Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1844)
- Date
- 1844-01-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Manne verstoßen worden, sollen sie nicht nehmen; denn heilig ist er seinem Gott. Und du sollst ihn heilig halten; denn das Brod deines Gottes bringt er dar; heilig soll er dir sein, denn heilig bin ich, der Ewige, der euch heiligt." Hier ist also offenbar die Heiligkeit und die Heilighaltung der Ahroniten an den heiligen Opferdienst, den sie verrichten, geknüpft, der aber mit -er Zerstörung des Tempels aufhörte." Am Schluffe dieser Betrachtung spricht sich der Verf. noch über den ihn geleitet habenden Grundsatz aus und bezeichnet ihn als einen solchen: „Den Geist der Rabbinen, in dem wir mit so vielen Zeitgenossen ein tief begründetes Streben, den Buchstaben des Gesetzes mit späteren Zeitverhaltnissen in Einklang zu bringen, erblicken, der also an sich ein Erzeugniß des Fortschrittes ist, so lange als Mittel des zeitgemäßen Weiterschreitens für unsere Verhältnisse anzuwenden, bis das Judenthum auf einem höhern Stadium einer selbstständigen, über die Grundanschauung der Rabbinen sich erhebenden und auf einer freien und selbstständigen Erfassung des in der Bibel offenbarten religiösen Geistes ruhenden Entwickelung gelangt sein wird, also einem höhern als dasjenige ist, auf welches der Entwickelungsprozeß des Talmuds es gebracht hat." Wir können uns nur mit der vollsten Anerkennung über dieses sein Streben äußern und ihm zu dem Resultate, welche er Ln der fraglichen Schrift gebracht, von Herzen gratuliren; sie bildet in Wahrheit ein neues großes Entwickelungs-Moment in der Geschichte des Judenthums oder vielmehr in der Philosophie seiner Geschichte, und wird, dafern sie nur mit unbefangenem Sinn erwogen und gewürdigt wird, zweifelsohne zur Veredlung unserer Lnnern und äußeren Verhältnisse im hohen Grade beitragen. Geschichte -es Tages. Breslau; Schluß der Correspondenz über die Schrift von Löwengart. Der Verfasser glaubt es aber trotzdem der Wahrheit schuldig zu sein, seine Wahrnehmung bekannt zu machen, und sie that- und gesinnungsstarken Rabbinen zur weitern Bearbeitung zu überlassen. Doch damit diese sich nicht überarbeiten, sind ih- »Mt die Grenzen gesteckt. Er gibt ihnen in seiner Wahrnehmung noch folgende Instruction: »Von unverdächtiger monotheistischer Bedeutung im biblisch-talmudischen Ceremonialwesen ist jedoch, und muß als solches hervorgehoben werden t) In Bezug auf den alten Tempelcultus das Opferwesen ... 2) Für alle Zeit a) die Feier der Sabbat- und Festtage . . . b) das Verbot des Genusses der unreinen Thiere .... o) viele andere untergeordnete Einzelheiten. Selbst auf den Rest des ceremoniellen biblisch-talmudischen Stoffes wird die Nachweisung des heidnischen Charakters, seine großen, wol unüberwindlichen Schwierigkeiten haben.« — Dieses nicht und Jenes nicht, Vieles anderes nicht und den Nest auch nicht, was bleibt denn da dem that- und gesinnungsstarken Rabbinen übrig? Kann uns nun hier der geistliche Vorbehalt, die engherzige Instruktion, die das Gebotene ungenießbar macht, unmöglich genügen, läßt sich vielleicht mit der ungefesselten Theorie was anfangen; es zeigt sich aber bald, daß die Hypothese an sich unpractisch, falsch und gotteslästerlich ist. Ein Gefühl der Unbehaglichkeit auf dem religiösen Gebiete durchdringt uns schon seit länger als einem halben Jahrhundert, den Gelehrten wie den Laien, mehr oder weniger. Alle stimmen darin überein, daß es anders werden müsse! Selbst der Verfasser will Reformen, wenn auch nur in sehr beschränktem Sinne. Ist nun etwa die Ahnung, daß nicht alles rein monotheistisch wäre, was die heilige Schrift enthält, die die israelitische Welt durchschauert? Hat Schelling mit seinem mythologischen Prozeß die Geistesbewegung inmitten der israelitischen Gemeinden hervorgerufen? Nein! was das Bedürfniß einer Reformation fühlbar macht, das muß sie auch rechtfertigen! Und sie macht sich fühlbar, durch den Widerspruch der alten Lehre mit dem jungen Leben; und sie wird gerechtfertigt durch das Eingehen auf die Motive, auf die veränderten Verhältnisse und Sitten, durch das Sichten des Wesentlichen und Unwesentlichen, des Ewigen und Zufälligen! Wozu also dieses neue Reform-Schema? Was damit anfangen? Gesetzt es wäre z. B. zu beweisen, daß die Heiden nie solche unsinnige Gebetstücke gehabt, wie unsre Pijutim, die mithin reine Blüthen des Monotheismus sein müßten, so dürfte an diesen nie des Reformers Hand gelegt werden. Und wäre wiederum zu beweisen, daß unser ganzer Glaube ein Erbtheil der Heiden sek, würden wir deshalb das wirklich Wahre, Gute und Heilige desselben von uns stoßen? »In ihren Sitten sollt ihr nicht wandeln,« sagt die heilige Schrift; darauf sagen die Alten: „In ihren abscheulichen Sitten sollt ihr nicht wandeln, ihre guten und schönen sollt ihr euch wol aneignen. Allein die Hypothese, wenn auch an sich unfruchtbar, kann doch die Autorität der Bibel bei Reformen retten! Damit wäre aber mehr verloren, als gewonnen. Wenn eine Fortbildung der heiligen Schrift, die sie doch selbst befiehlt, nach der Meinung des Verfassers, ihrer Autorität schadet, wie muß das erst der Fall sein, wenn man sie des Pla-