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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-03-17 · Heft 11 (17.3.1844) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 11 (17.3.1844)
Date
1844-03-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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88 herausgegebeu von vr. Lippmann (Frankfurt a. M. 1843). 4) Vie de Laadia 6aon v. Carmoly (Revue orientale II.). 5) Additions ä Ia notice sur R. Saad. G. par 8. Munk (in dem Comment. de Tan’houm Paris 1843). 6) Heber Mosche b. I. b. Esra v. Luzatto (Ker. Chem. IV.). 7) Mos. b. Esra von Dukes (Altona 1639). 8) Bethulath bath Jehuda v. Luzatto (Prag 1840). 9) Kusari ed. Brecher (Prag 1838, 39 und 40). 10) Dasselbe ed. Jolowicz und Cassel (2 Hefte, Berlin 1841, u. 42). 11) Sapha Berura v. Ab. cbn Esra v. vr. Lippmann (Fulda 1839). 12) Jesod Mora v. Ab. ebn Esra von vr. Creizenach (Frankfurt a. M. 1840). 13) Zweite Rec. d. Comm. des Eb. Esra herausgegeben von Reggio (Prag 1840). Ein erster Artikel (vier Bogen stark) trägt die Ueberschrist: Saadia b. Joseph Gaon. — 3n der Einleitung ve/breitet sich der Hr. Verfasser über den literarischen Zustand der Juden nach dem Schluffe des Talmuds, über eine Zeit, die bekanntlich noch sehr im Dunkeln liegt; daher Nachrichten über sie um so schätzbarer sind, je dürftiger die Quellen fließe». Und in dieß Dunkel verbreitet G. durch ein gründliches Studium karaitischer Schriften, von denen einige uns nur dem Namen nach bekannt sind, weil als Manuscripte nur vorhanden, andere gedruckte eben so selten als Handschriften sind, helles Licht. — Zwei Richtungen, so zeigt der Verfasser, machten sich nach dem Schluß des Talmuds besonders geltend; die eine suchte in die verschlungenen Pfade des Talmuds gangbare Wege zu ebnen, das Ueberkommene zu ordnen und leichter zugänglich zu machen, die andere, die den schon früher keimenden Widerspruch zwischen der talmudischen Ausdeutung der Bibel und der nüchternen Auffassung derselben sich bewußt war, strebte durch .rin neues Prineip diese Kluft auszufüllen. Der erstgenannten Richtung verdanken die Halachoth jedoloth des Simon aus Kahirah, die Halachoth Peßukoth des Jehuda Gaon und später die Scheelthoth des Achai aus Schabeha ihre Entstehung, für die letztere trat Anan, der Schüler des Zeh. Gaon, um die Mitte des achten Jahrhunderts, in die Schranken, und ward der Stifter der karaitischen Sekte. Wie bei jedem Schisma die Extreme um so schärfer hervortreten, je länger man principwidrige Concessionen auf beiden Seiten eingeräumt hatte, um den völligen Bruch zu vermeide« und eine Annäherung zu vermitteln, so auch hier. Beide Sekten, Rabbaniten und Karaiten, verkannten den in der Geschichte sich entwickelnden göttlichen Geist, und waren sich daher wol des Differenzpunktes nach seiner Erscheinung und seinem Einwirken im Leben bewußt, während sie die treibende Consequenz der Entwickelung des Judenthums, das nach der Ueberwindung des Talmüdismus nicht zur Starrheit des Karaismus gelangen durste, gänzlich verkannten. //Die Rabbaniten", sagt G. sehr schön, «wollten den Einfluß der Geschichte nicht beachten, nicht einsehen, daß das exegetische Verfahren der Mischnah, Seavaithas und Gemara, erst allmälig nach gewissen Voraussetzungen sich ausbildete, daß diese verschiedenen Schriften, noch mehr die einzelnen Lehrer darin unter sich selbst nicht einig waren, daß diese Exegese zunächst der Rothwendigkeit, die große Anzahl von neuen Satzungen und Einrichtungen, welche man nicht «in der Luft schweben" lassen wollte, als wolbegründet, also als regelrecht aus der Bibel entwickelt nachzuweisen, ihren Ursprung verdanke, und einer richtigen Ansicht weichen müsse; sie verkannten ferner, daß die neuen Einrichtungen — zu denen nun noch die ihrer Stütze beraubten Satzungen kamen — aus der ganzen Auffassung des Gesetzes und dem Streben, dasselbe in der Zeit zu erhalten und zu befestigen und auch nach neuern Ansichten zu modificiren, erzeugt worden sind, daß man sich dieß dann später nicht gerne habe eingestehen wollen, und daher für dieselben ebensowol exegetische Stützen aufgesucht, wie, beim Mangel an solchen, das Ueberkommensein von einer umumstößlichen Autorität als nothwendiges Postulat hingestellt, wirkliche Abänderungen aber verwischen wollte. Die Karaiten ihrerseits fehlten darin nicht minder, daß sie das Geschichtlichgewordene nach seinem Werthe zu würdigen sich weigerten; sie übersahen, daß eine in das Leben und dessen mannigfache Geschicke eingehende Religion im Laufe der Zeit Ansätze und Umwandlungen aus der alten Wurzel heraus erhalten müsse, diese daher, wenn auch nicht gerade für alle Zeiten bindend, doch keineswegs als willkürlich und unberechtigt zu tadeln sind, daß sie vielmehr auch ohne biblische Stütze, auch ohne Zurückführung auf göttliche Autorität, durch innere Gediegenheit, durch wahren Zusammenhang mit dem Geiste der Religion, ihre verpflichtende Kraft erlangen; sie übersahen, daß die äußern Verhältnisse und allgemeine, aber zeitlich wechselnde Anschauungen der Boden sind, in welchen der Geist sich als Gesetz eingräbt und mit dem Wechsel der Verhältnisse und der Anschauungen auch der Ausdruck des ewigen Geistes ein anderer sei. Ihre Reform war daher mehr ein Produkt der Wissenschaft und der Kritik als der belebenden religiösen Idee. (Schluß folgt.) Druck undVerlag von F. Schuster in Hersfesd.

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