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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-04-07 · Heft 14 (7.4.1844) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 14 (7.4.1844)
Date
1844-04-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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HO wollen wir sein, auf Kosten der Innern UNS die äußere Freiheit erkaufen, das verlangen wir nimmermehr. — Ullmann ist nun in das Reich der Ewigkeit eingegangen. De mortuis nil nisi bene, ist ein alter schöner Spruch, der seine tiefe Wahrheit hat; gilt es die Person des Menschen, seine individuellen Beziehungen, so haben diese mit dem Tode für uns aufgehört, er steht nun vor einem unbestechlichen, kundigen Richter, wozu soll unser Urtheil? Allein so sehr meine Relation den Schein von Persönlichkeit haben mag, so kann ich getrost sagen, daß sie lediglich das System im Auge hat, das allerdings von Personen getragen wird, das an ihnen nachgewiesen werden muß; sie will eine Krankheit der Zeit enthüllen, und dich kann nur geschehen, wenn einzelne Fälle der Krankheit, also die kranken Personen selbst mit ihren wunden Stellen vorgezeigt werden. Ich stehe zu allen diesen Herren in keinerlei Beziehung, und gerade um zu zeigen, daß meine Absicht nicht etwa ist, irgend Jemanden zu schaden, muß ich den Todten, ^gegen den Liebe und Haß und Neid dahin ist", mit gleicher Unparteilichkeit behandeln. Ullmann war im Ganzen ein Mann, von dem man wenig hörte, der für Emancipation manchmal thätig gewesen sein soll, der aber als Theologe sich keine Geltung zu erwerben wußte. So oft er als solcher auftrat, war es recht erbärmlich. Sie erinnern sich vielleicht noch des verschollenen sogenannten Religionslehrbuches Auerbachs in Darmstadt, das angeblichlmit den Approbationen von 43 Rabbinen ans — Dunkel der Welt trat. Zu diesen gehörte auch Ullmann; man war da gut orthodox, und ein Lehrbuch in deutscher Sprache von einem Manne, der der Regierung gegenüber doch den Ruf eines einsichtsvollen Geistlichen nicht verschreien will, wird doch wahrlich Nichts enthalten, durch dessen Approbation mau bei den Andern anrüchig würde! Allein das Buch ward bald von der Kritik in seiner Blöße kenntlich gemacht; da nahm Ullmann den Rückzug und distinguirte zwischen einer deutschen und hebräischen Approbation u. dgl. m. In dem Schreiben am Sabbate hatte er schon früher einmal einen Angriffspunkt gegen den verewigten Creizcnach gefunden, und bei der Frankfurter Angelegenheit soll, wie Eingeweihte versichern — unser Einem sind diese Gutachten ein nicht zu erreichender Schatz — sein Gutachten unter aller Würdet sein. — Doch wir haben noch einen Mann zu betrachten, der nicht durch seine Stellung, sondern durch sein literarisches Auftreten dieser Gesellschaft sich anschließt, — Herr Kirchheim. Freilich gibt es manchen Schächter, der wie ein Rabbine sich geriet; allein Kirchheim sind wir weit entfernt, die Befugniß abzusprechen, auf dem Gebiete der Literatur sein Urtheil geltend zu machen. Nur darum handelt es sich, wie er dies thut. Ich will es Ihnen nur gestehn, Kirchheim ist weit weniger zu fassen, als alle die Andern; das ist eine springende Natur, bald hier, bald dort, ein Chamäleon, bald schwarz, bald weiß. Heute schmäht er Lehren, den Chasid, morgen den Reformverein, heute ein Gegner der Frankfurter Orthodoxen, als der Beschützer Lehren's, morgen ihr eifriger Partisan, ein Werber um Gutachten, heute beklagt er sich bitter, daß Lchren's gedruckte Libelle nicht veröffentlicht und nur den Freunden unter der Hand gegeben werden, morgen gehört er mit zu denen, die über den Frankfur. ter Gutachten wie die Drachen hocken und sie vor jedem prüfenden Blicke bewahren. Ich bin nun freilich von Eisenberg weit abgekommen; aber die Gelegenheit war zu verlockend, und ich denke, solche Charakteristiken haben doch auch ihren Nutzen. Da lesen wir Woche für Woche in den Blättern, wir denken, lauter Männer einer neuen Richtung vor uns zu sehen, denn die Alten schreiben gar nicht, und am Allerwenigsten deutsch; ist es nicht nöthig, daß wir uns orkentiren und wissen, woran wir denn eigentlich mit einigen der Stimmführer sind? Herr Eisenberg nennt von seinen Gegnern nur Frankel und Ullmann; warum er nicht auch auf die andern eingegangen ist, weiß ich nicht. Doch bezeichnet er noch einen Andern, den Verfasser eines Schriftchens, der, wie es scheint, ein kurhessischer Rabbine ist. Seiner Schrift werden Sie sicher eine ausführliche Würdigung angedeihen lassen, und ich mag Ihnen darin nicht vorgreifen; allein ein allgemeines Urtheil glaube ich aussprechen zu dürfen, daß sie, trotz mancher Breite, gediegen und ehrlich ist. Ich glaube, wir haben an ihm einen wackern Kämpfer erhalten. O, sie werden schon über ihn herfallen; er ist ein -IDIE, sagt der Eine, er ist eine Qf/ der Andere, glaubt er nicht, daß der Hillel, welcher den Ausspruch gethan, Israel habe keinen Messias zu erwarten, der alte Lehrer vor der Zerstörung des Tempels sei, während er doch ein viel späterer ist, glaubt er nicht, bedeute bereits im Talmud Mystik u. A. dgl.? Doch wenn sic sich an solche Kleinigkeiten halten werden, haben sie sich selbst das Urtheil gesprochen; daS Wesen, die Ansicht, — könnt ihr si e widerlegen, dann tretet auf. Ich bin nun einmal im Zuge, geehrter Herr Redacteur, und Sie gestatten mir noch einen kleinen Raum. Ich habe oben mehrfach der Frankfurter Gutachten gedacht und auch gesagt, daß sie für uns versiegelt sind. Welcher orthodoxe Kleinmuth, welche gläubige Feigheit! Was wir bis jetzt davon gesehen haben, das Gutachten Mannheimers und S. Hkrsch's, wäre freilich besser verborgen geblieben. Welch eine Gespreiztheit bei Mannheimer, welch ein schmeichelndes Hinandrängen an die Orthodoxie, welch ein hierarchisches Gelüste! Denken Sie sich, wenn der Mann erst wirklich ein wirklich Rabbine wäre! Wie schade um

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