Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1844)
- Date
- 1844-02-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für -re Kenntnils und Nekorm -es A«-r»thnms. Redigirt und herausgegeben von »r. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Nabbinen zu Stadt-Lengsfeld bei Eisenach. 9kv. Sonntag, den 18. Februar. 1844. \\ Jahrgang. Missionär und Staat. Eine Anschauung von Selig Cassel, in Berlin. Die Wissenschaft schreitet vorwärts durch die Kritik. Der Staat bezahlt also eigentlich, indem er die Wissenschaft bezahlt, einen Gegner seiner selbst, seines Jchs. Für jedes Gift gibt es aber ein Gegengift. Der Staat, den die neuesten Erzeugnisse gelehrt haben, wie gefährlich diese Kritik ist, und der so zum Bewußtsein gekommen ist, daß es eine Philosophie gibt, sucht und findet, oder glaubt zu finden, das Gegengift im Christenthum, und indem er diese dichte Masse ganz mit seiner Materie zu amalgamiren strebt, und sich mit dieser Wesenheit auf das innigste vermählt, paßt es sich, daß er auch den Namen von ihm leiht und der Staat ein christlicher Staat wird. Dieses Christenthum hat aber so gut wie der Staat belebende Ideen in sich, die, wie dies bei Zdeen leider der Fall ist, weder durch einen Ukas verboten, noch durch ein ne imprimatur verhindert werden können, und weil es diese hat, ist es auch zugänglich der Kritik, jener Künstlerin mit Ideen, die mit der Gewandtheit eines Dosko einer kleinen Idee immer eine größere und immer größere entlockt. In so fern es aber einmal dem Einfluß der Wissenschaft sein Ohr geliehen, ist es auch allen zerstörenden Machinationen derselben ausgesetzt, und diese, welche die Elemente der alten Welt zu zersetzen und zu zerstören sich nicht gescheut, geht auch in ihrem Kampfe gegen das Christenthum nicht an seine Aeußerlichkeiten, sondern an die Innerlichkeit desselben, an seine Elemente. So sind im Sturme der dahinrollenden Jahre, im Erwachen von Reformationen und Revolutionen, die Autodafes erloschen; das Feuer der Inquisition, dieses herrliche Requisit, dem Eindringen der Wissenschaften zu steuern, ist ausgegangen; mit Recht jammert und klagt der gute Christ, denn was die Chemiker dem Feuer übrig gelassen, die Eigenschaft zu leben und zu wirken, hat die Bosheit der Zeit und des Verstandes geraubt; die feurige Intoleranz, die gluthvolle Begeisterung für die eigne Ucberzeugung ist verschwunden. Das Christenthum hat eine Stütze verloren mit diesem Elemente, und der Verlust ist doppelt groß, weil er durch den Kampf verloren ward, und dem Gegner Muth und Bewustsein gibt. Darum gilt es noch einmal den Kampf aufzunehmen und das Gebliebene kräftig zu vertheidigen, darum fordert es Muth und Scharfsinn, Eintracht und Anstrengung, ein Instrument zu finden, mit dem man auf der einen Seite der Welt die Macht des die Idee verwerfenden und doch nicht verbergenden Christenthums zeige, auf der andern aber dieses Instrument geeignet mache, dem quasi Zeitgeist, wenn es einen solchen gibt, Genüge zu lüften. Dieses großartige Werkzeug nun, das das Chri-