Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1843)
- Date
- 1843-12-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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214 Kunde verbreitete, der Edle sei zu Warmbrunn, was er zur Herstellung seiner Gesundheit gebrauchte, verblichen. Als seine Gebeine, die seine Hinterlassenen nicht in ftemder Erde wollten ruhen lassen, der Stadt nahe kamen, strömte ihnen Alles entgegen, und die vorzüglich von Israeliten bewohnten Straßen standen menschenleer. Auch seine christlichen Mitbürger, die ihn namentlich in seiner Eigenschaft, als Mitglied des OberaufsichtSraths der Wolthätigkeitsanstalten schätzen zu lernen Gelegenheit hatten, ehrten ihn, indem sie sich dem Trauerzuge anschlossen. Es wurden ihm auf dem Gottesacker von einem alten Rabbinen in ei- «ern “JEDn und von Dr. Goldschmidt, Prediger an der deutschen Synagoge dahier, in einer ergreifenden Grabrede die Achtung vor seinen großen Verdiensten bezeugt, die gewiß als der herzlichste Ausdruck der ganzen zahlreichen Versammlung gelten kann. Gott hat ihn uns gegeben, Gott hat ihn uns genommen, doch seine Verdienste und sein Beispiel hat er uns gelassen. Des Ewigen Name sei gelobt! An die israelitischen Reformfreunde in Franksurt am Main. (Bon einer christlichen Dame.) Glück auf zu Isracl's neuem LebcnSmorgen! Glück auf der Leuchte — die aus ödem Schacht Die ew'gen Pfeiler, seines Tempels Stützen — Erlösen will aus ihrer langen Nacht! Allmächtig schallts, gleich Himmelsruf hernieder, Das Wort, das einzeln nur noch leis erklang; Ein Geisterchor erhebt die Hoffnung wieder, Des freien Strebens ew'gen Himmelsdrang. Zum Bunde will es frei und liebend schlingen, Was still und laut in tausend Herzen lebt, Vereinet dann die Geistesfackel schwingen, 3m Kampfe, der daS höchste Gut erstrebt. — Nicht sei der Keim, der uns einst frei geboren, Zur Mumie im Zeitenlauf verdammt, Der höhern Auferstehung nicht verloren, Was einst so schön dem Gotteshauch entstammt. ES athme Freiheit, ewig neues Leben Der Gottgedanke, reicher stets enthüllt, Belebe stets zu würdigem Gestalten Was Göttliches dem Zeitenstrom entquillt. — Horch! ruft uns nicht in Gottes Lebenshallen Das Wesenall in tausendfachem Chor Ein Weiter! Weiter!? — höheres Entfalten? Strebts nicht zum Licht im ew'gen Zug empor? Im Stillstand Tod — im Weiter nur das Leben, Das neue Leben bricht die neue Bahn; Die Zeiten rollen, und in weitern Kreisen Ringt weiter stets das Leben sich hinan. Wollt Ihr den Geist allein zum Tod verdammen, Das Gotteswort im engen Grabesschrein? Im modrigen Gewände dann umarmen Die abgelebte Hülle nur allein? Wähnt Ihr, es werde dann den starren Blicken Die ewig auf die eine Stelle schau'n, Der höhere Messias dann erscheinen, Ein ird'sches Reich im Heimathland erbau'n? — Nein — der Messias, den ein Gott verkündet, Wird nur geboren aus des Geistes Licht, 3m Gottgedanken — der da jetzt allmächtig Die Felsenriegel seiner Freiheit bricht! Schon grüßt mit seiner Liebe erstem Glühen Ihn hoffnungsvoll des neuen Lebens Laut, ES wecken ihn in seel'gen Harmonien Die Geister Alle, die sein Reich gebaut. Laut strömt hervor in mächtigen Akkorden Der Tone kaum noch leis verlorenes Chor, Der Geist des Göttlichen ist frei geworden. Steigt aus dem Grab — ein Genius empor! Führt nun sein Volk zum Göttlichen, zum Wahren. Dies nur allein, das rechte Heimathland, Schlingt um des Lebens noch so ferne Räume Der Völker all ein festes Licbesband! Dies der Messias, der da will befreien Sein Volk von langer Geistesknechtschast Schmach, Zu einer heiligen Gemeinde weihen Was zu dem heil'gen Gottesreiche wach! 3hr spracht es aus - mög's Tausenden erschallen Als Gottesruf zu einem Lebensbund Und schön sich heben Eures Tempels Hallen Licht, frei und groß auf diesem festen Grund! Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.