Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1844)
- Date
- 1844-03-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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8» haben -er Israel. Gemeinde zwar einverstanden, jedoch unr in sofern es sich von Einrichtung einer Freischule handelt, deren Kosten durch Subscription zu decken wären. Das Centrale onsistorium zu Paris, um Erlassung eines Aufrufs an die Glaubensgenossen zur Zeichnung jährlicher Beiträge angegangen, genehmigte nicht allein das Gesuch, sondern ernannte auch ein (ausschließlich aus Damen bestehendes) Konnte zur Ueberwachung und Protektion dieses heilsamen Instituts, dessen definitive Organisation mit dem Jahr 1844 begonnen hat. (^.rell. isr.) Türkei. (Konstantinopel.) Der auf der Insel Marmorn an einem vierjährigen griechischen Knaben begangene Mord, welcher bekanntlich von dem dortigen fanatischen Pöbel, der gern die Grcuelsrenen von Damaskus wieder erneuert sehen mochte, den Juden zur Last gelegt wurde, veranlaßte daS iu Smyrna erscheinende griechische Journal »Amaltheos" zu einem der heftigsten verleumderischsten Schmähartikel, die je der Judenhaß hervorgebracht. Als Muster mag hier folgende, natürlich nicht sowol auf die Richter im Divan als vielmehr auf den Pöbel auf Marmor« berechnete Diatribe hier einen Platz finden: »Wir zählen, heißt es im erwähnten Blatte (Nr. 263), »auf die Gerechtigkeit des kaiserlichen Divans, daß er dießmal mit Strenge verfahren werde, aus daß künftighin unsre unschuldigen Kinder nicht mehr den Händen jener blutdürstigen Leute preisgegeben sein mögen." — Die kräftige Dazwischenkunst des englischen Gesandten wird indessen hoffentlich den heilsamen Erfolg haben, daß diese Untersuchung nach den Grundsätzen einer ordentlichen Rechtspflege und nicht nach den blutgierigen Wünschen des Fanatismus geführt werden wird. Die unmenschlichen Hoffnungen der Judenfeinde werden dießmal nicht in Erfüllung gehen. Das Endresultat dieses Kriminalfalles, dem man hier allgemein mit großer Spannung entgcgensieht, werde ich feiner Zeit nicht ermangeln, Ihnen unverzüglich zu berichten. Literarisches. (Breslau, im Febr.) So eben hat das dritte Heft der Geiger'schen Zeitschrift für jüdische Theologie die Presse verlassen, und ich beeile mich Ihren Lesern eine kurze Anzeige desselben zu geben. — ES enthält im Ganzen drei Pieren, alle drei vom Herausgeber geschrieben. Wer die umfassende Thätigkeit dieses Geistlichen in seiner Gemeinde kennt, muß in der That erstaunen, wie er die Muße zu solchen Leistungeu, wie das vorliegende Heft uns bietet, finden kann. Allein seine Liebe zur Wissenschaft deS Judenthums, seine Wärme, mit der er dieselbe umfaßt, und seine Rührigkeit, mit der er gewonnenes Wissen ans Tageslicht zu fördern sucht, machen es ihm möglich, eben so kühn in die Schachte der Wissenschaft zu steigen und aus den finsteren Gängen das edle Gold heraufzufördern, als auch beherzt auf den Tummelplatz der Gegenwart zu treten und dort mit scharfer Lanze manchen unüberwindlich sich dünkenden Ritter aus dem Sattel zu heben, mit ermunterndem Wort den rüstigen Kämpfer anzuseuern, den Verzagten zu ermuthigen, und den Strauchelnden zur rechten Zeit zu warnen. Es ist eine eigrnthümliche Erscheinung gerade bei diesem Theologen, daß er Vergangenheit und Gegenwart mit gleichmäßiger Liebe umfaßt, er ist weder ein Bücherwurm, der stets an alten Werken nagt, noch ein gespreizter Pfau, der in dem Sonnenglanz philosophischer Dialektik seine Federn wolgefällig beschaut, und sich gegen die »alten Nachtvögel" ungebührlich aufbläht, sondern er läßt die Vergangenheit sich stets im Spiegel der Gegenwart reflectiren, dessen Brennpunkt die Reform des Judenthums ist. Mag daher immerhin auch ein speciell literar-historifches Interesse ihn leiten, ältere Schriften der Rabbinen herauszugeben, mag eine gewisse Pietät ihn sogar Theschuboth alter Zeit ans Licht fördern lassen, so ist doch der eigentliche Nerv, der ihn in das Rabbinische sich versenken läßt, daS Streben nach Reform, die auch so belebend auf seine Studien einwirkt, daß sie, obwol oft ins Minutiöse gehend, um den strengen Anfordernngen der Wissenschaft zu genügen, dennoch immer vom warmen Hauche des Geistes belebt werden, nie Selbstzweck, sondern nur die Handlanger werden zu dem schönen, aber doch festen Gebäude des Judenthums, das Meister Reform ausbaut. Daher Geigers Herausgabe des Melo Chofnajim (eine 2. Sammlung der Art beabsichtigt Herr I)r. G. bald folgen zu lassen), daher seine Studien über karaitische Schriften und ähnlicher Art, daher auch der erste Aufsatz in dem vorliegenden Hefte über Saadia, der würdig sich den ftüheren Arbeiten des Verfassers anreiht, ja an gelehrten und scharfsinnigen Untersuchungen, die mehr als oberflächliches Studium, besonders deS Arabischen, erfordern, sie übertreffen dürfte. Unter der Ueberschrift: »Zur Entwickelungsgeschichte der hebräischen Sprachkunde, biblischen Exegese und hebräischen Dichtkunst unter den arabischen Juden im zehnten, elften und zwölften Jahrhundert", will Hr. Dr. G. in Form einer Recension von den folgenden Schriften, die als Träger der Bildung jener Jahrhunderte in den genannten Fächern sich Herausstellen, eineu Beitrag zur jüdischen Literaturgeschichte zu geben versuchen. 13 Werke, alle in neuerer Zeit erst edirt, sollen zur Besprechung dienen. 1) Proben einer Psalmübrrsetzung von SaadiaS cd. Haneberg (München 1841), 2) Sefath Jether des Eb. ESra, herausgegeben von Bisselches (Preßburg 1833). 3) DnSU".'-