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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-04-14 · Heft 15 (14.4.1844) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 15 (14.4.1844)
Date
1844-04-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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119 gleichsam für Parias erklärt und als solche von allen übrigen Juden geflohen werden. Von eben diesem Beschlüsse ist nunmehr allen israelitischen Gemeindevorstehern in den Grenzdistricten unter dem Beifügen Mittheilung gemacht worden, daß sie davon ihren Gemeinden Kenntniß zu geben, in vorkommenden Fällen aber des durch die Staatsgesetze verpönten Gewerbebetriebs sofort dem nächsten Rabbinate die Anzeige zu machen hätten. Es bleibt nun dahin gestellt, ob und in welchem Maße vorerwähnte Beschlußnahme auf das Gouvernement selbst und dessen fernweitige Willensentscheidungen einigen Einfluß äußern, sowie auch in wie weit damit bei der Judenschaft der beabsichtigte Zweck zu erreichen ist. So viel bleibt gewiß, daß sich bei diesen ein großer Widerwille gegen die Uebersiedelung in Rußland, daselbst Landbau zu treiben, allseitig wahrnehmen läßt, und daß die Meisten von ihnen wenigstens, im Wechsclfalle der Wahl die Auswanderung vorziehen möchten. Auch soll, wie man Hort, der frühere Plan für diese die Unterstützung der Juden in Deutschland und Frankreich in Anspruch zu nehmen, von dessen Urheber in der Art abgeändert worden sein, daß man es mit einer Niederlassung in den vereinigten Staaten von Nordamerika versuchen will. (Von der polnischen Gränze.) Der Bremer Zeitung wird berichtet: »Ich besitze einen Originalbrief aus Gcorgenbnrg (an der russisch-preußischen Gränze) datirt vom 11. (23.)Febr., worin (in einer ganz unbefangenen Correspondenz, deren Schreiber nicht im entferntesten die Absicht haben kann, zu täuschen, der aber auf das genaueste von den ihn am nächsten betreffenden Verhältnissen früh unterrichtet sein muß) die Stelle verkommt: »Mit dem bekannten Ukase steht es sehr schlecht, eS ist nunmehr höheren Orts entschieden, daß er auch auf Städte Bezug hat. Was die Folgen davon sein sollen, übersteigt alle menschlichen Vorstellungen, da hunderttausend Menschen dem Verderben verfallen." Aus diesem Briefe geht für mich die Ueberzeugung hervor, daß am 23. Febr. an Ort und Stelle von der »Umwandlung" des Ukases nichts bekannt war, und da Jedermann, der die Verhältnisse der Welt kennt, weiß, daß Juden, die das nächste Interesse haben, etwas rasch zu erfahren, namentlich in Rußland die Mittel besitzen, sich sehr früh zu unterrichten, so glaube ich aus jenem Briefe schließen zu können, daß die ganze Historie von der Umwandlung des Ukases zu den beliebten Täuschungen gehöre, welche man uns aufzutischen für gut befindet, und ich mache die Leser noch darauf aufmerksam, daß, so weit ich mich errinnere, die Allg. Preuß. Ztg. die im Interesse der öffentlichen Meinung über Rußland die Abberufung des Hrn. von Ratakazi so früh verkündete, es bis jetzt nicht für gut befunden hat, über jene Umwandlung des Ukases ein Wort zu verlieren. Moldau und Wallachei. Jassy, 18. Februar. ES ist bereits mehrmals von dem Raube eines Judenkindes die Rede gewesen, welches hier gegen den Willen seiner Mutter getauft und in ein Kloster gesteckt worden. Diese Sache hat endlich einen günstigen Erfolg gehabt, indem dem Curator des abwesenden Vaters folgende Uebersetzung einer Note an den preußischen Generalkonsul Ritter Neigebaur nachrichtlich zugestellt worden ist: »Das Staatssecretariat beehrt sich, auf die Note des Herrn GeneralconsulS Nr. 1652 im Austrage Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten zu erwidern, daß, obwol das nach den Satzungen der morgenländischen Kirche getaufte Kind ver Feige Mandelbaum nicht wieder zurückgegeben werden sollte, dennoch, um dem Herrn Generalconsul einen neuen Beweis von Bereitwilligkeit und des herrschenden guten Einverständnisses, welches fortwährend gewünscht wird, zu geben, anbefohlen worden ist, daß das Kind der Mandelbaum einem Curator übergeben werde. Zugleich ersucht der unterfertigte Staatssecretär, diesen Curator dahin anzeigen zu wollen, damit ihm das Kind übergeben werden könnte :c. Jassv, 16. Jan. 1844. Theodor Baltich." Vermischte Schriften. Ueber Sabbat- und Feiertagsschulen und deren Einrichtung von Emanuel Hecht, Verfasser des Handbüchlein. Fulda 1843. Müllersche Buchbandlung. 58. S. gr. 8. Vorstehendes, Hrn. vr. Fürst in Leipzig gewidmetes Schriftchen hat Recensent mit Interesse zur Hand genommen, denn der Gegenstand ist wichtig und einer Besprechung würdig. Aber, mochten wir Hrn. Hecht fragen, für wen schrieb er denn eigentlich? für die Eltern? für Gemeinde-Vorstände? Will er diese zur Gründung von Sabbatschulen anregen? Das lohnte sich schon der Mühe; denn die Sabbatschulen sind in vieler Hinsicht höchst zweckmäßig und nothwendig. Allein für diese schreibt Hr. Hecht nicht. Darstellung und Styl sind von der Art, daß man einem Lehrer wol zutrauen muß, er hätte sich ganz anders ausgedrückt, seinen Gegenstand ganz anders behandelt, wenn er auf Eltern und Kinder hätte wirken wollen. Nein, Hr. Hecht schreibt für seine Kollegen; seinen Amtsgenossen will er seine -Erfahrungen" mittheilen. Und deshalb ist das ganze Büchlein mehr als unbefugte Anmaßung. Wir können es recht gut heißen, wenn ein im Schulfache ergrauter Lehrer seine Erfahrungen jüngeren Amtsgenossen mittheilt, aber wie mag das ein Jüngling,

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