Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1844)
- Date
- 1844-04-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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130 der kaum ein halbes Decennium Lehrer ist? wie mag der von „Hülse« reden, die „angehenden Lehrern der Sabbatschulen" geleistet werden soll, weil sie erst „durch vieles Fallen gehen lernen müssen«? Freilich kommt es nicht immer auf die Jahre, weder des Alters, noch des Dienstes an, allein das Mitgctheilte berechtigt Herrn Hecht noch weniger zu dieser Anmaßung. Es wäre wirklich traurig, wenn unsere Lehrer die Erfahrungen erst machen müßten, die ihnen Herr Hecht bietet; traurig, wenn man dem „angehenden« Lehrer sagen müßte, daß die Pflichten gegen Gott, gegen den Nebenmenschcn und gegen sich selbst die Hauptmomente der Sittenlehre seien. Doch wir wollen uns nicht länger dabei verweilen, sondern geben Hrn. Hecht den wolgemeinten Rath, als Lehrer seine Pflicht erfüllend, für solche literarisch thätig zu sein — wenn er es denn doch gern sein will — für die er zunächst zu wirken berufen ist, denn an einzelnen guten Gedanken, richtigen Bemerkungen und beherzigenswerthen Ermahnungen fehlt es vorliegender Schrift nicht. Stimmen berühmter Christen über den damascener Blutproceß. Als Anlage zu der Schrift: Damascia, von L. H. Löwenstein. Wie veraltet auch der Gegenstand scheinen mag, vergessen soll und darf er nicht werden. Das blutige Drama ist ausgcspiclt, der Borhang ist gefallen, aber die Aufführung hat uns gezeigt, daß ein da capo nicht unmöglich ist. Vor einem Jahrzehend hätte man das steif und fest behauptet. Man hätte geglaubt, sich schwer an unserm Zeitalter zu versündigen, wenn man nur im Entferntesten das blutige Gespenst einer solchen scheußlichen Vcrläumdung für möglich halte. Aber wo und wie hat es gespukt? Freilich in einem Lande, wo die Bildung der europäischen nach steht. Aber wer hat es herauf beschworen? wer hat seiner Wirklichkeit das Wort geredet? wohin hat der Spuk sich weiter verbreitet? Mich schaudert und ein Fieberfrost schüttelt mir alle Glieder, wenn ich denke, was ich vor zehn Jahren von unserer Zeit dachte, und was ich nun denken muß. In Europa, in Frankreich und Deutschland soll eine Beschuldigung Glauben finden, gegen die sich rechtfertigen zu müssen, schon die Menschheit brandmarkt? Unsere Gesetzbücher liegen offen da; unsere Lebensweise wird seit Jahrhunderten überwacht, unsere Gotteshäuser sind Allen zugängig, unsere Gebete und Vorträge sind in allen Sprachen übersetzt und noch will man uns Vergehungen andichten, von welchen keine Glaubensgenossenschaft reiner sein kann und reiner bleiben muß, als gerade wir Israeliten. So schmerzlich in dieser Hinsicht die Erinnerung ist, so hat sie doch auch auf der andern Seite das Angenehme, uns an die Sympathie zu ermahnen, die wiederum von Seiten vieler Christen sich zu erkennen gab. Einen Beleg hierzu liefert das vorliegende Büchlein. In zwei Abtheilungen ertheilt eS 1) zwei Erklärungen, eine von vr. v. Meyer, Präsident des Frankfurter Appellationsgerichtes und eine von Prof. vr. Molitor. Beide, sehr berühmte Gelehrte, jener Protestant, dieser Katholik, sprechen unumwunden ihre Meinung aus und geben für die Unschuld Zeugniß. Die zweite Abtheilung enthält nebst der Einleitung auch eine Denkschrift von dem Herrn Herausgeber an die Herren: Criminaldircctor vr. Hitzig und vr. Häring. Diese christl. Stimmen söhnen einigermaßen wieder aus, und liefern den Beweis, daß wir jedenfalls doch fortgeschritten sind. Der Herausgeber hat sich damit ein neues Verdienst erworben, und, wie überhaupt in der Damascener Angelegenheit, auf die Dankbarkeit seiner Glaubensgenossen gerechten Anspruch. Möge das Büchlein in recht viele, besonders christliche, Hände kommen! Beschreibung von Palästina. Ein Wegweiser zur Wandkarte dieses Landes von K. M. Ernst, neu bearbeitet von Dr. W. F. Volger, Rector am Iohanneum in Lüneburg. Dritte verbesserte Auflage. Berlin, Verlag von Fr. Henze 1843. Ein so günstiges Urtheil vorliegendes Büchlein in geographischer Hinsicht mit Recht anspricht, u«v daher gewiß einer großen Verbreitung sich erfreuen wirb, für israelitische Schulen können wir es seiner consessionellcn Färbung wegen nicht empfehlen. Ob eine Geographie oder Beschreibung von Palästina ohne diese möglich sek, wollen wir dahin gestellt sein lassen, aber mit Recht kann man verlangen, daß in Schulen kein Buch benutzt werde, welche der Religion der Schüler widersprechende Lehren enthält. UebrigenS besitzen wir bereits eine solche Beschreibung von Herrn Traub, die ausführlicher, vollständiger und doch nicht theurer ist; auch enthält der empfehlenSwerthc Leitfaden von Elkan eine kurze Beschreibung, die für Volksschulen vollkommen hinreichend sein dürfte. A — r. Druck undVerlag von F. Schuster in Hersfeld«