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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-02-18 · Heft 7 (18.2.1844) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 7 (18.2.1844)
Date
1844-02-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SS eigentlich auch Setten des Mosaismus ausmachen. Ob aber die Juden des Resormvereins recht thun, wenn sie Schweinefleisch genießen, Satnes tragen, den Bart rasiren, an Ostern Brod essen, die Kinder nicht beschneiden lassen und, versteht sich von selbst, auch Ein mal in ihrem Leben mindestens den Stiefel des linken Fußes früher, als den des rechten anziehen, * *) oder nicht, mag die Welt beurtheilen. Wer aber kann wol sagen, daß, wenn seine Glieder einmal so leben, nicht blos hin und wieder die Ceremonicn übertreten, sondern so leben, in der Praxis nicht nur den Hokus-Pokus der Nabbinen, sondern alle (?) praktischen Gebete ausgeben, sie dann nicht recht thun, wenn sie offen erklären, daß sie nicht als Sünder, als zügellose Menschen, sondern nach ihrer inner« Ueberzeugung so handeln und da sie die wichtigsten Gebote, das Gebot des Sabbats (?) leider übertreten, sie auch das viel geringere Gebot der Beschneidung, überhaupt(?) um consequent zu sein, alle, aufgebcn und somit die Religion, die Moral als Mosaismus von den Ceremonicn aussondern, damit sie nicht mit der Gleichgültigkeit, ja mit der Verachtung der Ceremonicn auch gegen die Religion, gegen die Moral gleichgültig oder gar Feinde derselben werden! Wer kann dieses Verfahren mißbilligen?" Der Vers, widerlegt nun die von einem Literaten ausgesprochene Meinung, daß derjenige, welcher die Beschneidung nicht beobachte, dadurch aus dem Judenthume trete, und weist nach, daß dieses weder nach dem Buchstaben noch nach der Auslegung des Talmuds der Fall sei. In letzterer Beziehung bemerkt er u. A. «Der Talmud erklärt, Kiduschin 29, 1 u. s. f., ausdrücklich daß die Beschneidung nur ein Gebot sei, welches nur größer als die übrigen Gebote "n£'J7 nicht aber als die Verbote mj® rron *6 ist, und Chulin 4 und 5, daß derjenige, der sich nicht beschneiden läßt, nur als abtrünnig für ein Gebot betrachtet wird und in Pesachim 4, daß, weit entfernt, daß der Jude, den sein Vater nicht hat beschneiden lassen, nicht Jude sei, er vielmehr verpflichtet ist, wenn er groß wird, sich beschneiden zu lassen. Im Schulchau Aruch Joreh Deah Abschnitt 2, 'Vq Hin JT1V ’W> heißt es: "NN8 rrcyb T01DD in tfbiyb *1010» "Wer die Beschneidung unterläßt, ist gleich demjenigen, der von irgend einem Gebote abtrünnig ist;" ferner Abschnitt 260: 1 two it mss nirui ir nx b)üb nxb rwv mn (d'i'd) TWV niäD »Der Vater ist verpflichtet, seinen Sohn Religion die Möglichkeit einer unbeschränkten Fortbildung, worauf auch in dem zweiten Rundschreiben der Reformfreunde selbst sich bezogen wird. Corresp. *) Dieses ist nämlich auch in den rabbinischen Codices verzu beschneiden, und dieses Gebot ist größer, als die übrigen Gebote," aber nicht als die Verbote, nicht einmal als das Rasiren; endlich Abschnitt 261: Efc*l CND*l'D) mn bo *6 dini jAx biob bwa yn "~o imbo *6 «Wenn das Gericht ihn nicht hat beschneiden lassen, so muß er sich selber beschneiden lassen, wo nicht, wird er von Gott ausgerottet." Wir haben also gesehen, daß nach den talmudischen Bestimmungen und nach denen der spätesten Rabbinen auf die Unterlassung der Beschneidung nur die Strafe: «Von Gott ausgerottet zu werden" gestellt ist, und dem jüdischen Gerichte nicht die geringste Macht gegeben ist, den Juden zur Beschneidung zu zwingen, während dies bei ganz andern Dingen wol der Fall ist. Der Verfasser schließt dann, nachdem er das, was sonst gegen die drei Artikel des Reform-Vereins bemerkt wurde, widerlegt, seine Betrachtung folgendermaßen: Fassen wir nun zusammen, was der Reform-Verein aufstcllt, und wir werden finden, daß, wenn er auch nicht im Stande ist, gleich bei der ganzen Judenheit durchzugreifen, er doch seine Mitglieder wenigstens im Princip, im Wesen des Menschen emancipirt und den übrigen Juden als Leuchtstern vorangehen kann. Er stellt auf: 1) «das Wesen des JudenthumS soll die Fortentwickelung sein," was im theoretischen Mosaismus, im Talmud selber und in der ganzen Geschichte, wie wir oben bereits gesehen, vollkommen begründet ist. Der Mensch entwickelt sich im praktischen Leben immer fort und um Harmonie zwischen Idee und Wirklichkeit zu bewirken, muß die reine Religion, wenn sie auch alö Princip ewig und unveränderlich ist, in ihrer Verwirklichung aber der Fortentwickelung fähig sein, sie muß nämlich immer mehr und mehr alle Schale abwcrfen und in ihrer ganzen Herrlichkeit hervortreten. Daraus folgt richtig 2) der zweite Satz: «Jetzt ist Palästina unser Vaterland nicht mehr,« und versteht es sich von selbst 3) «daß die talmudischen ceremoniellen Vorschriften, die darin ihren Ursprung haben, daß der für Palästina gegebene praktische Mosaismus auch für außerhalb Palästina's anerkannt wurde und somit als Consequenz auch der ganze praktische Mosaismus, der nur durch den Talmud die Gültigkeit für außerhalb Palästina's erhalten hat, nicht mehr verbindlich sei." Es bleibt der reine Mosaismus, die Lehre von der Liebe zu Gott und zum Nebcnmenschen in der vollsten Kraft, ja die Gesammtheit coneentrirt sich jetzt um so eher darauf. Der Dekalog bleibt als praktischer Theil und genügt vollkommen. Durch diese Erklärung hört nun der Widerspruch zwischen Leben und Lehre beim gebildeten Juden auf, wodurch dann der gebildete Jude aufhört Jude (im beschränkenden Sinne des Wortes) zu sein und Mensch zu werden beginnt.«

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