Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1844)
- Date
- 1844-04-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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108 mehr vorhanden, ist es Pflicht, dringende und heilige Pflicht, der Wahrheit die Ehre zu geben, und das eigentliche Sachverhaltniß offen vor aller Welt zu gestehen. Ja ein solches Bekenntniß frommt selbst der Sache der rechtlichen Gleichstellung, die wir ja alle mit den uns zustehenden geistlichen und sittlichen Waffen zu erringen streben, um so mehr, weil sie beweist, daß wir nicht mehr blind gegen die Febler der Vorzeit sind, vielmehr es zu einer großen, freien tatkräftigen Kritik, wie sie B. von uns verlangt, gebracht haben. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Vom Rhein, im März. (Corresp.) Ich denke, die von dem Frankfurter Rabbinate gesammelten Gutachten in Betreff des Reformvereins sind bereits in Ihre Hände gelangt. Was sagen Sie zu diesen erbärmlichen und charakterlosen Fraubasereien? Mich ekelten die meisten an, und ich danke Gott, daß meines Freundes Kohn in Trier nur in der Vorrede erwähnt ist, und viele Y7Q3 Tl’ btt D^!"jp2 ♦ Die Unredlichkeit, mit welcher diese Sammlung veranstaltet ist und die Schlechtigkeit, die bei der Uebersetzung, besonders des Gutachtens Nappaport's, herrscht, ist Ihnen gewiß nicht entgangen. Ich halte es für die heiligste Pflicht aller verständigen Nabbinen, mit vereinter Kraft sich gegen das Ausschließungssystem, das -in jenen Gutachten proclamirt ist, öffentlich zu erklären. Man kann die Folgen hiervon nicht überschn. Denken Sie, welche Unredlichkeit gegen den'Tobten! Ullmann hat, wie er meinem Freunde Kohn einige Wochen vor seinem Tode geschrieben, ausdrücklich verboten, sein Gutachten zu veröffentlichen, worin er noch besonders Recht hatte, da dasselbe in jeder Beziehung höchst erbärmlich ist; von Frankfurt aus geschahen mehrere Schritte, um Ullmann von seinem Entschluß abzubringen, allein es gelang nicht, und die Erlaubniß ward nicht ertheilt. Nun ist er gestorben, man fürchtet ihn nicht mehr und läßt das Gutachten abdrucken; wo bleibt für den „frommen" Rabbinen Trier die rßX, CTpb? Hätte sich Ullmann in diesem Gutachten nicht so schlecht gezeigt, so wäre ich vielleicht als sein aufgetreten; so mag ihm hierüber die Verachtung der Bessergesinnten ins Grab Nachfolgen. Aus Preußen. (Corresp.) Die Dunkel schwinden, die Räthsel lösen sich, der Weg des Heils wird angebahnt. — Frankel' s Ankündigung seiner Zeitschrift ist erschienen. Seine Verehrer werden gewiß entzückt sein; ich finde lauter Salbaderei darin. Ein langes Reden über Emancipatkou, über Vertheidigung des Jubenthums nach Außen, was aber Alles der Zweck seiner Monatsschrift nicht sein soll; endlich gelangt man ermüdet zum eigentlichen Kernpunkte, zur Belebung im Innern, was die Zeitschrift bewirken soll, aber dafür nur ein Paar winziger, hohler Phrasen. Fortbildung, richtige Mitte, wo dem einen Theile bloß sein Stillschweigen leise vorgeworfen wird, gegen den andern aber die Böller losgelassen werden. Wieder die bekannte Taktik, wo man mit dem Fortschritte zwar coquettirt, ihn aber doch bei jeder Gelegenheit desavouirt. Ich will kein voreiliges Urthcil fällen, aber ich glaube schon den Gehalt dieser Monatsschrift als einen ziemlich leblosen und auf das Leben nicht rinwirkendcn voraus bestimmen zu können. Frankel wird übrigens jetzt mancherlei zu thun bekommen. Sein früherer Gegner in der rheinischen Zeitung, Hr. Eisenberg in Cassel, ist nun mit einer gediegenen Schrift aufgetreten, die seine früheren Behauptungen begründet, die Halbheiten und Tergiversationen der Schwächlinge ziemlich offen enthüllt. Die erste Veranlassung des Streites, die Frage nemlich, ob es dem israelitischen Knaben beim Besuche einer öffentlichen Schule gestattet sei, am Sabbat zu schreiben, ob ein Rabbine — wie dieß Herr Hofmann that — befugt sei, diese Erlaubniß auszusprechen, und ob die Behörde, welche dem jüdischen Schüler eine solche Verpflichtung auferlegt, einen Gewissenszwang damit begehe — diese Frage war an sich von ziemlich untergeordnetem Werthe, umsomehr, da sie praktisch von den Schülern gelöst wird, und eine Connivenz von Seiten der Lehrer gegen den fleißigen Schüler — und ein fauler macht mit solchen Dispensen nur Mißbrauch — vorausgesetzt werden darf. Auch ist nicht zu leugnen, daß Hofmann bei Abgabe deS Gutachtens es an der genügenden Umsicht, und bei der versuchten Begründung desselben an der gehörigen Schärfe und Umgrenzung hat fehlen lassen. Allein die Frage gab 'jenem zwischen zwei Stühlen Sitzenden die erwünschteste Gelegenheit, auf der einen Seite mit bürgerlich-liberalen Ansichten in Betreff der Rechte der Juden, auf der andern mit altreligiöser Festigkeit zu prunken, ohne doch nach beiden Seiten hin andere Richtungen zu sehr zu verletzen. Da kamen sie sämmtlich herangeeilt, die Stützen deS Judenthums, Frankel und Hirschfeld, Gebhard und Ullmann, und ihnen zur Seite der Parteigänger Kirchheim. Wir haben sie schon alle kennen gelernt, diese Männer mit ihren Zweideutigkeiten und Schlichen. Zuerst Frankel, der Kämpfer in der Damas kussache, der den Talmud rein waschen wollte; ach, wären die Juden nicht reiner von der Blutbeschuldigung als der Talmud von unsittlichen Grundsätzen, es stünde schlecht um sie. Wir sahen ihn später als Vertreter des „Gemüths" in dem Hamburger Tempelstreite, und das Gemüth scheint auch so ziemlich die Devise