einem Jahrzehend noch wenige waren, findet man jetzt häufig. Die meisten nur einigermaßen bemittelten Israeliten senden ihre Söhne in auswärtige Pensionen und Bildungsanstalten, und so sind wir auf dem Wege, dem Handel, wie er wol früher betrieben wurde, immer mehr Terrain abzugewinnen, zu der Stufe des Bürgerlebens uns immer mehr zu erheben, und so unfern Gegnern auch von dieser Seite den Vorwand ihrer gehässigen Insinuationen zu rauben.— (Berlin, 27. März.) sBerl. Ztg.j Nachdem auf Grund eine Allerhöchsten Kabinetsordre vom 25. Mai 1842 der hiesigen jüdischen Gemeinde der Wahlmvdus für eine zu treffende Rabbinenwahl vorgeschrieben worden war, und der demgemäß erwählte Oberrabbine diese Wahl anzunehmen nicht für gut fand, wurde gleichfalls in Gemäßheit der Allerhöchsten Anordnung, vorgestern zur Wahl eines Nabbknatsbesitzers geschritten. Unter Mitwirkung des Gemeindevorstandes erwählten die durch das Loos gezogenen 32 Wähler den vr. Sachs in Prag, welcher sich auch u. A. als Bibelübersetzer wolbegründeten Ruf erworben zu diesem Amte, welcher, falls er sich zur Annahme bereit erklärt, und keine Bedenken gegen seine Person obwalten, in Folge der Ermächtigung Sr. Maj. des Königs, von den Ministern der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten und des Innern zu bestätigen ist. Frankfurt a. M. 30. März. [£>. A. Z.j Vor einigen Tagen hatte die Verpflichtung des vr. Stein, des neuernannten zweiten Rabbinen der hiesigen israelitischen Gemeinde statt. Tags darauf gab ihm zu Ehren der Vorstand dieser Gemeinde ein splendides Festmahl. Der dem Vorstände Vorgesetzte Staatsdeputirte, Hr. Schöff, vr. Souchay, hatte die an ihn ergangene Einladung angenommen. Den auf des Senats und sein Wol auSgebrachten Toast erwiderte er in eben so beredter wie gemüthvoller Weise, dem auf die Verwirklichung zeitgemäßer Verbesserungen in der Gemeinde gerichteten, besonnenen und unablässigen Streben des Vorstandes volle Anerkennung zollend: eine Anerkennung, die um so höhern Werth hat, als sic von dieser Seite und durch ein so allgemein und so hoch geachtetes Organ ausgedrückt wurde, vr. Stein sprach in glänzender Rede seinen Dank für seine Berufung und den aufrichtigen und festen Entschluß aus, dem auf geläuterten Grundsätzen beruhenden Wirken des Gemeindevorstandes auch seine Kräfte zu weihen. Es ist aufgefallen, daß weder Baron Rothschild noch der Rabbine Trier der Einladung zur Theilnahme an diesem Bankett entsprachen. — Das Gerücht, Baron Rothschild habe das von ihm im vorigen Jahre für dm Aufbau einer neuen Synagoge in hiesiger Stadt angewiesene Geschenk von 250,000 Fl. wieder zurüügenommen, ist durch eine unrichtige Auffassung der Umstände veranlaßt. In der letztem Zeit haben keine Sitzungen der betreffenden Baucommission, deren Präsident ein Neffe des Geschenkgebers ist, und in deren Kreise selbst sich einige Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Ausführung des Bauprojects erhoben haben, stattgefunden. Von einem Widerrufe des Geschenkes aber kann schon aus dem Grunde keine Rede sein, weil dem diesfälligen Acte gleich anfänglich die Form eines Vertrags gegeben worden. Druck undBerlag von F. Schuster in Hrrsseld.