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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-04-14 · Heft 15 (14.4.1844) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 15 (14.4.1844)
Date
1844-04-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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115 Punkt Bauers beipflichten, oder ihm, wie das gewiß von unserer Seite geschieht, widersprechen, so muß man doch bedauern, daß die Gewalt sich in die Sache mischte, daß der Staat sich ein Urtheil über eine Ansicht erlaubte, ja daran den Verlust eines bereits innegehabten öffentlichen Dienstes knüpfte, über welche doch nur der Geist selbst, die Wissenschaft und das Bewußtsein der Zeit zu entscheiden hat, ich sage, wir Israeliten sollten in unserem Urtheil über einen solchen Mann um so gerechter, milder, um so schonender sein, sollten uns um so mehr vor jedwedem hämischen, verletzenden Tone dabei hüten, als wir ja selbst in Folge jener unserer Ansicht leiden, als es doch nur das falsch aufgefaßte Verhaltniß des Staates zur Religion, die noch nicht vollzogene Ausscheidung aller positiv religiösen Elemente, wo es sich um das Recht des Menschen und des Bürgers, und also auch um das unsrige handelt, als es mit einem Worte der Spuck des christlichen von B. in solchem Sinne mit Recht gebrandmarkten Staates ist, welcher uns noch jetzt beschränkend und hemmend entgegen tritt. Darum ist, wie gesagt, Herr Dr. Salomon seinem Gegner eine große Sühne schuldig, und wir übernehmen sie für ihn, indem wir schließlich in unserem Namen, wie im Namen Atter, die den wahren Standpunkt des großen Kritikers zu fassen und zu würdigen wissen, hiermit gegen die ihm schuldgegebene Flüchtigkeit, Entstellung der Wahrheit und vor allem Gehässigkeit gegen unsere Brüder förmlich protcstiren; und zum Beweis der Rechtlichkeit dieser Protestation unseren Lesern die Stellen aus dem Bauerschen ersten und zweiten Aussatze *; mittheilen, in welchem er Alles, was er über Christenthum und Judenthum und die Rechte beider Religionsbekenner geäußert, folgendermaßen zusammenfaßt: Die Emancipation der Juden ist auf eine gründliche, erfolgreiche und sichere Weise erst möglich, wenn sie nicht als Juden, d. h. als Wesen, die den Christen immer fremd bleiben müssen, emancipirt werden, sondern wenn sie sich zu Menschen machen, die durch keine, auch durch keine fälschlich für wesentlich gehaltenen Schranken mehr von ihren Mitmenschen getrennt sind. Die Emancipation kann also auch nicht an die Bedingung geknüpft werden, daß sie Christen würden — eine Bedingung unter der sie nur in einer andern Weise als sie es vorher waren, privilegirt würden. Wenn sie frei werden wollen, so dürfen sich die Juden nicht zum Christenthum bekennen, *) Letzterer ttt den »21 Bogen aus der Schwei;." sondern zum aufgelößten Christenthum, zur ausgelößten Religion überhaupt, d. h. zur Aufklärung, Kritik, und ihrem Resultate, der freien Menschheit. Geschichte -es Tages. Aus der bairischen Rheinpfalz. (Corresp.) In einem Lande, wo cs im Ganzen eigentlich keine einzige bedentmde Gemeinde gibt; wo das Rabbinat ohne detaillirte Instruction ist; wo die Negierung posttiv, schöpferisch eingreisend in die Regcnerirung und lebendige Umgestaltung des jüdisch-religiösen Lebens fast niemals auftritt, weil ihr die Synagoge keine Kirche ist, da können der Natur der Sache nach keine bedeutenden Symptome äußern Umschwungs an das Licht des Tages treten, obgleich es dem geübten Tiagnosten nicht schwer fallen wird, tief im Innern die kräftigen Schläge eines sich verjüngenden Lebens zu erlauschen. So ist es in der Pfalz. Man findet hier keine einzige bedeutende Gemeinde, welche die Kraft hätte und den Beruf in sich fühlte, sich an die Spitze der geistigen Bewegung zu stellen, gleichsam als Metropole sich zu gestalten, an welcher die andern sich ausranken könnten. Wol gibt es in einzelnen Gemeinden Männer, denen eö an Einsicht und Willen, das Gute zu begreifen und praktisch zu fördern, nicht fehlt; aber sie stehen zu isolirt, und ihr Streben wird von Andern zurückgehalten und gelähmt, und — was unseres Erachicns die Hauptsache ist — es fehlt allen Gemeindcn an tradirioneller Bedeutung, und — es ist eine merkwürdige, aber unläugbare Erscheinung: die Tradition führi die Herrschaft nicht bloß im Reiche des Gedankens, im innern Leben des Glaubens der Lölker, sondern auch in den äußern Beziehungen und Lerhältnisseu. Thuet was ihr wollet, ihr könnet ihrem Einflüsse euch nimmer entziehen, windet und drehet euch nach allen Richtungen, ihr könnet ihre siegende Kraft nimmer ganz bewältigen. Woher käme es denn anders, daß manche Gemeinde, wenn ihre innere Bedeutung längst aufgehört, nichis desto weniger sortsährt, in einem gewissen Kreise mindestens ihre Zauberkraft zu üben, woher anders käme dies, als daher, daß sie eine gewisse traditionelle Wichtigkeit besitzt, weil die Tradition sie als das neue Zion preist, von welchem die Thora aus gche für daö zerstreute Israeli Für den Einzelnen mag solcher Einfluß ohne große Bedeutung sein, der richtet sich selten nach Autoritäten, die nicht im geistigen Uebergewicht ihr Ansehn erringen, und unter gewissen Beschränkungen gilt das Wort des Lichters: »Hab ich des Menschen Kern erst untersucht, »So weiß ich auch sein Wollen und sein Handeln.

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