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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-03-03 · Heft 9 (3.3.1844) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 9 (3.3.1844)
Date
1844-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ße„, und von diesem soü die kräftigste Verwendung bei dem Kaiser, seinem Schwager, zugesagt worden sein. (Berlin.) sDeutsche Mg. Ztg.) Es hieß allgemein der Minister Mühler habe den hochverdienten Bankier Joseph Mendelssohn, von dem man ein meisterhaft ausgearbeitetes Gutachten über das Wechselrecht entgegengenommen und in Erwägung gezogen, zu einem Orden vorgeschlagen; man findet den Ln seiner Art berühmten und durch geistige Eigenschaften ausgezeichneten Mann, der seines großen Vaters würdig ist, aus naheliegenden Ursachen auf der Liste nicht. Bis jetzt hat nur ein Jude, der Hauptmann Burg, einen preußischen Orden erhalten; den Titel ^geheimer Commerzienrath" soll Herr Mendelssohn anzunehmen bescheidene Bedenklichkeiten gezeigt haben." Böhmen. (Prag im Febr.) sCorresp.j Das neueste Heft des Cherem Chemed wird hier viel gelesen, obgleich es wenig Interessantes enthält. Merkwürdig find jedoch zwei Abhandlungen von vr. Sachs hier, die erste betrifft eine lächerliche Erklärung des 54. Kapitels im JesaiaS, in welcher sich der Versasscr sehr gegen die neueren Exegeten ausspricht und ächt rabbinisch die Entdeckung macht, daß dicß Capitel eigentlich eine Terascha (rr^T) am Jobcl - Kippurtag war, weil darin die Stelle verkommt das den b’\& bedeutet, obschon es dem Verfasser doch nicht unbekannt sein kann, daß in den Zeiten des ersten Tempels weder noch noch irgend ein Feiertag gehalten wurde, daß das Volk kaum die 10 Gebote kannte, und seine Propheten cs nicht einmal vom Götzendienste und seinen sittlichen Greueln zurück halten konnten. Ter zweite Aufsatz, eben so weitläufig und in einem holperigen hebräisch geschrieben, verdient gar keine Beachtung. Um so mehr ist ein Schreiben deS vortrefflichen Reggio zu empfehlen; es bildet eine Entgegnung von einer Erklärung Nappoports über die bekannte in nny und ist ganz in der eleganten orginal.hebräischcn Sprache geschrieben, die der Verfasser mit so vieler Gewandheit zu handhaben weiß. Der Mann, welcher sich schon in den Annalen von Jost gründlich über die Autorität des Talmuds ausgesprochen, verdient wol als einer der bedeutendsten Vorkämpfer des religiösen Fortschrittes im Judcnthum genannt zu werden. Könnten wir dieses doch auch von unserem vr. Sachs sagen'. Allein leider! verfolgt derselbe ganz die entgegengesetzte Richtung. Fast jede seiner Predigten bildet eine Philippika gegen alle reformatorischen Bestrebungen der Gegenwart. Mit einem wahrhaften Fanatismus, wie er kaum bei den orthodoxesten Nabbincn angetroffen wird, wüthet er gegen dieselben, und ist unermüdet, seinen Zuhörern die Wichtigkeit der talmudisch-rabbi- Nischen Satzungen und vornehmlich der Speisegesetze an'S Herz zu legen. Aber was hat er mit allen seinen Strafpredigten hier gewirkt? die Orthodoxen hat er noch finsterer, noch fanatischer, noch unduldsamer gemacht. Die Bessergesinnten hat er aber in eine noch unheilvollere Gemülhsverfassung versetzt. Bis jetzt lebten nämlich auch die schwachen und beschränkten Kopfe unter denselben in dem guten Glauben, daß sie unmöglich ein Vergehen gegen Gottes Willen sich zu Schulden kommen ließen, wenn sie gleich anderen Rcligionsgenossen, die ja auch Gottes Kinder sind, denen der allgerechte und allliebende Vater unmöglich einen geringeren Grad von Seeligkeit gewähren kann, sich Genüsse gestatteten, die nur die bisherige beschränkte GlaubenSanficht als verpönt anschen konnte. Run aber durch die idealisircnden und allegorisirenden Darstellungen des vr. Sachs in diesem Glauben wankend gemacht, enthalten sie sich zwar nicht jener Genüsse, — denn dagegen übt das Leben, ihr Verkehr mit der christlichen Welt, und ihr gesunder Menschenverstand eine zu große Gewalt aus, — *) aber sie gestatten sich dieselben nicht mehr mit der Freiheit und Festigkeit der Ueberzeugung, wie früher, und werden (vom S.'schen Standpunkte aus betrachtet) — aus unbewußten und irrenden, bewußte und frevelhafte Ucbertreter, ausE''il'^' sogenannte C*T*Q/ und werden überhaupt zu einem Widerspruch, zu einer Unsicherheit und Zerrissenheit der ganzen religiösen Ueberzeugung gebracht, die den nachtheiiigsten Einfluß auch auf daS sittliche Leben auSüben muß. Freie Städte. CQ (Fr ankfurr a. M. im Febr.) fEorreipZ Der Senat unserer freien Stadt hat aus die DeschneidungSsrage eine entscheidende Antwort erthcilt. Herr Rabbine Sal. Abraham Trier wurde durch Senatsbeschluß angewiesen, sich mit seiner Beschwerde gegen den hiesigen israelitischen Bürger, welcher sich geweigert hat, seinen Knaben beschneiden zu lassen, zunächst an den ihm Vorgesetzten israelitischen Gemeindevorstand, als an die zuständige Bchörce, zu wenden. — Bei den bekannten Gesinnungen und Grundsätzen unseres Vorstandes ur diese Verfügung der höchsten Staatsbehörde als eine uubcdingt zu Gunsten des Fortschritts getroffene Entscheidung zu betrachten. *) So geht dieses Publicum nicht selten unmittelbar »ach Anhörung einer donnernden Rede gegen die Ucbertreter der Spriftverbote. in das schwarze Roß und läßt sich das köstliche Gabelfrühstück dort vortrefflich schmecken.

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