Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1844)
- Date
- 1844-03-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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re Juden ordnet. So viel r'st gewiß, daß von Cmancipatkon nicht im Geringsten die Rede sein wird. Die Juden selbst sehen den neuen Bestimmungen mit Sorge und Bekümmerniß entgegen. LL (Berlin im Febr.) sCorresp.) Die hiesigen Gemeindeangelegenheiten sind zwar nicht weiter gediehen, als meine letzte Mittheilung über dieselbe reicht, doch sind vor kurzem einige Aktenstücke von dem Vorstande veröffentlicht worden, die bereits eine ausführliche Kritik erfahren haben. Jene bestehn in einem Bericht über die am 4. Decbr. v. I. stattgefundne erste vorbereitende Versammlung des Wahlcollegiums und in einem angehängten Vortrag, der die ganze Rabbinatsangelegenheit bespricht und von einem Gemeindeältesten in jener Versammlung gehalten wurde. Der Inhalt dieser Dokumente läuft darauf hinaus, gegenüber den Bedenklichkeiten mehrerer Wähler darzuthun, daß es trotz den anerkannt unzureichenden Bestimmungen des noch geltenden Generaljudenreglements von 1750 und trotz der unvollkommnen gegenwärtigen Gemeindeverfassung doch ersprießlich und nothwendig sei, einen Rabbinatsassessor zu wählen, einen bloßen Rabbinatsassessor dcßwegen, weil der Vorstand nach der Ablehnung des vr. Frankel der Gemeinde mit voller Zuversicht keinen Candidaten für das Rabbinenamt zu empfehlen weiß. Die besagte Kritik dieser Aktenstücke ist als ein fortlaufender Commentar zu dem Originaltext erschienen unter dem Titel; »die Berliner Rabbinatsfrage", besprochen von-einer Stimme außerhalb der Gemeinde. (Berlin, Wilhelm Hermes 1844.) Sie ist eben so freimüthig, als scharfsinnig; ebenso unterrichtet von dem wahren Thatbestand als durchdrungen von aufrichtigem Interesse für die hiesige Gemeinde, und von der Bedeutung der hiesigen Wahl für die Cultusangelegenheiten der gesammten preußischen Israeliten. (£3 unterliegt nach dieser Schrift keinem Zweifel, daß wie wir es bereits ausgesprochen, die Wahl eines Rabbiuatsassessors, ebenso wenig nothwendig als unter den jetzigen Umständen heilsam, ja daß sie nicht einmal gesetzlich sei, da sie sich nur auf die KabinetSordre vom 25. Mai 1842 stützt, die ausdrücklich die Wahl eines Rabbinen, aber keines Assessors regulirt*). *) Wir sind mit dieser Ansicht unseres verehrlichen Correspvndenten nicht einverstanden. Wird nur der rechte Mann gewählt, der Mann der in seiner eignen religiösen Anschauung ganz auf der Höhe der Zeit stehend, doch auch den verschiedenartigen Bedürfnissen der Gemeinde sich zu akkomodiren, und den besonnenen, organischen Fortschritt mit Milde und Liebe auszuführen weiß, so kann dieser auch ein Rabbinatsassessor, ja selbst nur ein Prediger sein; und was die KabinetSordre über den Wahlmodus betrifft, so wird jede Zweideutigkeit durch eine vorherige höchste Erläuterung leicht zu beseitigen sein. Red. Königreich Sachsen. (Leipzig im Febr.) Tie Dorfzeitung sagt über den hiesigen Emancipationsverein: »Die Nachrichten über den Verein zur Emancipation der Juden lauten gut, nicht blos deswegen, weil mehrere tüchtige Männner, z B. in Leipzig beigetreten ten sind, Christen und Israeliten, sondern weil die Grundsätze des Vereins vernünftig sind. Es ist nicht allein bürgerlichpolitische Gleichstellung der Israeliten, was man will, sondern vollständige nationale Verschmelzung der israelitischen und christlichen Deutschen, aus der einen Seite ein Eimäumen aller Rechte und Pflichten des Bürgers, auf der andern ein Aufgeben von absondernden, ausschließenden, gehässigen Formen und Gebräuchen, die nicht zum Wesen des Mosaismus gehören, und die bisher den Juden zum Fremdling in Deutschland gemacht haben. Steht der Verein auf einer rechtschaffnen Basis, so tritt die Dorfzeitung mit allen ihren Kräften bei. (Leipzig im Febr.) Die Deutsche Allg. Ztg berichtet aus dieser Stadt. »Mit dem von hier aus angekündigten Judenemancipationsvcreine (Nr. 29) scheint es noch im weiten Felde zu stehen. WaS öffentliche Blätter zur Zeit davon mitgetheilt haben, ist mindestens voreilig. Zwar ist Manches vorbereitet, aber die Sache selbst noch nicht so weit gediehen, daß man sagen könnte, es sei vielmehr als Idee. UebrigenS freuen wir unS dieser Idee und wünschen der Sache einen gesegneten Fortgang, wenn schon nicht verkannt werden kann, daß gerade Leipzig, wo in diesem Punkte noch arge Vorurtheile und engherzige Ansichten herrschen und sich zu Zeiten auch laut und offen geltend machen, ein unfruchtbarer Boden für solche Ideen, für einen solchen Judenemancipationsverein ist. Das darf jedoch die, welche dafür mit reiner Ueberzeugung sich interessiren, nicht davon zurückschrecken; haben sie doch hierin die Negierung selbst, die für die Juden mit weiserm und gerechterm Liberalismus zu sorgen bemüht gewesen als das Volk, das zu dieser Höhe der Gerechtigkeit sich noch zu wenig zu erheben vermocht hat, für sich. Die Sache muß auch bei uns zum Durchbruche kommen." Nach demselben Blatt erklärt Dr. Freund selbst itt der Aachner Zeitung, daß eS allerdings nur auf einem Mißverständnisse beruhen könne, wenn in mehreren, ihm nach ihrem Ursprung übrigens völlig fremden Zeitungsartikeln schon von einem an der Spitze deS beabsichtigten Nationalvereins für Emanzipativn der Juden stehenden, provisorischen leipziger Somit« (Nr. 29) die Rede ist. und verweist zu mehrerer Bestätigung auf eine von ihm demnächst zu erwartende Schrift".