Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1844)
- Date
- 1844-01-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2566911-2566914--0809-2568519- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
14 nung hier, die Zierde und der Stolz ihres Geschlechtes. So viel Klarheit des Verstandes, so viel Tiefe des Gemüthes und ein so lebhaftes Interesse an Allem, was im Kreise des Judenthums fich Edles und Schönes ereignet, habe ich noch bei keiner Frau gefunden, als bei diesem so anspruchlosen Wesen. Gelehrte, die mit ihr verkehrten — und das gastfreundliche Haus des vr. Behr wird nicht selten von solchen und namentlich durchreisenden besucht — sagten mir, die Unterhaltung mit dieser Frau sei ihnen ein wahrer Hochgenuß gewesen, sic habe kein Urthcil so gläubig hingenommen, sei vielmehr auf alles selbstständig und prüfend eingcgangen, aber das immer mit einer solchen Bescheidenheit, mit einer solchen Fülle weiblicher Anmuth, daß man daraus ihr Verlangen nur selbst belehrt, unterrichtet zu werden, deutlich zu sehen, sich aber später habe sagen müssen, mehr durch sie belehrt, zum wenigsten erhoben und vielfältig angeregt worden zu sein. Mit einem Worte, es scheint diese Frau dazu berufen, alles das in sich zu vereinigen, was den Männern und Frauen der Dresdner Gemeinde noch abgeht. Und so schließe ich gern meinen Bericht mit ihr und wünsche allen unfern Vätern solche Töchter und allen unfern Männern solche Gattinnen; das alte Wort re. riVjpls; würde dann auch beim heutigen Geschlechte sich erfüllen. Frankfurt a. M. Endlich ist auch hier der große Wurf gelungen. Der Gemeindevcrstand hat einstimmig den Rabbinen Leopold Stein in Burgkundstadt zum zweiten Rabbinen gewählt. Es überrascht dieser Schritt um so mehr, weil er ganz unerwartet gekommen. Man würde jedoch sehr irren, wenn man daraus auf eine urplötzliche Begeisterung, die sich des Vorstandes bemächtigt, schließen wollte; vielmehr hat jener Schritt zunächst nur darin seine Veranlassung, daß Herr von Rothschild in Wien die sehr bedeutende Summe, welche er zum Ausbau der neuen Spnagoge verwilligte, an die Aufnahme eines zweiten Rabbinen geknüpft hatte. Allein schon daß man das Bcdürfniß einer neuen Synagoge und wie sich's von selbst versteht, eines damit in Verbindung stehenden veredelten Gottesdienstes erkannte, beweist, daß die Vertretung der Gemeinde aus ihrer bisherigen Lethargie, oder vielmehr ganz ekgenthümlichen destructivcn Richtung (man wollte nämlich das alte dergestalt veralten lassen, bis selbst seine treuesten Anhänger den Geschmack daran verloren) heransgckommen. Uebcr die Wahl selbst hat man alle Ursache, sich zu freuen, denn wenn Stein auch nicht eine wissenschaftliche Celebrität bildet, so hat er doch viel seelsorgerlichen Sinn, Rednertalent und ein ächt poetisches Gemüth, und wird daher zweifelsohne viel Gutes hier wirken. Auch mochte gerade der Umstand, daß er sich nicht so entschieden, wie andere unserer räbbinischen Capacitäten für die Sache-des Fortschrittes ausgesprochen, maßgebend bei seiner Wahl gewesen sein; da man der orthodoxen Parthel nicht zu nahe treten wollte. Demohngeachtet hat die.äußerste Rechte mit dem alten Rabbinen Trier an ihrer.Spiße ein gräuliches Zetergeschrei erhoben und letzterer sogleich eine Protestation gegen die Wahl, da sie einen Neologen getroffen, beim Senate eingelegt: auch hat Hr. v. N—d alsobald seine Minen springen lassen. Nichtsdestoweniger ist die Wahl bereits vom Senate bestätigt und dem alten Rabbinen eröffnet worden, er möge mit seiner Beschwerde sich zunächst an seine Behörde (den Gemeindevorstand) wenden. Jener hat um so unkluger gehandelt, da das gerade einen genügenden Grund abgeben möchte, den Aufgenommeneu von der im Statute vorgcschriebenen Prüfung beim ersten Rabbinen zu dispensiren. — Noch muß ich, um falschen Vermuthungen zu begegnen, gedenken, daß das Gutachten von Stein gegen den Reform-Verein — (eine beiläufig gesagt mehr phantastischpoetische, als haltbar wissenschaftliche Auffassung der Sache) den Mitgliedern des Vorstandes bei der Wahl noch nicht bekannt war, wozu sich der Gewählte gratuliren kann, denn unleugbar ist der größte Theil der Gemeinde dem Streben der Reformfreunde zugethan, wenn auch Viele aus andern Gründen Anstand genommen, sich demselben förmlich und öffentlich anzuschließcn. Mannheim. — Die badischen Israeliten hattm die Absicht gehegt, bei dem diesjährigen Landtag wieder eine gemeinsame Petition um bürgerliche Gleichstellung einzureichen. Hr. vr. Oppenheim in Heidelberg redigirtc dem Vernehmen nach die Bittschrift in scharfem und entschiedenem Ton, mit energischer Zurückweisung jener wolbekanntcn Einwürfe, die man zum Behuf der Selbsttäuschung alljährlich wiederholt. Diese Eingabe scheint jedoch zurückgelegt worden zu sein; wenigstens trat eine andere, von einem Mannheimer Juristen in viel sanfterer Weise abgefaßte Schrift an deren Stelle. Außer dieser wird noch eine Separatpetition von den Karlsruher Israeliten an den Landtag gerichtet werden; das Resultat steht zu erwarten. Preßburg. Die hiesige Judenschaft hat, nachdem ihre Emancipation in einer Cirkularsitzung durchgegangen ist, ihren philantrophischen Freunden einen glänzenden Ball geben wollen; da aber dieses Vorhaben als eine Demonstration für diejenigen galt, welche sich kräftig gegen die Emancipirung erklärten, so hat die Stadthauptmannschaft, was auch sehr vernünftig war, die Abhaltung des Balles untersagt. Zweites Rundschreiben der Franks. Reformfreunde. P. P. Unser Rundschreiben vom August v. I. brachte Ihnen Pro-