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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-01-28 · Heft 4 (28.1.1844) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 4 (28.1.1844)
Date
1844-01-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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30 Dbtt jenes unsren legislativen Berathungen zu unterstellen", also so gut wie „Nein". Der rheinische Landtag wird sich höchst wahrscheinlich mit der letzten Wendung befriedigen müssen^). Ich wollte Ihnen heute eigentlich über einige literarische Novitäten berichten, die zu mancherlei öffentlichen Diskussionen Veranlassung gegeben haben. Zunächst die Brochüre des Geheimeraths Wolfart in Potsdam; „Ueber die Emancipation der Juden in Preußen." Dieser Champion des „evangelisch-christlich-monar, chischen Staates hat einen neuen Beweis geliefert, zu welchen Verirrungen und wahnsinnigen Consequenzen die fixe Idee jenes inhaltsleeren Begriffes verleiten kann; ja er hat durch den Terrorismus seiner Ansichten das ganze System der diplomatischen Theologie ad absurdum geführt. Wir können uns hier um so mehr einer Würdigung dieses vielbesprochenen Pamphlets enthalten, das sogar, um sich etwas Relief zu geben, eine osfirielle Maskenuniform anlegte, als wir es des Größcrn in einer eignen Schrift „der Herr Geheimerath Wolfart und die Juden" (Berlin bei Carl Klemann) zurrst widerlegt haben. Wir verweisen auf diese Kritik und auf eine demnächst zu erscheinende gediegne Ausführung des Themas vom christlichen Staat und den Juden, von dem trefflichen Publicisten Adam Löffler, die höchstwahrscheinlich ebenfalls durch die Wolfartschcn Extravacanzen hervorgerufen worden ist. Bruno Bauer, der durch seine Kritik der Judenfrage sich in eine so schiefe Stellung zum Liberalismus gebracht hat, sucht in dem ersten (December-)Hefte seiner „Allgemeinen Literaturzeitung" seine jüdischen Gegner abzufertigen. Es ist wahr, er, der der Judenfrage eine neue Wendung gegeben, der sie unter einen weit allgemeinern Gesichtspunkt gerückt hat, und sie nicht als eine Frage der Nation, sondern des MenschthumS behandelt, jener Weltreligion, als deren Apostel er auftritt und für die die Christen ebensogut wie die Juden emancipirt werden müssen; es ist wahr, sage ich, daß er über den Partheien steht und nur von Wenigen richtig bekämpft worden ist. Aber die etwas süffisante .Taktik seiner Berthcidigung ist mehr kunügewandt als ehrlich. Anstatt jeden Ausfall, auch den falschen, zu parircn, sucht er nur die Klingen der Gegner zu verwirren; er macht die Meinung deS Einen für die des andern verantwortlich; er schlägt Hold he im mit Hirsch, Salomon mit dem rheinischen Landtag und Freund mit dem westphälischen Teutonen Marcard. Namentlich thut er Freund, dem Herausgeber der Judenfrage Unrecht, wenn er ihm die Bemerkung, man sollte gegen das ungesetzliche aufrührerische Verfahren des Mindner Scribenten, die *) Der indeß erschienene Landtagsabschieb hat die Vorausbefürchtung unseres Correspondentcn fast wörtlich bestätigt. Red. Gesetze anrusen, als. eine Denunciation unterstellt. Es wird Niemandem einfallen, gegen einen Gegner wie Bruno Bauer, der mit Principien kämpft, die Polizei zu holen; aber auf Schimpfreden und pöbelhafte Beleidigung, wie sie ein Marrard, ein Th. Brand ausstoßen, giebt es keine andere Vertheidigung. Wer mich mit Koth wirft und Hunde auf mich hetzt, den werde ich nicht zum Zweikampf fordern; Herr Bauer wird doch hoffentlich auf dieser Sphäre die polizeiliche Wirksamkeit in ihrem Rechte anerkennen! Das Januarheft der Freundschen Monatsschrift ist ebenfalls erschienen. Es bringt, zunächst im Programm des Herausgebers, in welchem die Aufgabe der Gegenwart klar und scharf als eine „gleichzeitig politische und religiöse und zugleich ächtnationale" bezeichnet und ihre Lösung in die Ueberwindung des Orientalismus des Particular-Nationalen in der Religion eben so wie im politischen Leben, in die völlige Germanisirung der Judenheit und des Judenthums gesetzt wird. Neben diesem finden wir noch vier lcsenSwerthe Aufsätze, von Reben stein über die innern Zerwürfnisse zwischen unfern Ueberzeugungen und der dermaligen theologischen Praxis, eine gemüthvolle, offenherzige, vom wehmüthigsten Humor übergossene Expectoration; von Dr. Stern über die Bedeutung und die Aufgabe der jüdischen Gemeinde zu Berlin für die Gegenwart; von I. Kaim über die Beschränkungen der Juden in den Zollvercinstaaten; und von Muhr statistische Beiträge zu den jüdischen Zuständen Oberschlesiens. Diese Monatsschrift, die dem entschiedensten Fortschritt huldigt, verspricht, sowvl durch die unermüdliche Thätigkeit ihres Herausgebers, als durch die anerkannten trefflichen Mitarbeiter, ein bedeutender Hebel in der Entwickelung unserer äußern und innern Emanzipation zu werden. *)_ Berlin. Wie erzählt wird, habe der Kricgsminister General der Infanterie von Boyen einen Bericht an den König erstattet, worin der Antrag: die Juden aller Provinzen zur Militärpflicht zuzulassen, der allerhöchsten Genehmigung unterstellt sein soll. Hinzugefügt wird, der Minister habe das Wohlverhalten der im Heere dienenden Israeliten ausdrücklich angeführt. Nach *) Wir haben das erste Heft dieser Zeitschrift gelesen und können uns aus innerster Ueberzeugung mit dem Urtheile unseres verehrlichen Correspondenten einverstanden erklären. Dr. Freund, der bekanntlich mit Klarheit der Auffassung ein tiefes Rechtsgefühl, einen ächt deutschen Sinn und ein lebhaftes Interesse für die Sache seiner Glaubensbrüder verbindet, ist ganz dazu geeignet, sich an die Spitze eines Unternehmens zu stellen, welches sich die deutsch-nationelle Anerkennung der Juden nach innen und außen zur Aufgabe gesetzt. Red.

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