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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-04-14 · Heft 15 (14.4.1844) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 15 (14.4.1844)
Date
1844-04-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ne aber für die Gesammtheit wird immer mehr oder minder der Abdruck von solchen usurpirten Gewalten genommen und: „das Jahr übt eine heiligende Kraft. Keine größere der pfälzischen Gemeinden aber zählt noch ein halbes Jahrhundert, ja großtentheils kaum noch ein Jahrzehend ihres Bestehens, da früher die Israeliten mehr in den Dörfern zerstreut wohnten, und erst in der neuesten Zeit haben sich sowol durch inneres Wachsthum als durch Zuzüge von außen einigermaßen bedeutende Gemeinden in einigen Städten gebildet. Drßhalb fehlt cs ihnen allen noch an Anschn und an Muth, an dem frischen Geistesleben, das Viele im Innern ergriffen, an die Spitze zu treten, und einen völlig entsprechenden äußern Ausdruck dafür zn erringen. Der innere Geist aber hat sich zu bilden begonnen, und wir dürfen daher in Bezug auf die äußere Gestaltung einer, vielleicht nicht mehr fernen, bessern Zukunft entgegen sehen. Fast überall bestehen Schulen mit gesetzlich geprüften Lehrern, und auch in der Synagoge, im Gottesdienste und den äußern Cultus - Uebungen ist Manches geschehen. Jedenfalls sind die Ideen vielfach vorbereitet, und die Giftpilze, die das religiöse Leben an seinen beiden Enden so oft ausstößt: JndiffercntiSmuS und Fanatismus, sie finden doch in der Pfalz eigentlich nur geringen Boden. Der Frankfurter Reformverein hat auch bei uns die Aufmerksamseit Vieler auf sich gezogen, bei Wenigen zwar um der Sache willen, sondern weil eben Frankfurt, das in unserer Gegend noch immer das traditionelle Eldorado talmudischer Gelehrsamkeit und synagogalen Einflusses ist, der Schauplatz des Kampfes war. Auch die pfälzischen Rabbinen — von einem wissen wir es gewiß — hat das Frankfurter Rabbinat um Gutachten in jener Angelegenheit angegangen. *) Der Inhalt des eingcsandten mag aber nicht ganz genehm gewesen sein, da man dasselbe in die gedruckte Sammlung, wenn auch nur „vorläufig" nicht ausgenommen hat. Denn der Verfasser hat sich zwar gegen diesenigcn, welche die Beschneidung an ihren Knaben unterlassen, so wie gegen den Reformverein, insofern er dies hervorgerufen, ausgesprochen, er ist aber auch eben so offen in seiner gewohnten *) Ist unter diesem Gutachten das des Bezirks-Rabbinen Grünbaum in Landau verstanden, so können wir die Wahrheit der Angabe aus eigner Anschauung bestätigen, und wirft es in der That ein eignes Licht auf die Ehrlichkeit des Frankfurter Rabbinats, daß es diejenigen Gutachten, welche nicht in seinen Kram paßten, der Oeffentlichkeit entzog, und doch behauptet, die Rabbinen wären alle in den Resultaten mit dem Inhalte der abgedruckten Gutachten einverstanden. — Wir werden das Grünlbaumsche Gutachten in der nächsten Nummer mittheilen. Red. Weise, nach welcher er seine Ansichten nicht mit pietistischem Nebel umgibt, oder in poetische Floskeln hüllt, sondern geradeheraus sagt, gegen das Schlafmützenthum der alten Rabbinen ausgetreten, die durch ihr bequemes Nichtsihun eben den Verfall des Glaubens hervorgerusen und am Ende, wenn das Verderben hereingebrochen und das Getöse der schäumenden Wellen im Sturm des ringsum aufgeregten Lebens sie aus ihrem süßen Schlummer weckt, sich erstaunt die Augen reiben und verwundert ftagen: schon wieder eine Auflehnung, nachdem erst vor 1800 Jahren die Sadduräer sich gegen den Talmudismus aufgelehnt, wie jener Göttinger Professor bei der Schlacht von Leipzig gefragt haben soll: schon wieder Krieg, nachdem erst der siebenjährige Krieg gewesen? Er hatte die ganze Revolution über seinen Büchern verträumt, und war erst dann aufgewacht, als der Donner der dreitägigen Völkerschlacht auch den Stein zum Leben hätte ausschrecken können. — (Schluß folgt.) Vom Rhein im März. Unsere Nachbarstadt gährt noch immer vom Nesormverein und von der Verwaltung der Palästinaspenden durch Lehren. Uebcr ersteren will ich gern gewichtigeren Stimmen das Urtheil überlasten; nur über den letzteren Gegenstand wollen Sie mir einige Worte erlauben. Ich freue mich, daß der Aberwitz an den Pranger gestellt, die fanatische Herrschsucht, die von der hartnäckigen Orthodoxie unzertrennlich ist, mit ihrer Hinterlist und ihren fluchwürdigen Jntriguen enthüllt wird; es ist sehr gut, wenn durch diesen eifrig fortgeführten Kampf Lehren die Mittel entzogen werden, welche ihm bisher von Vielen aus Schwäche, Gutmüthigkeit und aus andern Rücksichten dargereicht wurden, und die ihm blos dienten, seinen Zwecken zu stöhnen. Mit diesem negativen Erfolge ist es aber auch so ziemlich genug; die positive Begeisterung für eine andere Spendenverwaltung und für einen Hospitalbau in Jerusalem kann ich in mir nicht erwecken. Wer wird die Fürsorge für Arme und Hülflose tadeln? Allein rnnK TJ> pöTlp “]Ty ''ty bleibt immer Regel, und wenn auch diese andere Stadt Jerusalem fein sollte. Darüber hat unser Geiger in seinem letzten Hefte ein beherzigenswerthes Wort gesprochen. Das Geld wird nach dem Auslande hin versendet und verschwendet, für die wichtigeren Zwecke der Heimath fehlt cs dann an Mitteln. Ich glaube daher auch nicht, daß die wahrhaft Wackern, welche sich an der diesjährigen Rabbinenzusammenkunft betheiligt haben und betheiligen werden, die sehr ausgesprochene Versicherung Philippsons, daß diese Zusammenkunft daS Comits für den Hospitalbau wählen werde (nicht möchte), ratisiciren werden. Wenn die Herren nichts Besseres zu thun haben als Dies, so mögen sie ganz ruhig zu Hause bleiben! Aus Baiern. (Corresp.) Ich habe, wie Alles was der

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