Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1844)
- Date
- 1844-01-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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s» giats beschuldigt, und die Urkunde zerfetzt, indem man ihr die heidnischen Adern auszieht. Kurz ^‘p ’Np NtSBHp/ was nicht wahr ist, kann auch nichts nützen. Und es ist nicht wahr, was der Verfasser der Bibel und den rabbinischen Schriften andichtet. Vielmehr ist die Bibel voll von Beweisen fürs Gegentheil. Welcheheroische Mittel gegen den Einfluß des Heidrnthums in seiner verwerflichen Seite wird z. B. in demselben Abschnitte, der die Pflanze, den Vogel zu schonen befiehlt, durch den Befehl, von den Kanaiten keine Seele leben zu lassen, geboten! Bringen wir also die beklagenswerthen Verirrungen der Menschen nicht aus Rechnung Gottes. Unsre Vorfahren dienten den Götzen, Gott wollte es nicht, wir dienen dem Egoismus, der Form, der trägen Gewohnheit, das will Gott eben so wenig. Denen, die das Nebel der Zeit aber erkennen, rufen wir mit jenem Weisen zu: Sprecht wenig, und haltet viel! £l' Berlin im Januar. Also wenigstens das hätte» wir durch unfern jahrelangen unermüdlichen Kampf für bürgerliche Freiheit gewonnen, daß sich die Nation mit lebendigem Interesse an dem Verlauf und an der bevorstehenden Entscheidung desselben bethciligt; und daß sie nicht bloß wie ein müßiger Zuschauer sich an dem episodenreichen Drama, gähnend ergötzt und je nach ihren Sympathien die Helden beklatscht oder auszkscht, sondern daß sie wie ein ernster Chor sich mit in der Entwickelung des Stückes verwebt fühlt, und wenn auch nicht in die Handlung unmittelbar eingreift, doch die wechselnden Momente des Schicksals, das freudige und schmerzvolle Pathos der Kämpfenden, treulich reflectirt. Die Zeitungen, unsre einzige, wenn auch leider Noch halbverschleierte Oeffentlichkeit, unsere Arena und unser Circus, wo wir vor den Augen des Volkes die höchsten Fragen auf Leben und Tod ringen, die Zeitungen bewähren es, daß die Judenfrage nicht mehr ein humoristisches Problem der Stubenphilosophen, sondern ein drängendes Axiom der Gegenwart geworden, daß die Emancipation die Parole und daö Schiboleth ist, wodurch sich die Gebildeten, Vernünftigen und Fortschreitenden erkennen, und sich von den Egoisten, den Abergläubigen, und den Starren unterscheiden. Seit langer Zeit hört die Judenfrage nicht auf Gegenstand der publicistischen Besprechung und Erörterung zu sein; und die vereinzelten Angriffe der verlorenen Posten des gegnerischen Lagers geben Gelegenheit dies unerschöpfliche Sujet nach allen Seiten zu drehen und zu beleuchten. Unsere Feinde wollen dieses große Zeichen der Zeit freilich nicht anerkennen; sie betäuben die grauende Ahnung ihrer baldigen Niederlage mit dem leidigen Trost: das sind nur wenige Juden (oder auch Judenjungen), die die Presse beherrschen; aber man kennt ja diese Götzen ihres eigenen Egoismus; sie haben Augen und sehen nicht, fie haben Ohren und höre» nicht. Sie sind es ja auch die die Publicität noch immer nicht als die höchste Macht, als die ultima ralio populi und den //Tag der Alles findet" ehrfürchten, sondern als die unbequeme Helle, die sie in ihren kleinen Sünden und noblen Passionen genirt, verabscheuen; sie sind es, die in den Zeitungen noch immer nicht den Ausdruck der öffentlichen Meinung, der souverainen Königin der modernen Zeit, sondern wie weiland die clironique scsuüsleuse der Theaterhelden und die officiellen Mittheilungen der höchsten und allerhöchsten Geburtstage und Kindtaufen sehen mögen; die Kleinmeister und Zusälligkeitskrämer der Weltgeschichte, die nichts gelernt und nichts vergessen haben, die an die dunkel vorbereitende Macht der Ideen und den Einfluß des Geistes auf die Entwickelung der Menschheit nicht glauben, sondern alle Haupt- und Staats-Aktionen, aus welthistorischen Ohrfeigen, Gläsern Wasser, nnd andern Evenements des Hoflebens ableiten. Wir aber wollen uns an dieser Erscheinung um so inniger und freudiger halten, als sie für jetzt und für die nächste Zukunft vielleicht nur unser einzige Sieg, unsre einzige Eroberung ist. Der Staat, der bekanntlich etwas anderes als das Volk ist, hat nicht die Absicht uns völlig zu emancipiren und uns endlich Recht zu gewähren; sondern nur die Derschiedenartigkeit unsrer Rechte auszugleichen und zu nivelliren. Ob man, um das Gleichgewicht innerhalb der gesetzlichen Zustände der Juden herzustellen, auf der einen Seite etwas hinzuthun, oder auf der andern etwas hinwegnchmen wird, ist gleichviel; eine Verbesserung, die nicht organisch die Juden dem Stamme der Nation einpsropft, daß sie fürder, ein Zweig wie die andern, mit dem Ganzen leben und gcreihcn, ist kaum eine solche zu nennen: wenn auch manche Widersprüche jetzt oberflächlich vertuscht werden; in einem halben Menschenalter brechen sie wieder hervor, und das künstlich zusammengeleimte Stückwerk lechzt klaffend auseinander. Wir sind einsichtig genug, den trüben Prophezeiungen der Zeitungen zu glauben; wir hören aber doch nicht auf, auf die Geschichte zu hoffen, da sie eben die fortschreitende Verwirklichung der Ideen ist. Man ist gespannt auf den in wenigen Tagen erscheinenden Abschied des rheinischen Landtages, welcher bekanntlich die Emancipation der Juden petikionirt hat; und doch kann man den Bescheid aus diesen Antrag schon aus dem Geist der bereits veröffentlichten Abschiede, ohne Mühe, voraussehen, ja ihn schon jetzt an den Fingern abzählen. Die beiden Wendungen, in dbnen alle wichtiger», daS Nationalinteresse berührenden Anträge der Landtage keschieden worden, sind entweder: //wir sind dermalen nicht gewillt, in diesem oder jenem Institut eine Veränderung vorzunehmen« also //Nein!" oder, »wir gehen damit um, dies