Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1844)
- Date
- 1844-04-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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109 seiner Monatsschrift zu sein; ich lobe mir die ächte Gemüthlichkeit, die wahre Innerlichkeit, die Versenkung in den dunklen Urgrund unserer Seele, das Ahnen und Durchglühtsein, die Wärme und Innigkeit, aber wenn die träge Gewohnheit sich diesen hehren Namen anmaßt, dann ekelt sie uns an, und der Beschützer solcher handwerksmäßigen Außensrömmigkeit hat auf unsere Achtung keinen Anspruch. Doch wir begegnen ihm auch noch bei den Streitigkeiten in Breslau und Frankfurt a. M. Einem, nicht unbeglaubigten, Gerüchte nach hat er da, wie es scheint um dem Angriffe zu entgehn, der der Halbheit von beiden Seiten droht, vielleicht auch durch die aus ihn gelenkte Wahl in Berlin vornehm und hochmüthig geworden, die Ertheilung eines Gutachtens abgelehnt, angeblich, weil er sich mit keiner Partei einverstanden erklären könne. DaS ist bequem und ignorirt zugleich: ein herrliches Resultat. Allein die Angelegenheit des Sabbatschreibens war eine höchst willkommene. Ein Kampf gegen ein Consistorium, gegen eine Behörde —das beweist einen ehrenvollen Muth: aber es ist ein Kamps um des Glaubens Willen, der gibt zu keinem Verdachte wegen zu liberalen Ansichten Anlaß, sind ja die süßlichsten Pietisten, die ihr „seid unterthan der Obrigkeit« als ein Testimonium ihrer ächt monarchischen Gesinnungen überall den Negierungen präsentiren, auch ganz rücksichtslos ungehorsam gegen den Staat, wenn es „um Gotteswillen" sein muß! Ja, Frankel stand da als ein Hort der Nechtgläubigkeit; kämpfte er nicht für das Verbot des Schreibens am Sabbat? Das mußte den Altgläubigen, den Buchstäblern sehr wol gefallen, er verdiente ihren Dank; doch er verstieß damit nicht gegen die Neueren. Die Thoren, winkte er diesen zu, die da glauben, ich richtete meine Waffen gegen die Aufhebung des Verbotes; nein, der Gewissenszwang ist es, den ich hasse, und darin werdet ihr Freisinnigen doch gewiß mit mir cinstimmen, ich spreche ganz in eurem Sinne. Diese vortreffliche Gelegenheit ließen sich auch unsere andern Bekannten nicht entgehn, wenn sic auch freilich nicht alle mit so gewandter Taktik verfuhren. Lassen Sie unS doch die Andern mustern! Zuerst Hirschfeld unter dem doppelten Schutze des eignen Doctorhutcs und der Zobelmütze seines Schwiegervaters, des Rabbinen in Posen; wo jener nicht nützt, wird diese ihren Eindruck nicht verfehlen. Für diesen Schutz läßt Hirschfeld aber auch Eiger wieder seinen Schutz angedeihen. Als dieser, Geigern sinnlos verketzernd, an Geiger'n seinen Mann fand und ohne viele Umstände persiflirt wurde, trat Hirschfeld in die Schranken, aber mit welchen Waffen! Er schimpfte, verdrehte die Worte und sagte, daß, wenn Geiger nicht antworte, das Publikum nun wisse, was es von dessen Character zu halten habe; ich denke, daö Publikum weiß Dies auch, daß G. eine viel zu würdige Persönlichkeit ist, um solchen gemeine» Ausbrüchen Rede zu stehen. Die Geschichte der Juden auch in der Gegenwart ist aber leider zu reich an Gelegenheiten, die von Männern dieser Art ausgebeutet werden können. Da kommt der Befehl in Rußland zur Vertreibung der Juden von der westlichen Gränze. Welches fühlende Herz wird nicht durch solche Barbarei von Mitleid bewegt werden? Wirklich haben die großen preußischen Gemeinden Bittschriften an den Kaiser eingereicht, die jedoch leider auf gut russisch beantwortet wurden; da wenden sich die russischen Juden an Eiger und bieten eine Summe dar, damit man durch sie die Mittel zur Aufhebung dieses WrllkührakteS erlange. Eiger citirt seinen Schwiegersohn, und dieser tritt eine Wanderung an, etwa nach Petersburg? Nein, zuerst nach Berlin, dann nach Frankfurt a. M., wahrscheinlich mit einem kleinen Abstecher nach Crefcld, von da nach Paris, von wo mau ohne Geräusch nach London überschifft. Errathen Sie nun die ^Absicht? Die Devise ist: „für die unglücklichen Brüder!" Der Zweck ist — „ein erledigtes Oberrabbinat, Rabbinatsassessorat, zweites Rabbinat u. s. w." — Gebhard ist mir bis jetzt außer dem Streite in Wreschen über seine Ausnahme — die ihm Ehre macht — und seinem Feuereifer über das Attentat mit dem Sabbatschreiben ein ziemlicher tiomo obscurus geblieben. Allein auch seine Aussprache über HoldheimS Buch will mir nicht gefallen. Principien bleiben bei Seite liegen; man stimmt nicht bei, man widerlegt sie nicht. Aber talmudische Gelehrsamkeit — und welch eine wohlfeile! — droht uns zu überschütten. Holdheim hat, soviel ich von der Sache verstehe, sicher Unrecht, wenn er den talmudischen Ausspruch, man dürfe vor einem nichtjüdischcn Gerichte keinen Rechtsstreit führen, umdeuten will; der Talmud meint es buchstäblich so und alle unsere heutigen Talmudsromme sind grobe Sünder, wenn sie sich von den Gerichten Recht sprechen lassen, sie müßten, ä la O'Connell, vom Staate unabhängige Friedensgerichte einsetzen, den miri JH von einem p-j sprechen lassen. Sagt dies nun Gebhard? I, bewahre! De: Talmud meint nur heidnische Gerichte — denn Hr. Gebhard wohnt zum Glücke nicht in China und darf dies hier sagen, ohne anzustoßen —, aber unter werden nie und nimmermehr Christen und Muhamedaner verstanden. Elende Ausflüchte, nichtswürdige Lügen, mit denen man einmal ein Ende machen sollte; man poche nicht zu sehr auf die Langmuth der Entschiedenen, man vertraue nicht zu sehr aus ihre Bangigkeit, die Blößen des Talmuds aufzudecken, weil sie daraus Nachtheile für die bürgerliche Stellung der Juden besorgen. Solche ewige unwahre Verherrlichungen des Talmuds werden ihre Geduld endlich ermüden und ihren Mund öffnen; stei von Außen und Innen