Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1844)
- Date
- 1844-02-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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36 seiner bereits gewonnenen wahren und heiligen Existenz, die ihm kein unbefangenes Urtheil wird streitig machen können, die Spalten unseres Blattes geöffnet, find aber darum keineswegs (und — gewiß im vollen Einklänge mit den Reformfreunden selbst, die ja in ihrem zweiten Rundschreiben eine „freimüthige und gründliche« Besprechung ausdrücklich wünschen) gewillt, Bedenken gegen einzelne Punkte, oder auch gegen diese Auffassung selbst, wenn sie nur in einem würdigen Tone aus Liebe zur Wahrheit erhoben werden, unsere Spalten zu verschließen, da hierdurch nur der guten Sache selbst und ihrem allseitigen Verständniß der entschiedenste Dienst geleistet wird. Also, mit einem Worte, unsere Wochenschrift wird das Organ des Reformvcreins sein und bleiben, aber ein freies, selbstständiges, wahrhaftiges Organ, ein solches, das nicht sowol jenem, als der Sache der Religion, des Rechtes, der Wahrheit selbst, dienen wird. Hamburg, 3. Jan. (A. Z.) Eines der ersten Altonaer Häuser erzählte an der Börse: wie ihm von Hrn. M. A. Rothschild und Sohn in Frankfurt Wechsel zurückgeschickt worden, weil solche auf dortige Israeliten gezogen, die der neuen Reformlehre in ihren Glaubenscercmonien zugethan. Man weiß nicht, ob man sich mehr über die Intoleranz oder über die Inkonsequenz der großen Geldmacht wundern soll. Auf einem Platze, der so unabhängig von ihr da steht wie Hamburg-Altona, verfehlt das Schleudern dieses Bannstrahls gänzlich seinen Zweck; man wird deßhalb jenen jüdischen Handlungshäusern das Zutrauen nicht entziehen. Welche Anmuthung, fremde und noch dazu christliche Kaufleute sollen ein inquisitorisches Verfahren über die Orthodoxie des Bezogenen in Frankfurt anstellen, ehe sie Wechsel auf denselben kaufen'. Vielleicht schickt man, um solche Erkundigung zu erspare«, Geschäftsfreunden eine Liste der aus dem „goldenen Buch« Gestrichenen ein. Lord Byron glaubte gewiß nicht, als er in seinem Don Juan „lew Kothschilä snä dis fellow Christian Baring“ zusammenstellte, daß eine Zeit kommen würde, wo der erstere das Kreuz gegen seine eigenen dissentirentcn Glaubensgenossen predigen, und Christen auffordern würde, ihn in seiner etwas gewaltsamen Bekehrung zu unterstützen. Frankfurt a. M. 13. Jan. (A. Z.) In Bezug auf die Beschneidungsfrage, welche hier durch die Nichtbeschneidung zweier Knaben noch an der Tagesordnung, ist eine interessante Schrift von Dr. Bergsohn in Berlin erschienen, welche zu folgendem Endresultat gelangt: „In religiöser Beziehung — sagt der gelehrte Verfasser — hat sie für den denkenden Bekenner des MosaismuS keine höhere Bedeutung und Wichtigkeit als jedes andere mosaische Gebot, und ist mit einem Sacrament, namentlich mit der Taufe, durchaus in keine Paralelle zu setzen. Von Religionszwangsmaßregeln kann daher, und dieß fleht jeder ein, wie au dem ganzen Gebiet der israelitischen Ceremonten, nirgends die Rede sein.« — Der hohe Senat hat auf die Beschwerde des orthodoxen alten Rabbinen noch nicht entschieden; indeß weiß man, daß derselbe dem Starrsinn jüdischer Fanatiker nicht besonders hold und gewogen, und den vernünftigen von der Zeit gebotenen Resormbestrebungen sich nicht abgeneigt zeigt. Berlin, im Januar. (Corresp.) Die Schrift des Geh. Finanzrathes Volfahrt hat bereits eine Erwidrung erhalten, unter dem Titel: „Herr Gehcimrath Volfahrt und die Juden«; Verfasser ist der Studiosus May hier. — Interessant ist die Schrift: „Kurze Antworten auf Kultus-Fragen von vr. Zunz. (Berlin, Springer.)« Zunz hat diese Antworten auf Veranlassung der hiesigen Gemeinde, der sie von der königl. Negierung vorgelegt worden, verfaßt. Man erkennt darin nicht bloß den tiefgelehrten, sondern auch den umsichtigen, die Zeitverhä'ltnisse klar durchschauenden Mann. Dem Titelblatte entspricht der Umfang des SchriftchenS, indem die Antworten mit den Fragen kaum etwas über 13 Octavseiten einnehmen. Der Verfasser verkennt zwar nicht, daß unter den Fragen mehre sind, „die sich zum Range von Preisaufgaben erheben, deren Lösung mithin der Wissenschaft auhcimfällt«, doch hat er hier sich „aus das geschichtlich Gewordene beschränkt, damit nicht der mißverstandene Buchstabe allein, sondern auch das wirkliche Leben seine Geltung erhalte.« Diesem Umstande ist es auch zuzuschreiben, daß in dem ganzen Schristchrn weder Talmud noch Poskim ein einziges Mal citirt sind, vielmehr, wo verwiesen wird, auf solche Quellen verwiesen wird, die dem christlichen Leser leicht zugänglich sind. Besonders vollständig ist die Literatur der neueren Gebetbücher und Predigten (S. 15 —16) angegeben. Der Schluß lautet: Intelligenz und Leben sind sonach für ein fortschreitendes Princip, um bloße Zahlen unbekümmert, und sie müssen dem Judenthum und seiner Wissenschaft diejenige Geltung erobern, welche Antworten wie diese überflüssig macht, und noch entbehrlicher die Fragen. Berlin, 12. Jan. (D.A.Z.) Es wurde neulich in dieser Zeitung von den Bestrebungen einer Oppositionspartei unter der hiesigen Judenschaft erzählt, und die eingeschlagenen Schritte und vorgetragenen Desideria bei dem Gemeindevorstande mitDetheilt. Letzterer hat nun in einem würdevollen und ausführlich motivirten Bescheid unterm 11. Dec. und nochmals unterm L. Januar geantwortet und dargethan, daß die verlangte Abfassung eines Statuts für die Gemeinde so lange unmöglich wäre, als die Cultus- und Gemeindeangelegenheiten überhaupt noch nicht geordnet wären. Die Städteordnung gestatte den einzelnen Städ-