Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1843)
- Date
- 1843-12-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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S1» Thalbewohner die Züchtung des Hausthiers und die Schonung des Wildes an; aber der Insasse der Berge und Wälder muß auch an Ort und Stelle seine Nahrung finden und greift ganz naturgemäß zum Jagdgeschoß. Und warum sollten wir nicht auch von dieser «Speise genießen, wenn unser Nebenmensch sie erbeutete? — Schlüsse durch Analogie brachten auch rabbinische Subtilitaten in Beziehung auf den Genuß vom geflügelten Wilde zuwege, und sind diese Bestimmungen bis auf das Schonungsgesetz für Sangvögel für unsere Zeit als wichtig zu erklären. Wir haben im Kurzen diesen diätetischen Kanon unseres Priesterlichen Urstaates vom naturwissenschaftlichen ärztlichen Standpunkt erläutert, und glauben, eben so sehr auf die hohe Weisheit des einen Theils, als auf die ephemere Wandelbarkeit des nicht mehr Anerkennungswürdigen des anderen aufmerksam gemacht zu haben. Geschichte des Tages. Die scandalvsen Austritte, die von den Tictinianern gegen Geiger bei einer Beerdigung auf dem Gottesacker zu Breslau hervorgerufen worden, und deren in einer frühern Nummer dieses Blattes Erwähnung geschehen, hatte zu einer polizeilchen Untersuchung Veranlassung gegeben. Ueber den unheiligen Zorn auf dem geheiligten Boden ward die verdiente Strafe au-sgespro. chen. Die Betreffenden wandten sich aber an die hohem Gerichte und stellten die Behauptung auf, die sie mit Gutachten einiger Nabbinrn belegten, daß die Begräbnißorte den Israeliten nicht heilig seien, vielmehr als unreine Orte gelten *). Darauf fyiu wurden sie zwar von dem Gerichte frei gesprochen, dafür werden sie aber vom Publikum desto härter vrrurthcilt. Das unsittliche und ungesittete Benehmen auf dem Gottesacker brandmarkt sie nicht so sehr, wie dieses Motiv ihrer Freisprechung. Diese Jnsustation der israelitischen Religions-Anschauung und herrschender Sitte, glaubte das Breslauer Obervorsteher-Collegium nicht aus sich beruhen lassen zu dürfen, und forderte deßhalb die Nabbinen Frankel und Holdheim auf, ihr Gutachten darüber auszusprechen. Die von dieser achtungSwerthen Seite hierauf eingegangenen wissenschaftlichen, und sehr gründlich motivirten Gutachten, fielen natürlich ganz anders aus. Wenn es aber auch irgend eine geheiligte Oertlichkeit gibt, eine Oertlichkeit, wo der Mensch dem Irdischen sich ab- und dem Himmlischen sich zuwendet, eine Ocrtlichkeit, woselbst das Gefühl der GotteSnähe ihn mit heiligem Schauer erfüllt und alle Fibern durchzuckt, eine Oertlichkeit auf der der Schlechte erzittert, und das fromme Gemüth sich erhoben fühlt, in der heiligen Ahnung der Ewigkeit, so ist es gewiß der *) Wenn diesen Herren das as wir in der Regel mit "Unrein" übersetzen, da wir im Deutschen keinen passendern Ausdruck haben, auch in diesem Sinne auffassen, wie erklären sie sich das [v-pn px j’nsed CHSC? Ruheort unserer Tobten. Und wenn irgend eine ReligionSgmossenschaft dieses auf das innigste gefühlt, und demgemäß Vorschriften gegeben, so ist es die israelitische, die noch in dem Tobten die Menschenwürde geehrt sehen wollte. Wir erinnern nur an das 2*-^ das niSfO DE und die rituellen Bestimmungen, die damit Zusammenhängen. Es ist traurig, wenn die höhern Behörden von unserer Religion eine so niedere Meinung haben, daß sie über daS, was uns heilig und nicht heilig, und namentlich in dieser Angelegenheit, in welcher doch alle Religionen gesitteter Nationen übereinstimmen, in Zweifel leben zu scheinen. Unsere ganze Verachtung aber treffe diejenigen aus unserer Mitte, die aus Bosheit und in stupider Einfalt die eigene Murter brandmarken und in Verruf zu bringen suchen, die Freunde derselben irre machen, und den Feinden das Schwert in die Hände (Warschau im October. Verspätet). Ter Pole klagt um einen Patrioten, der Menschenfreund weint um einen Edlen, und der Israelit trauert um einen frommen, theuern Genossen, denn Jacob Epstein ist nicht mehr. Mit ihm ist der Stolz und die Freude unsrer Gemeinde dahin. Ach, es werden vielleicht Jahre vergehen, bis ein solcher Charakter sich wieder heran bildet, bis ein Anderer einen solchen Standpunkt in der bürgerlichen Welt sich erringt, wie der Selige ihn eingenommen, und so segensreich und ansopfernd für daS Wohl des Einzelnen wie für das ganze Gemeinwesen seine Talente und Kräfte geltend macht, wie eS bei jenem Entschlafenen der Fall war. Nach menschlicher Redeweise, ist er Alles aus sich selbst geworden. Er kam als armer Knabe nach Warschau, hatte dort zu ringen und zu kämpfen, bis ihm ein bescheidenes Theil ward an den Gütern der Erde. Er machte sich nun bald durch seinen scharfen Verstand, und seine rechtlichen Gesinnungen bemerkbar, und wurde dafür von den Großen unserer Stadt mit der Ausführung der wichtigsten Aufträge beehrt und zugleich belohnt. Tenn mit der Anerkennung seiner Geistes- und Gemüthesgaben wuchs auch sein Vermögen und die Ausdehnung seiner Geschäflsthätigkeit. Dabei verlor sein Blick nicht die Richtung nach den Glaubensgenossen; indirekt durch sein Beispiel, da er sich ganz der Civilisatron des Jahrhunderts anschloß und direkt in seinem Amte als Gemeindevorsteher, wozu ihn das Vertraueu der Gemeinde berufen. Jede segensreiche Spur seiner Wirksamkeit anzugeben, wäre überhaupt und hier am wenigsten möglich. Eins nur werde angeführt — seine Verdienste um das israelitische Hospital. Seine Freigebigkeit, seine bessere Einsicht und Beharrlichkeit, sein Einfluß auf die wolhabenden und reichen Edlen seiner vaterstädtischen Religionsgenossen, erheben diese sonst so schmutzige und unordentlich verwaltete Anstalt, zu einem Muster-Institut seiner Art, so daß sich dasselbe mit den ersten derartigen Instituten Europas messen kann. Hatte ihm nun der Kaiser Alexander in Anerkennung seines WertheS schon früher die Privilegien deS Bürgerrechts, für den Juden in Polen so schwer zu erlangen, verliehe», so wurde er, nachdem unser jetzt regierender Kaiser erwähntes Institut mit seinem Besuche beehrt, zum Ehrenbürger ernannt. Leicht mag man sich unsre Bestürzung denken, da sich vir