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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-01-14 · Heft 2 (14.1.1844) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 2 (14.1.1844)
Date
1844-01-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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13 welchen praktischen Beruf für deren befriedigende Lösung so viele Mitglieder der hiesigen Gemeinde besitzen und daß ein großer Theil nichts weniger als indifferent sei. Man richtete das Gesuch an den Vorstand nicht nur auf die Einführung einer Repräsentation und zeitgemäße Statuten, sondern man bemühte sich auch, denselben durch triftige Gründe gegen die projectirte Wahl eines Nabbinatsasseffors zu stimmen. (Schluß folgt.) Dresden. (Schluß.) 2ch komme nun an die Capacitäten der hiesigen Gemeinde und stelle da, wie billig oben an den Mann, dessen Namen in neuerer Zeit so oft genannt worden, der so viel in öffentlichen Blättern fizurirte, von dem man sprach, wie von Einem der dazu erkoren, an der Spitze der ganzen Judenheit zu stehen, den Oberrabbinenvr. Frankel. Aber auch hier bestätigt sich das bekannte Wort jenes großen Dichters: Die Wahrheit ist nicht bei der Mehrheit. Man würde nämlich sehr irren, wollte man daraus, daß das Wahlcollegium in Berlin den vr. Frankel zum Oberrabbinen erkieste, schließen, daß derselbe all' die Eigenschaften besitze, um an die Spitze einer so ansehnlichen Gemeinde, oder vielmehr der israelitischen Angelegenheiten von ganz Preußen gestellt zu werden. F. ist rin ganz gelehrter Mann, der in vielen Dingen recht verständig urtheilt, sich für manches erwärmen und begeistern kann, und wenn er sich Zeit dazu nimmt, auch einen guten Brief, eine Adresse oder auch eine größere Schrift zu schreiben vermag. Sein Werk über die Septuaginta gibt ihm sogar Ansprüche auf einen gewissen schriftstellerischen Ruhm, aber eine eminente Größe des Geistes, eine Gluth der Begeisterung, eine Macht der Beredsamkeit, überhaupt das, was ihm wirklich das Recht eines großen Mannes, eines leuchtenden Gestirnes am Horizonte unserer Glaubcnsgemeinde verliehe, besitzt er nicht. Vielmehr darf man getrost behaupten, daß die auf ihn gefallene Wahl in Berlin seinem innern Menschen nur geschadet hat. Sonst lebte er still und friedlich seiner Wissenschaft, wirkte in seiner Gemeinde, so viel erkennte (das eigentlich gemüthliche, seelsorgerliche Element hat er nie in großem Umfange gehabt) und überschritt die Grenze nicht, die ihm der Grad der Kräfte, womit ihn Gott begabt, von selbst steckte; aber seit jenem Ereigniß, zumal man seitdem, hievon verführt, in Fragen und Angelegenheiten der Religion sich von manchen Orten her an ihn wendete, ist er leider von einer Hebe» schätzung seiner Selbst nicht frei geblieben, glaubt er sich wirklich berufen, der Vertreter der deutschen Judenheit zu sein, und hat dieses auch durch so manchen Schritt an den Tag gelegt. Ich erinnere Sie nur an jene süffisante Weise, mit welcher er gegen den ihm an talmudischer Gelehrsamkeit gewiß nicht nachstehenden Rabbinen Hofmann wegen des Schreibens am Sabbat auftrat, an den Brief an den Minister Eichhorn, an die Adresse an die Rheinischen Stände, welche beide allerdings geeignet waren, bei einem großen Theile des Publikums die Verehrung für den Verfasser zu erhöhen; wer aber tiefer in die Sache blickte, wer sie mit einem schärferen sittlichen Gefühle ansah, dem konnte eS nicht entgehen, daß so gut, ja so begeisternd schön auch jene Briefe geschrieben waren, sie doch eigentlich einer Regung des Innern, einer Verfassung des Gemüthes entkeimten, über die der edle Mensch nur zu klagen Ursache hat. — Eine andere Capacität hier ist der Literat Schwarzhauer. Sie werden ihn aus seiner Polemik gegen Geiger kennen; er vertritt da, oder vielmehr er vertritt die Ehre der Talmudisten, indem er beweisen will, daß es diesen frommen Lehrern mit ihren Auslegungen der Schrift nicht Ernst gewesen. Etwas Düsteres, Unheimliches, Finsterhaftes leuchtet aus füllen seinen Aufsätzen hervor, und so ist auch seine äußere Erscheinung, der ganze Ausdruck seines dunkelgefärbten, mehr dem heißen Süden, als dem freundlich-milden Norden angehörenden Gesichtes; er ähnlich^ auch hierin der löblichen Dresdner Gemeinde, welcher der Geist der ehemaligen Talmudschulen noch immer in den Gliedern steckt und die sich von demselben selbst in äußerer Haltung, Sprache und Gebärde noch nicht hat frei machen können. *) Hingegen bildet einen sehr bedeutenden Uebergang zur europäischen Weltanschauung und germanisch-edler Sitte der vr. Behr hier, Vorsteher der Gemeinde. Wenn auch nicht eine hohe Stufe geistiger Potenz einnehmend, ja hie und da noch nicht selbst in seinen eignen Ideen ganz klar, so har er doch einen regen Sinn für alle edlere Bestrebungen, macht sich bekannt mit allen wichtigen literarischen Erscheinungen der Zeit und hat sich vor Allem eine Krone des Verdienstes dadurch erworben, daß er für die bürgerliche und sittliche Wolfahrt seiner Gemeinde sich schon sehr thälig erwiesen. — Doch des Besten gedenke ich zuletzt! ES ist die Gattin dieses vr. Behr, die lieblichste Erschein *) So erzählte mir ein Fremder, der einen der gebildete« und gelehrten hiesigen Israeliten besuchte, er sei recht freundlich von der bessern Haltung und dem scheinbar freier« Benehmen desselben, angesprochen worden, um so größer aber wäre seine Uebcrraschung gewesen, als jener im Verlaufe des Gesprächs immer unruhiger ward, und endlich so laut schrie, daß ihm. der von einer Badekur noch nervös angegriffen war, ganz unangenehm zu Muthe ward. Er konnte sich diesen Wechsel in dem Benehmen seines Gastherrn gar nicht emräthseln, bis er endlich hörte, derselbe habe in Prag seine talmudischen Studien gemacht. In Prag gewesen und noch dazu dort Talmud studirt, nun war ihm Alles klar.

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