Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1844)
- Date
- 1844-04-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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den guten Prediger! Wie er von der Tieft des Talmuds spricht, von der Weihe und Sinnigkeit! Wird man nicht irre an dem ganzen heutigen Rabbinen- und Predigergeschlechte? TTkß' Tnin , wahrlich, man möchte verzweifeln. Da hat Philippson, der sich doch ungebärdig genug benahm, ein wahres Wort über diese Gutachten gesprochen; Alle möchten sie gern bei dieser Gelegenheit den Heiligenschein sich erwerben, Alle bücken sich vor dem erhabenen Stuhle Trier's, wer weiß, man kann vielleicht auch hinanklimmen. Wenn ich Sie nur hätte, diese Gutachten, ich wollte mit meiner »Laien"-Feder doch manch Loch hineinbohren und diesen hierarchischen Gelüsten doch auch einen Damm entgegenzusetzen versuchen. Doch die »Frommen" sind schlau, sie wissen, ihre Stärke ist das Denunciiren, das Parteimachen, das Schreien mit dem Munde; die Oeffentlichkeit fürchten sie. Es ist ein nicht lieblich Bild, das ich dem Leser aufgerollt habe; doch ist es nicht besser, man sagt ungeschminkt, wie es ist, als daß man vertuscht und verkleistert? Wie es besser werden soll? Ich denke gerade durch unverhohlene Oeffentlichkeit. Obdie projcctirte Nabbinenzusammenkunft unS aus der Verwirrung befreien wird? Das glaube ich nicht, obgleich ich sie für gut halte. Werden Sie uns nicht Ihre Ansicht über diesen Gegenstand ausführlich mittheilen?SWollen Sie die meinige hören, so gebe ich sie Ihnen und Ihren Lesern gern zum Besten, mag sie auch von Andern als sehr überflüssig betrachtet werden. Doch für heute sei es genug; mögen Sie und die Leser Ihres Blattes mich nicht mißverstehn. Ich meine es ernst mit dem Judenthum und den Juden, und weil ich es ernst meine, schleicht sich auch manche Bitterkeit und mancher Unmuth ein, und wenn ich sie hinausgeworfen habe, dann ist mir wieder frei und wohl um'S Herz, dann kommt die Liebe wieder mit leisem Flüstern, und ich bin dennoch wieder mit dem Gange der Dinge zufrieden; sind wir ja weit genug, daß wirlüber Halbheit klagen können, steht uns ja die ganze eherne Mauer nicht mehr entgegen'. M. N. Königsberg im März. (D. A. Z.) Der Kaufmann Ludwig Funke fährt fort, für die Familie des Professors Jordan zu sammeln, und der Turnverein sandte erst unlängst eine sehr bedeutende Summe zu Gunsten des alten Jahn ein. Auch die Israeliten sind hinter ihren christlichen^Mitbürgern in dieser Hinsicht nicht zurückgeblieben. Nicht nur, daß sie an jenen allgemeinen Bestrebungen den thätigsten Antheil nahmen, es haben sich außerdem seit einem Jahre den bereits bei ihnen bestehenden Wohlthätigkeitsanstalten zwei neue bemerkenswerthe Vereine segensreich angeschlossen. Gegen Ende des vorigen Jahres trat der Königsberger Brüderverein ins Leben, ein zeitgemäßes Institut, dessen Bestimmung darin besteht, hülssbedürstige Handelscommis zu unterstützen und in Krankheitsfällen heilen und verpflegen zu lassen. Ihm würdig zur Seite steht der nunmehr gegründete »Unterstützungsverein für hiesige Handelsleute", die sich einander bei unverschuldeten Leiden zu helfen verbunden haben. Die trefflich gearbeiteten Statuten beider Vereine sind von der königl. Negierung bestätigt worden und tragen durch ihre ausdrückliche Bestimmung: »Mitglieder ohne Unterschied der Confession aufzunehmrn", den Stempel wahrer Humanität an der Freie Städte. Frankfurt a. M. 17. März. (Corresp.) Irgend ein literarischer Lampensüllerjunge hat dem »Jsr. des neunz. Jahrh." den Possen gespielt, ihm abscheulich brenzliches Lel (um Börne's Ausdruck zu gebrauchen) in die Lampe zu gießen. Der Art. aus Prag in Nr. 7 d. Bl., worin dem nichtswürdigen Bary und seinem elenden Machwerke eine Lobrede gehalten wird, hat hier, um mich äußerst gelind auszudrücken, einen sehr unangenehmen Eindruck hervorgebracht, und es geschieht sowol zur Ehre der Wahrheit als zu der des Blattes und seiner Correspondenten, wenn ich, alS Einer der lctztern, hiermit gegen den Inhalt jenes Artikels feierliche Verwahrung einlege. Das lag niemals in der Tendenz und in den Prinzipien dieses Blattes, daß eS den Grundsätzen und dem Charakter eines Vary etwas anderes als die tiefste Verachtung zolle. Ein Mensch, dessen Bildungsstufe und Denkungsweise ihm vielmehr unter den Schergen von Sibirien als unter den deutschen Schriftstellern seinen Platz anweist; ein Mensch, der gleich einem Wurme vor den Großen und Gewaltigen kriecht, während er wie eine giftige Schlange sich an den bedrängten russischen Israeliten hinaufringelt, um sie mit seinem giftigen Geiser zu tobten; ein Mensch endlich, der es im Jahr 1843 im Angesichte der civilisirten Volker wagen konnte, zu behaupten, dem Staate willkürlicher Privilegien gebühre ein Vorzug vor dem Staate der Gesetze, der, um sich einen Platz unter den Werkzeugen der Gewalt zu erwerben, der Herrschaft der Willkür einen unbedingten Vorrang vor der Herrschaft der Gesetze vindicirt — ein solch niederträchtiger Verräther hatte keinen Anspruch darauf, daß sein geschändeter Name in diesen Blättern auch nur einmal genannt würde. Und dennoch ist man so weit gegangen, ihn den gebildeten Israeliten als einen wahrheitsliebenden, würdigen Mann anzupreisen und aus seinem Schandbuche hier lange Auszüge zu geben! ihm, der nur den Muth eines Henkersknechtes und die Gesinnungen eines teuflischen Angebers besitzt, ihm hat man hier einen lobenswerthen Muth und höchst achtungswerthe Gesinnungen, ja, eine »humane" Den-