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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-04-07 · Heft 14 (7.4.1844) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 14 (7.4.1844)
Date
1844-04-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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107 Mensch als Mensch anspricht, verwehrt war, eine Quelle des Trostes, der Beruhigung und der Beseligung gewesen sein, und die Liebe zu der angestammten Religion, trotz der Gefahren, welche sie umgab, trotz des blutigen Schwertes, welches beständig über dem Haupte ihrer Bekenner schwebte, in den Herzen derselben erhalten haben, Allein nicht zu verkennen ist auch, daß jenes fortbildende Element des Talmuds mehr ein formelles, wir möchten sagen, — kirchenrechtliches, weil den spatem Lehrern ebenfalls das Recht zur Reformation verleihend — war, und daß auf den Inhalt, auf die materielle Anwendung, die die Talmudisten selbst von der freieren Auslegung des Gesetzes machten, gesehen, jene Fortbildung, wie B. treffend sagt, und langst alle rationellen Rabbinen erkannt haben, nicht viel mehr als „ein bloßes Zerspalten des alten, ein Markten und Feilschen mit dem Alten, eine verdünnte Wiederholung desselben, aber keine neue Schöpfung" war, vielmehr letztere erst dann geworden wäre, wenn die Talmudisten sich zu der Idee der Trennung der politischen Elemente im mosaischen Gesetze von seinen rein-religiösen hätten erheben können, während ihre bis ins Unendliche getriebenen Erweiterungen und respective Erschwerungen des Ritualgesetzes in den späteren helleren Zeiten höchst nachtheilig und hemmend auf die menschliche Entwickelung des Israeliten und seine freiere bürgerliche Thatigkeit eingewirkt haben, ja cs zum Theil noch thun, wie es denn überhaupt noch die Frage ist, ob die Karaiten, wenn sie gleich ihren in civilisirten Landern wohnenden talmudischcn Glaubensbrüdern, die Früchte der Civilisation und der Wissenschaft genossen hatten, nicht noch viel früher und in weit größerem Umfange ein höheres Judenthum angebaut haben würden, als solches bei den Rabbaniten der Fall gewesen. Eben so wenig können wir es billigen, wenn Herr Dr. Salomon auch darin übertreibt, daß er den religiössittlichen Standpunkt des Talmuds in Schutz nimmt, wenn er gar sagt, daß der universelle menschlich - hohe Geist, welcher in den Propheten wehe, auch der der Mischnah und des Talmuds fei. Das ist nimmermehr wahr. Man braucht nur an das ponso ub& rc. nnDJ zu denken, um mit Geiger *) und allen, die den Talmud nicht mit verbundenen Augen lesen, einzusehen, daß der Standpunkt dieses Buches durchaus kein rein-humaner, kein universell-menschlicher *) In dessen wissenschaftlicher Zeitschrift. war. Vielmehr ist es gewiß, daß die Talmudisten noch auf rein-confessionellem resp. separatistischem Standpunkt standen, daß das moralische Element ihnen wol ein Theil der Religion, aber nur ein solcher war, welchen der cermonielle fast ganz verschlungen, daß sie gewissermaßm eine Gnadenwahl annahmen, indem sie bei der von ihnen bis zu einem so hohen Grade getriebenen Entwickelung und Vervielfältigung des Ritualgesetzes von dem Grundsätze mxDi min anb rnm bmz” rat nafi> "rcp"n nsn also von dem Glauben ausgingen, daß Gott den Israeliten Anderes und unendlich Vieles geboten, was er von den übrigen Menschen nicht verlange, damit jene, als das Volk seiner Gnade und seiner Wahl, auch einer viel größeren Seligkeit als andere Völker theilhaftig würden. Eben so gewiß ist es, daß die Vorstellungen, welche die Talmudisten von Gott Geisterreich und Unsterblichkeit hatten, ganz anthropomorphistisch waren, daß sie von Freiheit der Ueberzeugung und des Gewissens keine Ahnung hatten, indem sie Bann und Kirchenstrafen, ja noch Härteres für Uebertretung ritueller Vorschriften statuirten, und daß sie selbst da, wo solches am wenigsten zulässig ist, auf dem Gebiete der Religion (in der Jurisprudenz geht so etwas noch an) sich Fictionen erlaubten; wie z. B. beim Verkauf des Ungesäuerten tyon) an einen Nichtisraliten, bei der (dem Schuldner abgenöthigten) Verzichtung auf das Nichtzinsengeben durch den tarne , und auch bei dem Beispiel, was Bauer anführt, dem Feuerwachen am Sabbath durch christliche Dienstboten, „da ich für das verantwortlich bin, was der Dienstbvte auf mein Geheiß, und zu meinem Genuß verrichtet." Humanere, hie und da einmal hingeworfene Aeußerungen einzelner Talmudisten dürfen uns da nicht irre führen, da sie zu dem Geiste der das ganze Buch durchdringt und zu den hierauf gebauten massenhaften Satzungen und Vorschriften in gar keinem Verhaltniß stehen. Warum also das nicht eingestehen was doch in Wahrheit vorhanden ist? Wozu soll eine solche Verhehlung und Verdeckung, die ja doch an den Tag kömmt, führen? In den Streitschriften über die Judenfrage vor 25 Jahren war solcher Widerspruch gegen die Angriffe auf den Talmud am Orte und verstieß auch nicht gegen die innere Ueberzeugung. Jetzt aber, wo die Verschiedenheit der talmudischen Anschauung von der mosaischen und prophetischen von allen rationellen Rabbinen anerkannt ist, und der Glaube an Heiligkeit und göttliche Autorität des Talmuds bei dem allergrößten Theile ca deutschen Indem,'eic ii.dfc

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