Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1844)
- Date
- 1844-03-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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91 namentlich in der setzten Zeit von Schelling erfahren, die aber dennoch nicht die Schule Hegels von der Lehre des Meisters hat abbringen können. Zweitens: Man bekämpft den Standpunkt der sogenannten linken Seite der Hegelschen Schule und sucht mit der rechten die inhaltliche Uebereinstimmung der Religion mit der Philosophie geltend zu machen. Ist dieses gelungen — was aber wol seine große Schwierigkeiten, haben mag — dann bedarf es nur, um die Bauersche Auffassung der Judenfage zu widerlegen, der Nachweisung, daß das Judenthum in Beziehung auf das Verhältniß Gottes zur Welt mit dem Christenthum übereinstimme. Ein solcher Beweis ist bereits, wie unsere Leser aus Nr. 25 — 27 des vorigen Jahrgangs sich erinnern, *) in einer Unterredung mit Bruno Dauer versucht worden. Drittens: Man hält denen, welche von einem Prinzip des Christenthums ausgehen, das Bedenken entgegen, wie gewagt es sei, vom Prinzip einer Religion zu sprechen, in deren Urkunden eine Einheit gar nicht herrschet, indem nicht nur die Evangelisten sich einander in ihren Grundansi'chten widersprechen, sondern solcheWidersprüche auch in einem und demselben angetroffen werden, weßhalb auch die Kirchenlehrer die christliche Lehre immer nur so aufgrfaßt haben, wie ihre Religions- und Weltanschauung es mit sich brachte, daher nicht, wie Bauer meint, die Judenfrage nicht eher im liberalen Sinne entschieden werden könne, bis das Christenthum aufgehoben und an dessen Stelle die Religion der reinen Humanität getreten sei, sondern diese in und mit dem Christenthum (und wol auch, was dann zu beweisen nicht schwer halten würde, in und mit dem Judenthum) bestehen könne. Viertens: Man weist daraus hin, wie der allergrößte Theil der Kirchenlehrer von den ältesten Zeiten bis auf die neueste auf die strengste Sittlichkeit und ein edles, humanes Leben, als den wesentlichen Inhalt der Religion gedrungen haben, wie in diese Forderung alle nur einigermaßen gebildeten Genossen der Zeit übereinstimmen, resp. sie als die Grundforderunz und den Hauptsatz der christlichen Lehre ansahen, wie aber dieses wol schwerlich der Fall sein würde, wenn die letztere, wie Bauer meint, in so vielen Äußerungen den strictesten Widerspruch mit der Humanität verriethe, vielmehr *) Daß Hr. Dr. Salomon weder hiervon noch von unserer Entgegnung (Nr. 4, 7, 9 u. 10 des vierten Jahrgangs d. Bl.) etwas erwähnt, ist uns allerdings ausgefallen. dieser Widerspruch nur auf Kategorieensucht der Junghegelianer beruhe, mittelst welcher sie, statt die Geschichte zu nehmen, wie sie sich natürlich kund gibt, statt namentlich die Urkunden der christlichen Religion ohne alle vorgefaßte Meinung aufzufassen, erstere mittelst ihrer Kategorieen construiren und in letztere hineintragen, wozu ihre Schemata sie nötbigen. Endlich Fünftens: Man bemüht sich zu zeigen, welche Consequenzen im Einzelnen aus der Bauerschen Auffassung sich ergeben, weißt die Falschheit derselben aus der Erfahrung, aus der sichtbaren Wirklichkeit und dem tausendfachen Zeugniß der Geschichte nach, und schlagt auf diese Weise den Gegner mit dem bekannten logischen Grundsätze: „Ist die Folge falsch, so ist auch der Grund falsch" aus dem Felde. Gehen wir nun nach dieser einleitenden Betrachtung zu der Schrift von Dr. Salomon über, so müssen wir es allerdings beklagen, daß er sich auf die von uns bezeichneten drei ersten Wege zur Wiederlegung der Bauerschen Darstellung gar nicht eingelassen. Zwar sollte seine Schrift, wie er im Vorworte bemerkt, „mehr populär sein, und mehr auf den gesunden Verstand des Volkes, als auf gelehrte Leser zahlen". Das dürfte jedoch den geehrten Verfaßer nicht bestimmen, von jenen drei Wegen ganz zu abstrahiren; wenigstens mußte er, wollte er nicht selbstständig darauf eingehen, das, was in dieser Beziehung bereits von anderer Seite gegen die junghegelsche Schule geltend gemacht wurde, dem Resultate nach erwähnen, da ohne dieses seinem Gegner zu viel Spielraum gelassen ist, und er nicht unterlassen wird, zu sagen: „Der ehrenwerthe Prediger hat mich nicht verstanden, kennt die neueste Philosophie und meinen Standpunkt nicht, und war daher auch gar nicht berufen, gegen mich aufzutreten." — Was jedoch Salomon auf der einen Seite zu wünschen übrig läßt, was er — wenn man will — theoretisch und metaphysisch nicht bespricht, erörtert und bespricht er um so bester auf praktische und conkrete Weise; er schlagt die unter 4 und 5 von uns bezeichneten Wege und namentlich ven letzteren mit so vielem Glücke ein, folgt seinem Gegner „Schritt vor Schritt" und weiß ihn durch die unläugbaren Ergebniste der Geschichte und durch das, was das Leben jedem, dessen Auge nicht vom Fanatismus der Dialektik und der Kategorieensucht umschleiert ist, bestimmt und klar vorhält, so anschaulich zu widerlegen, daß schon aus diesem Grunde seine Schrift einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der neuen, ein-