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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-03-31 · Heft 13 (31.3.1844) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 13 (31.3.1844)
Date
1844-03-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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lOO schwierig sein möchte, die Junghegelsche Schule mit ihrer Ansicht vom Christenthum aus biblischen Stellen zu widerlegen. — Viel überzeugender ist das, was der Verfasser zur Bekämpfung der gegnerischen Behauptung, das Wesen des Juden mache ihn nicht zum Menschen, sondern zum Juden, anführt: 1. „Die sämmtlichen Propheten und Verfasser der Hagyographa haben in ihren Ermahnungen und Belehrungen den Menschen vor Augen: Durch die Erfüllung der göttlichen Lehren soll -ec Mensch leben. (Lev. 18; 5.) Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was Gott von dir fordert! (Micha 6; 8.) Wenn Israeliten Gottes Lehren befolgen: so werden sie — Menschen genannt. (Jecheskel 34; 31.) Fürchte Gott und befolge seine Gebote, denn das ist —*der ganze Mensch; das macht dich zum — Menschen, schließt der Prediger 12; 13. Alle jene Männer schweigen von dem Mosaischen Ritus — in welchen Bauer irrigerweise das Wesen des Judenthums setzt -- und schärfen dem Juden die Pflichten des Menschen gegen den Menschen ein, ihm die Aufgabe stellend, daß der Jude in sich und andern den Menschen achten und würdigen lerne*). 2. Es ist Grund maxi me im Judenthum, daß Buße und Bußübungen nur die Vernachläßigung von rituellen und ceremoniellen Mosaischen Gesetzen; nie aber die Verletzung derjenigen Pflichten sühnen können, deren Erfüllung dem Menschen gegen den Menschen obliegt**). 3. Diese Ansicht giebt sich auch in allen recipirten jüdischen Gebetbüchern kund (und ich glaube doch, daß jedes Volk in seiner Gebetweise sich malt); denn in den sämtlichen Sündenbekenntnissen am Versöhnungsrage ist nur von Vergehungen die Rede, deren sich der Mensch gegen den Menschen zu Schulden kommen läßt. 4. Nach den Grundsätzen des Judenthums tritt jedes rituelle und ceremonielle Mosaische Gesetz in den Hintergrund und darf ungescheut übertreten werden, sobald mit dessen Beobachtung irgend eine Gefahr verbunden ist; nie aber darf unter solchen Umstanden irgend ein Sittengesetz verletzt werden***). Jes. Cap. 1. 33. 56. 58. 59. Jer. 5. 7. 9. Hos. 4. Amos 2. 5. 6. Micha 4. 6. Psalm 15. 24. 41. 50. 112. Die sämmtl. Salem. Sprüche u. s.f. **) Tract. Iowa. Abschn. 8. Bl. 65. S. 2. ***) Maimonide* Jessode Hatbora. Abschn» 6; §. 6 U. 9. 5. Die Gefammtsatzungen im Pentateuch sind nach talmudischer Ansicht für die späteren Generationen auf nicht mehr als die e i l f Skttenlehren reducirt, die in dem fünfzehnten Psalm enthalten sind, *) und die allesammt keine andere Tendenz haben, als die Glückseligkeit der menschlichen Gesellschaft begründen und vollenden zu helfen." Eben so ehrend für die Freisinnkgkeit unseres Predigers ist folgender Zuruf an seinen Gegner: „Ziehen Sie von dem Mosaismus alles ab, dessen Sie erwähnen, Alles, was sich auf den Opferritus, die alte Priesterverfassung und die gesetzlichen Eigenthumsverhältnisse bezieht; ich gebe Ihren noch mehr zu, ziehen Sie ab Reinigungsgesetze, Speisegesetze, kurz alles, alles, was wir in unfern Religionsbüchern und gottesdienstlichen Vorträgen in die Klasse der Local- und Temporalgesetze stellen, und es bleiben im Mosaismus die erhabensten Lehren übrig, aus denen der Stifter ihrer Religion — welche Stellung Ihre kritische Forschung ihm auch anwcisen mag — sein Christenthum bilden wollte; es bleiben im Mosaismus die erhabensten Lehren übrig, zu welchen sich die Auserwählten in jeglichem Volke, die Weisen in allen Nationen als zu ihre? Religion von zanzem Herzen bekennen werden." Schlagend ist folgende Aeußerung: „Wäre dieses (uemlich Opferritus und Priesterkultus, wie B. behauptet) der „Mittelpunkt" des Mosaismus: wie hätten denn fast alle Propheten in Israel von Opfer- und Tem-- peldienst, wenn ich auch nicht sagen will geringschätzig, doch wie von sehr untergeordneten Dingen reden und predigen können? Wenn es sich in der That so verhielte, wie Bauer behauptet, wie hatte Jesaia z. B. von dem integrirenden Theile der Religion, als dem Wesen des Mosaismus, im Namen und Aufträge Gottes sagen können: „Er sei ihrer Opfer satt, — er verlange sie nicht — sie wären ihm ein Gräuel" — Statt der Opfer sollten sie lieber nach Recht trachten; dem Unterdrückten helfen; dem Waisen Recht verschaffen, der Wiltwen Sache helfen?" (Jes. 1. 10—20.) Wie hätte Jeremia so geradezu sagen können: „Gott habe den Vätern beim Auszuge aus dem Aegypterlande von Brandopfern und andern Op, fern weder gesagt, noch geboten?" Tract. Maccoth. Bl. 24. S. 2. Veral. den Eommentar Raschi.

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