Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1844)
- Date
- 1844-02-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 stenthum stützt und verherrlicht und des Staates unmittelbarer Bundesgenoß ist gegen die frechen Angriffe der Wissenschaft, ist der Missionär, der Sendbote des heiligen Glaubens im Christenthume, der Prediger der Wahrheiten göttlicher Offenbarung inmitten seiner unglücklichen Brüder in Israel, die da Ohren haben und nicht hören, Augen haben und nichts sehen und einen Mund haben, der nicht reden will die großen Wahrheiten des allbescligenden Christenrhums. Der Name, den der Staat in Verbindung mit dem Christenthum dem Instrument gibt, ist ein alter. Ist es ja schon seit uralten Zeiten her ein edler Grundsatz der Kirche gewesen, den Heiden zu predigen und die Wahrheit, die sie in ihrem Herzen trugen, gleich jenen Glücklichen, denen beim vollen Herzen der Mund übergeht, andern mitzutheilen und das Glück, das sie im Glauben besaßen, zu verbreiten von Ost nach West, von Süd nach Nord und hinzutragen überall die Keime des ewigen Lebens für diejenigen, die dort in bedaurrnswerther Ruhe saßen. Aber die Zeiten der Winfriede sind vorüber; die Gluth, mit der die Adalberte, die Otto gegen die heidnischen Preußen predigten, erkaltet, Kreuzzüge sind vergessen worden, im Schatten der aufblühenden Politik; man sieht es nicht mehr als himmlisches Werk an, die Heiden dem Schooße der alleinseligmachenden Kirche zuzuführen; unter den Sendboten der heiligen Propaganda in Rom suchen die Wenigsten die entfernten Heiden im Sande Afrikas auf; gegen den Krebs in der Mitte des Christenthums, gegen den Schaden, den es in seinem eignen Schooße trägt, wendet es die Waffen, gegen die Juden. Die Juden sind, wenn Friede und Faulheit die Völker überkommen, immer der glückliche Gegenstand ihrer Sorgen gewesen, sie sind immer, wie ein geistreicher Physiolog von den Träumen sagt, daß sie die Mauser des Geistes seien, d. h. der Gegenstand, in den der Geist die unreinen schlechten Theile, die er absetzt, hinein lasse, die Mauser ihrer Mitwelt gewesen, die Kloake, wie Börne sagt, in die die Christen allen ihren Schmutz gegossen; sie sind auch heut der Gegenstand der christlichen Sorge und des christlichen Ehrgeizes geworden, und die Bekehrung eines Juden wägt mehr auf, und sei es auch ein unverständiges Kind, oder ein vom Ehrgeiz geblendeter Jüngling, oder ein durch Alter erblindeter Greis, als die von zehn Heiden. Welch ein Triumph gegen das Judenthum zu kämpfen, dessen Anhänger seit Tacitus Zeit mit einer obstinate, fides, *) einem hartnäckigen Glauben, begabt sind, von dem sie nicht lassen und nicht wanken, an dem sie hängen trotz Königshaß und Völkerwuth! Wahrlich ein hohes Amt, und der Missionär, denn diesen Namen trägt er, weil er gesendet wird und nicht geht aus eigener Seelenkraft, weil er gesendet wird im hohen Aufträge des Christenthums, und weil er für diese Sendungen bezahlt wird vom Schatzmeister dieses Christenthums, dem christlichen Staate, erfüllt eine große politische Aufgabe der Zeit, erfüllt das große Amt, der Welt zu zeigen, daß trotz Bauer und seiner Geistesgenossen noch nicht veraltet sind die Kräfte des betasteten Glaubens, noch, wie sehr auch der Verlust des unglücklich erloschenen Feuers zu bedauern sei, das Christenthum arm geworden ist an Mitteln, sich und seinen Elementen Anerkennung zu verschaffen. Der Missionär ist der bezahlte Händler mit verbrauchten Heiligen-Floskeln, mit denen er auf Messen und Markten als unwürdiger Schacherer in wirklich würdigen Hallen erscheint; der Missionär ist der bezahlte Capistrano, der in Städte und Dörfer eilend Spiegel und Karten verbrennen läßt, um in ihnen seine Erbärmlichkeit und sein Spiel mit dem Gcmüthe und dem diesem heiligen Glauben nicht widerspiegeln zu sehen. Der Missionär ist dies Alles, um Nichts zu sein, und der Staat hat seine glänzendste Klugheit bewährt, als er diesen Popanz vor seine Absichten schob und dieses großartige Convolut von tetzelianischer Gesinnung und jesuitischer Manier als Vorhang seiner eigenen großartigeren Ideen benutzte. Diese Männer, die sich selbst und ihr Ich vergessen und verloren, um aufzugehen in dem Enthusiasmus, der ihnen vergoldet wird; die alles, ihre Ehre und ihren Character daran setzen, um nur Anderen eine solche der Heiligkeit zu verleihen, die selbst ihres Glückes verlustig gehen, um Andern es zu gewahren, diese Muster der Resignation und der brüderlichen Liebe, sie werden uns über den Hals mit unwiderstehlicher Gewalt geschickt, und wer Herz bat, muß er ihnen nicht folgen? Ist es nun noch auffallend, daß der Staat uns tödten will durch die Sophistik, uns tödten will durch halbe Maßregeln, durch ein halb Gegebenes, halb Verweigertest Weiß er es ja, daß seine Jsiden glücklicher gewesen sind in den Zeiten der Verfolgung! die geringeren Erwartungen' und Ansprüche haben die Geduld höher gespannt und wir trugen mit heiligem Vergnügen *) Tacit. Histor. 5. 5. 1.