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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-12-24 · Heft 52 (24.12.1843) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 52 (24.12.1843)
Date
1843-12-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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20$ klärung (die ihn nichts angeht) abzufordern? Ich glaube nicht, daß Mendelsobn noch in diesem Falle behaupten würde, daß dieser Jude dennoch in seinem Gewissen verpflichtet sei, die Gesetze seiner väterlichen Religion zu befolgen^ Mendelsohn, der, wie weit es bekannt ,st, den Gesetzen seiner Religion nachgelebt hat, hielt sich vermuthlich noch immer für ein Mitglied seiner Väter theatralischen Staats und handelte also in diesem Betracht pflichtmäßig; wer aber von diesem Staate abgeht, handelt eben so wenig pflichtwidrig. Dahingegen erkläre ich die Handlungsweise derjenigen Juden für unrechtmäßig, die sich aus Familienanhänglichkeit und Interesse zur jüdischen Religion bekennen und dennoch ihre Gesetze (wo sie ihrer Meinung nach jenen Bewegungsgründen nicht im Wege stehn) übertreten. Ich begreife also nicht, wie Mendelsobn dem Hamburger Juden, der öffentlich die Religivnsgesrtze übertrat, und deswegen vom Obcrrabbinen in den Bann gethan wurde, von demselben aus dem Grunde befreien will, weil die Kirche in bürgerlichen Sachen kein Recht habe und dennoch die immerwährende Dauer des jüdisch-kirchlichen Staats behaupten kann? Was ist ein Staat ohne Rechte? und worin bestehn diesem zufolge die Rechte des kirchlichen Staats? „Wie kann, sagt Mendelssohn (in der Vorrede zum Menaffeh Ben Israel, Seite 48), der Staat zulassen, daß irgend einer seiner nützlichen und geachteten Bürger durch die Gesetze unglücklich werde?" Nicht doch! werde ich hierauf antworten, der gedachte Hamburger Jude wird durch die Macht des Bannstrahls nicht unglücklich, er brauchte nur nichts zu reden oder zu thun, was diesen gesetzmäßig nach sich zieht, so würde er davon befreiet geblieben sein; der Bann bedeutet nur soviel: so lange du dich öffentlich den Gesetzen unserer Gemeinde widersetzest, bist du aus ihr ausgeschlossen, du mußt also eine Berechnung machen, ob diese öffentliche Wiedersetzlichkeit oder die andern Vortheile dieser Gemeinde deine Glückseligkeit am meisten befördern kann? Einem Mendelsohn wird dieses gewiß nicht entgangen sein, und ich überlasse es andern zu bestimmen, ob und wie weit man zum Wole der Menschheit inconsequent sein darf? — Mendelsohn ist auch manches Unrecht von sonst schätzbaren Männern zugefügt worden, von denen man es am wenigsten hatte erwarten sollen. Lavaters Zudringlichkeit ist bekannt genug, und von allen woldenkenden und rechtschaffen-gesinnten Männern gemißbilligt worden. Der tiefdenkende Jakobi suchte aus Neigung zum Spinozismus (welches ihm wahrhaftig kein Selbstdenker verargen kann) Mendelsohn (wie auch seinen Freund Lessing) malgre lui zum Spinozisten zu machen, und macht« eine sich darauf beziehende Korrespondenz öffentlich bekannt, die gar nicht dazu bestimmt war, im Drucke zu erscheinen und dem Publikum zur Schau gestellt zu «erde». Wozu sollte dieses? Ist der Spinozismus wahr, so ist er eS auch ohne Mendelsohns Beistimmung. Bei ewigen Wahrheiten kommt es auf Mehrheit der Stimmen nicht an. Besonders da, wie ich dafür halte, diese Wahrheit von der Art ist, daß sie allen Ausdruck hinter sich läßt. — Mendelsohn mußte freilich eine solche Ungerechtigkeit vielen Verdruß machen. Ja ein berühmter Mediziner behauptete sogar, daß Mendelsohn darüber gestorben sei, dem ich doch, ohne Mediziner zu sein, dreist widersprechen darf. Mendelsohn hat sich sowol gegen Jakobi, als gegen Lavater als ein Held benommen. Nein! nein! dieser Held ist am fünften Akt gestorben. Der scharfsinnige H. Pr'. Jakob in Halle gab nach Mendelssohns Lode ein Buch unter dem Titel heraus: Prüfung der Mendelsohnschen Morgenstunden, worin er zeigt, daß nach der Kritik der reinen Vernunft, alle metaphysischen Behauptungen als ungegründet verworfen werden müssen. Aber warum geht dieses Mendelsobn mehr, als irgend einen andern Metaphysiker an? Mendelsobn that nicht mehr, als daß er die Leibnkz-Wolsische Philosophie vollständiger machte, auf manche wichtige Gegenstände der menschlichen Untersuchung anwandle, und ihr ein anmuthiges Kleid gab. Es ist ebenso, als wenn jemand wider Maimonides, der eine vortreffliche astronomische Abhandlung geschrieben, worin er diese Wissenschaft mit Pracisi'on, nach ptolomaischen Principien vorträgt und auf die wichtigsten Gegenstände anwendbar macht, ein Buch unter dem Titel: Prüfung Maimonides Hilchoth Kidosch Hachodesch schreiben und ihn nach newtonianifchen Principien widerlegen wollte. Aber genug hievon! Geschichte des Tages. (Freundliches.) Ein Beamter in Lieben, unweit Prag, nimmt sich seiner ihm untergebenen israelitischen Gemeinde daselbst aufs humanste an. Auf seinen Betrieb sollen die baufällige Synagoge und das Schulhaus, mit einem Kostenaufwand von 15,000 Fl. C.-M. neu aufgebaut werden. Zn diesem Zwecke schenkte er der Gemeinde 100 Fl. C.-M. nebst einem beträchtlichen Grundstücke. Er verwendete sich selbst bei Menschenfreunden der verschiedenen Confessionen und der verschiedensten Stände, wo irgend nur für die Förderung seines edlen Zweckes waö zu hoffen ist. So sind unter Anderm auf seine Verwendung eingegangen: von Hrn. v. Rothschild 250 Fl., von einem Prager israelitischen Hause 500 Fl. C.-M. Schuldforderungen, deren Beitreibung schwierig und zweifelhaft ist, übergeben die Leute dem Beamten, dieselben für den angegebenen heiligen Zweck zu verwenden und derselbe scheut dann ckeine Mühe und Arbeit, die Gelder einzr»- ziehen. Ein so edles Vorbild hat auch auf den-gemeinen Mann, sonst die vorzügliche Wohnung des Vorurtheils, seine Wirkung geäußert. Ein Bauer lieferte nämlich 30 Klafter Steine unent-

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