Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1844)
- Date
- 1844-03-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Bairrn. (Vom Untermain.) [Corresp.] Während schon durch Ministerial-Entschließung vom 7. December 1629 angeordnet war, Laß Niemand die Approbation als Beschncider erhalten dürfe, wenn er nicht von einem anerkannten Chirurgen ein Zeugniß Leigebracht, daß er die erforderliche Befähigung besitze, hat nun vor Kurzem die königl. Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg, vielleicht aus Anlaß der bekannten Vorgänge in einer benachbarten freien Stadt, eine auf die Beschneidung bezügliche umständliche Instruction erlassen, welche unter Anderm verfügt, Laß in Districtspolizeibezirken, in denen ein dazu bereitwilliger Arzt oder Chirurg israelitischer Religion sich befindet, die Beschneidung ausschließend nur von diesem vorzunehmen sei. Diese sanitätspolizeiliche Verfügung, welche in ihrer Unbedingtheit der religiösen Fratze zu nahe zu treten scheint, hat zu mancherlei Gegenvorstellungen und demgcmäßen Modifikationen Anlaß gegeben. Um vielfältig verbreiteten, auf die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Israeliten höchst verderblich einwirkenden Vorurtheilen durch unumstößliche Beweise begegnen zu können, ist dem Verwaltungsausschusse des Unterstützungsvereins für israelitische Ackerbau- und Handwerkslehrlinge in Baiern die ehrenvolle Aufgabe zu Theil geworden, über den Betrieb der Gewerbe und des Ackerbaues von dm Israeliten in Baiern möglichst zahlreiche und authentische, statistische Notizen zu sammeln. Mittelst gedruckter Rundschreiben d. d. München den 27. Deeember 1843 setzte gedachter Ausschuß die sämmtlichen Rabbinate Baierns hievon in Kenntniß, dieselben um Mittheilung der fraglichen Notizen ersuchend. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Rabbinate im ganzen Königreiche mit allem Eifer diese Gelegenheit ergreifen werden, um den bezeichneten hochwichtigen Zweck nach Kräften zu fördern. Ungarn. (Preßburg, 11. Febr.) [A. A. Ztg.] Zn der vorgestrigen und in der gestrigen Circularsitzung sind die Deputirten in der Discussivn über das Städtcoperat bis zu dem Paragraph über die Qualification eines Stadtbürgers gelangt. Dabei entstand die Frage, ob man cs bei dem Vorschlag der Commission, daß die in den Städten lebenden Juden des Bürgerrechts theilhaftig sein sollen, belassen wolle. Für die Juden sprach vorzüglich Bcöthy, «nd es schien fast die Wage zum Vortheil derselben sich zu neigen, so daß der Personal im Begriffe war den tz. 99 als angenommen zu erklären, als sich die Städtedeputirten in Masse erhoben und gegen ein solches Conclusum protestirten. Hr. Ladislaus Komlosv, Deputirter des Debrecziner Comitats, hielt eine nergische Rede gegen die jetzige Ertheilung jenes Rechts an die Juden, da diese Frage mit ihrer Emanckpation Zusammenhänge, und so lange vertagt bleiben müsse, bis diese in die Berathung genommen werde. Auch konnte der Redner nicht begreifen, wie man den Städtejuden solche Privilegien ertheilen könne, während sie den auf dem Lande wohnenden verweigert werden. Mit Glück bediente sich Komlosy des bekannten Arguments, daß die Juden Fremdlinge seien, sich nie mit der Nation amalgamirt haben und ein rein deutsches Element darstellen, das zu begünstigen die Tafel nicht so bereit sein sollte. Die Sache blieb also in der Sizzung vom 10. noch unentschieden, sie wird wahrscheinlich in der nächsten erledigt werden. Frankreich. [Archiv. Israel.] Bei der jüngsten Wahl von MaireS und Adjunkten für das zweite Arrondissement von Paris wurde Hr. Edmond Halphen (Jsraelite) als Zweiter auf die PräsentationSliste gesetzt und hatte 1320 unter 2445 Stimmen. Wähler von den verschiedensten politischen Farben vereinigten sich zu Gunsten der Erwählung Hr. Halphen's, und König Ludwig Philipp ernannte Hrn. H., in Berücksichtigung des öffentlichen Wunsches, zum ersten Adjunkten des Arrondissements. Auch Hr. Michel Goudchaux (Jsraelite) erhielt in demselben Arrondissement eine bedeutende Anzahl vou Stimmen. Bemerkenswerth ist noch, daß in diesem volkreichsten, wohlhabensten und aufgeklärtesten Quartier der Weltstadt der Erste der drei ersten MagistratSpersouen ein Protestant, der Zweite ein Israelit und der Dritte ein Katholik ist. — Es scheint übrigens, daß die Franzosen sich bei der Emanzipation so übel nicht befinden, als nach der Ansicht unsrer Philister die deutschen Völkerschaften sich in Folge eines ähnlichen gesetzlichen Verhältnisses befinden würden. Hr. Worms de Romillh hat, seines hohen Alters wegen, seine Entlassung als Präsident des französischen Ceutralconsistoriums eingereicht. Zu seinem Nachfolger wurde Hr. Cremieux, bisher Vicepräsident, sodann Herr Maas zum Vicepräsidcnten ernannt. Zn der jüngsten Sitzung der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften überreichte die Philos. Sektion eine Liste zur Erwählung eines Nachfolgers des Hrn. Gerando. An der Spitze dieser Liste befindet sich der Name unsres gelehrten Glaubensgenossen Hrn. Frank. DaS israelitische Consistorium zu Paris hat eine aus den Herren Almonino, Hr. Cohen aus Preßburg, Munk, Sciama und Wogue bestehende Commission zum Behufe einer vorbereitenden Revision der israel. Gebete niedergesetzt. Der Oberrabbine meint nun aber, das Komite sei zu seinen Arbeiten nicht befugt, weil es keine religiöse Autorität (?.')