Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1844)
- Date
- 1844-01-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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» literarischen Mittheilungen mit der Besprechung einer Schrift eröffne, die hier viel Aufsehen macht. Ihr Titel ist: -Jehova, nicht Moloch, war der Gott der alten Hebräer," Entgegnung auf Ghillanys Werk: „die Menschenopfer der alten Hebräer«. Von M. Löwengard, Rabbine. (Berlin 1843. Herrmann Schnitze). Dieses ganze Werkchen enthält 43 Seiten. Ghillanys Buch, dem cntgegnet werden soll, über 700, man sollte meinen, da müßten die Gedanken, auf so engem Terrain, Mann an Mann stehen, und in Colonnen die lang gedehnte Ghillanysche Schlachtlinien durchbrechen. Allein unser Verfasser bivouaquirt so sorglos auf dem Schlachtfelde, wie weiland die Franzosen bei Roßbach. Der linke Flügel der Löwengard'schen Truppen entwickelt sich auf S. 1 — 24 und lehnt sich auf Hegel und Schelling. Mit den schönsten Gedankenblitzen^ausgerüstet trifft er mit keinem einzigen Ghillany'n, noch sind sie überhaupt gegen ihn gerichtet. Ja, er scheint mit den feindlichen Truppen zu fraternisiren, und verpufft seine Munition aus der Wahlstadt in allerdings unterhaltenden, Feuerwerken. Das Centrum postirt von S. 25 — 38, läßt die ersten Jehovas-Truppen stehen. Allein auch hier begegnet man keiner imponirenden gedrängten Masse, sondern nur vereinzelten Parthieen, schlendernden Tirailleurs, die nach einem gethanen Schüsse das Gewehr wieder unter den Arm nehmen und wo es auch donnert im brausenden Schlachtgewühl, da wird die Kraft an strategisch unwichtigen Punkten verschwendet. Der linke Flügel endlich nimmt den Raum von S. 39 — 43 ein, und scheint ans dem Personale der Feldapotheke und aus den Feldpredigern zu bestehen, denn er vergißt am Bette eines sterbenden Freundes, Jehovas und Molochs, Freund und Feind. So sind es im Ganzen 13 Seiten, (inclusive der willkürlichen Abstecher, die sich der Verfasser auch hier erlaubt) die mit dem Namen des Buches in enger Beziehung stehen. Alle übrigen Blätter dürfte man ausschneiden und sie in jedes beliebige Werk im Gebiete der Philosophie und der Religion hinein kleben, sie würden da eher ihren Platz finden, als in diesem. Denn diese Zusätze — der Quantität und Qualität nach der überwiegenste Th eil des Merkchens — können wol mit Ghillanys Buch in indirecte Brziehung gebracht werden, allein nur begründend, von einer Opposition aber ist auch nicht die Spur zu finden. Wir alle, und namentlich wir Juden, wissen, die Behauptung Ghillanys ist Unsinn, an den der Verfasser entweder aus Unsinn selbst glaubt, oder den er aus Fanatismus, und gestützt auf den bekannten jesuitischen Moralspruch, zu verbreiten sucht, ohne daran zu glauben. Tie Motivirung aber geschieht von unseres Gegners Seite mit wissenschaftlichem Rüstzeug, mit wissenschaftlicher Ausführlichkeit. Also nicht mit der Darlegung der Falschheit der Behauptung hats der Kritiker hier zu thun, sondern mit der Falschheit der Motivirung. Nicht daß, sondern wie Ghillany Unrecht hat, ist seine Aufgabe. Der Leser kann sich denken, ohne sich vom Augenschein überzeugen zu brauchen, daß so etwas auf dem angegebenen Raum nicht möglich ist. Wenn im Mittelalter ein zweifelhaftes Recht durch einen Zweikampf entschieden werden sollte, so versahen beide Parteien sich mit gleichen Waffen. Tie Unschuld wird siegen, so erwartete man, aber sie muß nichtsdestoweniger die Lanze wiegen, das Schwert prüfen und den Streitkolben schwingen, muß gewachsen sein im Kampfe der Kunst des Feindes, muß pariren die Hiebe und spähen die Blößen, sonst wird auch die Unschuld zu Schanden. Wir hielten cs von vornherein für unnöthig, einen solchen hingeworsenen Handschuh aufzuheben. Lasse sich Ghillany die Finger abschreiben, er wird keinem Vernünftigen so was in den Kopf setzen. Wird er aber aufgehoben, der leichenrüchige Handschuh, und das unbestrittene Recht soll in Frage gestellt und wieder mit Eclat erkämpft werden, so fordert eS unser Interesse und unsere Ehre, daß unser Ritter nicht sans fa^on auf dem Kampfplatze herumspaziere, er kämpfe mit Kraft, Fleiß und Kunst. Hat er durch seine Herolde, das vorher unbefangen an unser Recht glaubte, vor die Schranken und aus die Tribünen geladen, Zeuge zu sein eines Kampfes um dieses Recht, so gilt es nicht mehr auf das gute Recht, sondern aus die Richtung Ghillanys zu pochen, und zu kämpfen mit wissenschaftlichen Waffen, sonst schadet er der guten Sache mehr als er ihr nützt. Tie Unschuld schweigt und wenn sie spricht, so spricht sie siießend; die Schuld stottert. ES thut mir leid, daß ich über diese Brochüre, die von so herrlichen Geistesblitzen durchzuckt wird, ein so hartes Urtheil habe fällen müssen. Allein eS kann doch ein Buch nur von dem gegebene» Standpunkte aus beurtheilt werden. Dieser von dem Verfasser selbst zu gebende Standpunkt ist der Titel eines Buches. Die stärksten und wesentlichsten Partheien dieses Buchs also mußten Jehova und Moloch sein; alle Gedanken und Gliederungen desselben mußten den Horizont dieses Mittelpunkts bilden. Verliert aber ein Titel seine Bedeutung fürs Ganze, hat er nur Geltung für Einzelnes, so gleicht es einem in Unordnung gerathenen KaleidoScop, man sieht nur noch bunte Gedankenschnitzel und glänzenoe Sreincheu, aber keine Harmonie, kein wolgesälligcs Bild. Geben wir nun auch dieses Werkchen in dieser Beziehung ganz aus, so finden wir aber doch, daß cs auch als ein Mosaikstück den Blick deö Beschauers fesselt und daß dieses der offen:-