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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-03-10 · Heft 10 (10.3.1844) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 10 (10.3.1844)
Date
1844-03-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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sie es wagten, eine gleichberechtigte Stellung anzusprechen, ihre Handlungen zu einer Gesinnung, ihre Gesinnung zu einem Bekenntniß, ihr Vekenntniß zu einer That zu machen, sich, mit einem Worte, zu einer Gemeinde zu bilden, die sich zu Grundsätzen vereinigt, welche der Starrheit des bornirten Rabbinismus widerstreben, ihn von seinem Throne, auf dem er trotz der thatsächlichen Vergehungen gegen seine Institutionen sich bis heute erhalten, zu stürzen drohen. Aber gerade diese Angst der starren Rabbaniten, gerade dieses Zugestandniß des Hochwichtigen und Erfolgreichen eures Unternehmens von einer Seite her, welcher es gewiß ernst damit ist und die am wenigsten sich hierin täuscht, muß euch, ihr Freunde einer wahren, durchgreifenden, das Nebel bei seiner Wurzel angreifenden Reform, noch mehr bestimmen, in eurem Eifer zu beharren, noch entschiedener, noch kräftiger, noch muthvoller auf der einmal betretnen Bahn fortzugehen. Verdoppelt und verzehnfacht darum das, was ihr bereits gethan, führt es weiter aus, bauet cs nach allen Seiten und Richtungen hin das Gebäude, zu dem ihr den Grund gelegt; werbet dabei um tüchtige Kräfte, um strebsame, furchtlose Mitarbeiter, zeiget euch vor allein thatkräfng, wo es gilt, den Gemeinden neue Jugend- und Volkslehrer zu geben, oder die, welche sie schon haben, in ihrem Wirken zu unterstützen; vertretet sie bei den Regierungen, saget diesen, daß in den Herzen unserer Glaubensgenossenschaft ein ganz anderes Judenthum lebt, als wie es die rabbinischen Gesetzbücher hingestellt, und daß für ein solches höheres, menschlich-würdiges und sittlich - starkes Judenthum sich eine immer größere Gemeinde bilde, wachsend und erstarkend durch unsere Söhne und Töchter, die aus dem Vorn europäischer Bildung schöpfen, zu den Höhen europäischer Gesittung hinanstreben. Und ihr, die ihr es noch nicht gewagt, euch zu dem zu bekennen, was die Reformfreunde ausgesprochen, und was ihr selbst längst mit ihnen gedacht und empfunden, die ihr vielleicht durch die vielfache Verkennung, Mißdeutung, Entstellung und Verdrehung dessen, was jene ausgesprochen, euch habet irre machen lassen, lasset euch durch das, was die 41 gethan, über die Wahrheit, ja Nothwendigkeit und entschiedene Heilsamkeit des von den Reformfreunden Kundgegebenen belehren, stehet nicht langer an, eurer eignen Ueberzeugung und der religiös - sittlichen Erziehung eurer Kinder unzweideutige, feste, dauerhafte Grundlagen zu geben, bekennet euch frei und offen, frei und offen, wie es Männern von Wahrheit, von Ernst und Innigkeit des Glaubens geziemt, zu einem Judenthum, wie es längst von allen seinen hellen Geistern erfaßt, von allen seinen großen Herzen empfunden, von allen seinen erleuchteten Lehrern verkündigt worden ist, zu einem Judenthum, das wol in seinem Wesen fest und unverrückt sich erweiset, in feinen Formen aber immer mehr sich fortbildet, immer mehr sich läutert, den Fortschritt der Wissenschaft und der Zeit in sich verbindet, zu einem Judenthum, dessen Bekenner zwar das Gute, was die Lehrer der Vorzeit gedacht und gelehrt, anerkennen und aufnehmen, ihnen aber nicht in allem, was sie gedacht, eine göttliche, eine für alle Zeiten bindende Autorität beilegen; zu einem Judenthume endlich, das auf das Innigste mit dem Boden sich befreundet und mit der bürgerlichen Gesammtheit sich verschwistert, der es durch Geburt und bürgerliches Verhältniß *) angehört, und das keine andere Erlösung, kein anderes Messiasthum kennt, als die religiös-sittliche Erhebung der Menschheit, als den goldnen Morgen ihrer Freiheit, ihrer Einigung in Wahrheit, Liebe und Frieden. — Doch auch unsere strengorthodoxen Brüder haben Grund, von jenem Verketzerungsurtheil der 41 zu fürchten, dieses auszuführen, soll die Aufgabe der folgenden Blatter sein. (Schluß folgt.) *) Wortlaut des dritten Artikels. Geschichte des Tages. Freie Städte. (Frankfurt a. M. im Febr.) sA. A. ZtgZ Nachdem in der Beilage zu Nr. 39 Ihres Blattes einige Auszüge von den — wie eS heißt — auf Kosten des Hru. v. Rothschild als Ma. nufcript gedruckten rabbinischen Gutachten mitgetheilt worden sind, erscheint es im Interesse der Wahrheit erforderlich einiges Erläuternde hinzuzufügen, um die öffentliche Meinung nicht irre leiten zu lassen. Das untrügliche Kennzeichen eines rabbinisch-talmudischcn Juden, die wirre Auffassung und Ansicht, ist diesen Ausflüssen rabbinischer Weisheit und Gelehrsamkeit insbesondere aufgedrückt. Sie vermischen durchgängig die für sich bestehende Thatsache, daß ein Familienvater es nicht über sich gewinnen konnte, seinen neugebornen Sohn der barbarischen Ceremonie der Bcschneidung zu unterwerfen mit den Bestrebungen der hiesigen jüd. Nesormfreunde, welche damit in keinem Zusammenhänge stehen. Es ist begreiflich daß den Rabbincn alten Schlags eine Reform des Judenthums unerwünscht kommt, weil sie damit ihre bereits

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