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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-04-14 · Heft 15 (14.4.1844) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 15 (14.4.1844)
Date
1844-04-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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US erst wenigstens, freilich zur UuthätLgkeit*) verdammt, nicht verlassen darf. Preußen. Von der Saar, 20. März. (Trier. Z.) Aus zuverlässiger Quelle haben wir vernommen, daß von Seiten des KriegsministeriumS au die Regimentscommandeure der Befehl ergangen, sie sollten über diejenigen einjährigen Freiwilligen jüdischen Glaubens, welche sich als tüchtige, brauchbare Subjekte bewährt, umständliche Berichte einreichen, damit dann das KriegZmknisterium, resp. der König, bestimme, ob dieselben zum Landwehr- Ofsicier-Examen zugelassen werden sollen oder nicht. Es soll dabei weniger noch auf besondere wissenschaftliche, als auf praktische militärische Ausbildung gesehen werden. Aus der Provinz Preußen. Die Deutsche Allg. Zeit, hat in Betreff des harten russischen Ukases vom 2. Mai die bedeutungsvollsten Artikel gebracht. Es wird daher den Lesern nicht uninteressant sein, zu erfahren, wie jene noch immer harte Maßregel auch auf ursprünglich preußische Unterthanen aufs traurigste einwirkt. Eine geborene Danzigerin, aus Petersburg, wohin sie verheiratet war, mit den übrigen Juden vertrieben und nun seit einer Reihe von Jahren an der Grenze seßhaft, schreibt in einem vor uns liegenden, an ihren Bruder in Preußen gerichteten Brief ungefähr Folgendes: „Die verhängnißvolle Auswanderuug hat hier schon viele Thränen gekostet. Jetzt ist es etwas stiller, aber, wie es heißt, nur bis zum Frühling. Mir würde es freilich weniger Kummer «rachen, könnte ich nur wieder in mein Vaterland zurückkehren. Doch wie Gott will! Ich stürbe schon gern hier — die Feder vermag Dir ohnehin nicht mein Leiden zu beschreiben — wenn ich nur meine Kinder, meine Söhne, gerettet wüßte. Denke an meine Seclenangst und suche sic in meinem geliebten Preußen zu bergen. Du hast meinen ältesten Sohn, der bereits fünf Jahre in K. die Schule besucht, so glücklich gemacht, rette mir auch die übrigen, dem Verderben prcisgegcbenen Kinder. Du nimmst Dich ja sonst der vielen *) Wenn unter Unthätigkeit die Enthaltung jedes Ein. griffcö in die Gewissensfreiheit, jedes Glaubens- und ReligivnS- Zwanges verstanden wird, so hat unser Correspondent recht. Aber sonst wird wol Hr. Stein in hohem Grade thätig sein könneu. thätig durch das friedliche, überzeugende Wort, mittelst dessen er die Altgläubigen zu einer gesinuungsvollen Frömmigkeit zu bringen strebt, und den Aufgeklärten lebendiges Interesse für die höheren Angelegenheilen ihrer Brüder einzuflößen sucht. Uebrigcns wird jede Collksion vermieden werden, wenn, wie es ein rationelles Kirchcnrecht fordert, alle religiösen und Schul-Angelegenheiten vom Vorstande geleitet werden und der Rabbine dabei als sachverständiges Mitglied hinzugezogen wird. Red. fremden hülfsbedürstigen Russen an." Dieses kleine Bruchstück zeigt deutlich, wie drückend jenes harte Gesetz auch in die Sphäre geborener Preußen eingreift. Auf die eigne Auswanderung nach dem alten Vaterlande darf die unglückliche Briesstellerin kaum zu hoffen wagen. R u ß l a n d und P o l e n. Berlin, im März. (Magdeb. Z.) Die hierher gelangte Nachricht, daß die Maßregeln der russischen Behörden gegen die Juden auch auf die Städtebewohner in Anwendung kommen sollen, hat alle die Hoffnungen, welche man sich auf eine gemeldete Milderung des Ukases gemacht hatte, verschwinden, und an ihre Stelle die schmerzlichsten Bekümmernisse treten lassen. Viele hoffen noch, daß von einer Hierherkunft des Kaisers Manches zu erwarten sei, da sich die Glieder unseres regierenden Hauses aufs Beste für die Unglücklichen interessiren, allein es wird schwer sein, die Prinzipien des russischen Gouvernements zu ändern. Es ist nicht der augenblicklich unglückliche Zustand, in den die Juden durch diese neue Art von Deportation versetzt werden, nicht der Gedanke und der Ruin so vieler Familien, was unser Mitleid erweckt, sondern das Prinzip, welches sich in diesen Maßnahmen kund gibt. Der Natur eines germanischen Volkes widerstrebt im Innersten der Gedanke an die traurige Jsolirung von so vielen Tausenden. (A. Z.) Briefe aus Galizien und Mähren erwähnen die durch die russischen Zollbeamten in einem russischen Grenzdorfe gemachte Entdeckung ungeheurer Vorräthe von geschmuggelten Maaren in mehreren von Juden bewohnten Häusern, worüber die allarmirendsten Berichte nach St. Petersburg gemacht worden sein sollen. Man muß gestehen, daß diese Entdeckung zu sehr ungelegener Zeit kommt, und daß die russischen Grenzjuden durch diesen Fall in die Gefahr gerathen, der Wirkung der kaum wach gewordenen Gefühle des Mitleids und der Theilnahme in Rußland wie in Europa wieder verlustig zu werden. Von der polnischen Grenze. (Brcm. Z.) Die Juden« schast in den russischen und polnischen Grenzprovinzcn bietet fortwährend Alles auf, um dem über ihrem Haupte schwebenden Damoklesschwerte unfreiwilliger Auswanderung oder Uebersiedelung in die innern Gouvernements des Reichs auszuweichcn. So sind kürzlich die Rabbincu jener Provinzen zu Wilna in einen Sanhedrin zusammengetreten, um über jene Angelegenheit Rechts zu pflegen, in Folge wovon beschlossen wurde, den Bannfluch über alle jene Israeliten zu verhängen, die Schmuggelhandel treiben und darüber betroffen werden würden. Mittels dieser Maßregel würden die, gegen welche sie angewandt wird, aus jedweder religiösen Communität mit ihren Glaubensgenossen gestoßen nn

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