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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-03-31 · Heft 13 (31.3.1844) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 13 (31.3.1844)
Date
1844-03-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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99 luugssähigkeit an den Tag gelegt, ja eine Fügsamkeit die die Grenzen eher überschritt als einzog. Sollte ein so großer Bibelkenner wie Bauer das Anschließen des jüd. Volkes an die — heidnischen Sitten, wogegen alle die heiligen Schriftsteller ohne Ausnahme aufs lebhafteste geeifert haben, nicht kennen. Und diese Empfänglichkeit, wenn auch nicht immer für Besseres, doch für Anderes als das Angebildete und Eingeimpfte macht mit jedem Jahrhundert größere Fortschritte- Es ist auf jedem Blatte der Geschichte nachzuweisen, daß die Juden die Sprache, die Kleidung, die Manieren, die socialen Lugenden, wie die modernen Laster der Völker, unter denen sie lebten, nur zu gern angenommen und weiter ausgebildet haben: ein wahres — Paulus- Volk, unter Heiden Heiden, unter Christen Christen. In den scientifischen Bestrebungen zeigt sich derselbe Charakter. Im dritten Jahrhundert, als die Juden unter persischem Schutze lebten, suchten die Rabbinen das persische Civilrecht mit der Mischna zu vereinigen. Unsre Philosophen, von denen ich oben einige namhaft gemacht, sind mit Aristoteles und Plato so vertraut, wie mit den jüdischen Schriften, und wissen griechische Philosophie mit jüdischer Theologie geschickt zu amalgamiren. Die heiligen Schriften kleiden unsre alten Theo!ogen und Philologen — bald in ein alerandrinisch-griechisches, bald — und das thut ein frommer, orthodoxer Gaon! in ein arabisches Gewand. Von dem ambulanten Gotteszelt in der Wüste an, wo der ganze Kultus in — blutigen Opfern bestand, bis zum Salomonischen Tempel — wo zu dem Opfer das Gebet sich gesellte (1. Kön. Cap. 8. 30, 35—50), von da bis zum Serubabelschen Tempel, wo mit dem Gebete der regelmäßige Gesang sich verbunden, (l. Cbron. 7; 44. 67. II; 23. 12; 45—47.) von der Auflösung des Tempels, nach welcher Periode fast in jeder Gemeinde eine Synagoge nach individueller Einrichtung ins Leben getreten, bis auf unsre Tage, denn in einem sehr kurzen Zeiträume sind unter den Juden Gotteshäuser hervorgerufen, in welchen in der Landessprache gebetet, gesungen, gepredigt wird — ist die Geschichte des jüdischen Kultus eine fortwährende Entwickelung, die, ohne die Principe der jüdischen Religion zu verletzen, die Zeit begreift und berücksichtigt. Der ganze Talmud hat keine andere Tendenz, als den Juden von der Sclaverei des Buchstabens —zu erlösen und jüdischen Bolkslehrern den Weg zu zeigen, wie Alles, was nicht zu den Fnndamentalleheen gehört, «ach Zeit und Ort z« modificiren sei. Nur in der Festhaltung der Grundlehren der Mosaischen Religion — so wie in der Verehrung der heiligen Denkmäler, die sich unsere Väter in der ältesten Geschichte gesetzt — da sind die Juden zähe, stabil, Berge, Felsen, wie ihr wollt; da wird nicht gewankt und gewichen. Jene Grundlehren, bestimmt, einstens das Fundament der ganzen Menschheit zu werden, umklammern wir mit aller Kraft unserer Seele." Hiernach erscheint eine andere Entgegnung S's. um so begründeter: „Die Juden haben sich nie von den Völkern, sondern, als Träger der Idee vom Monotheismus, nur von der Jdoltrie und den mit derselben verbundenen Lastern der Völker entfernt halten solj len. *)" Ware nur ein Schatten von dem wahr, was j Bauer behauptet, daß „das Bestehen und Gedeihen anderer Völker der Juden Leiden war," nie wären dann die jüdische« Propheten an die heidnischen Volker von Jehovah, dem Gott der Juden, abzesandt worden, um sie, durch die Ermahnung zur Buße und zur Umkehr, vom Verderben zu retten, damit sie erhalten, „bestehen," „gedeihen," „Glück und Fortkommen" finden! nach Bauers Ansicht wäre ja nichts erwünschter gewesen, als daß sich ein Volk nach dem Andern durch I die eigene Lasterhaftigkeit aufgerieben hätte und untergegangen wäre." Wie so übrigens, wie S. behauptet, die Ansicht B's., das Christenthum sei die Erfüllung des Judenthums mit dem, was er in seiner Kritik der Evangelien sagt, im Widerspruch stehe, weiß Ref. nicht, vielmehr erinnert er sich, daß in letzter Schrift B. sich dahin ausspricht, das Christenthum habe die Selbstentaußerung des Menschen, welche im Mosaismus noch vom nationellen Element und im Heidenthum von der Kunst beschränkt gewesen, vollkommen durchgcführt. Eben so wenig möchte sich die Behauptung B's., „die christliche Liebe sei eifrig und umfassend, aber beides nur im Interesse des Glaubens^ durch die Stellen, welche S. dagegen aus den Urkunden des neuen Testamentes anführt, widerlegen lassen, da solche immer auch wie auf die Bekenner des neuen Bundes angewendet werden können, wie es denn überhaupt *) Lev. 18, 2. 3. Deut. 18, 9-15.

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