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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-12-24 · Heft 52 (24.12.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 52 (24.12.1843)
Date
1843-12-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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209 -Mich. Diese Steine sind köstlicher als Edelsteine, und die entsprechendste Zierde für ein der Religion geweihtes Haus. In Wittelshofen in Schwaben, waltet ein gleich menschenfreundlicher Beamter. Der könkgl. Landrichter dortselbst nahm sich dedortigen Synagogenbanes aufs kräftigste an, wandte sich selbst an Hrn. v. Rothschild, welcher unermüdliche Geber hierauf 300 Fl. rinsandte, und erwarb sich überhaupt durch den unermüdlichsten Eifer die größten Verdienste um den nun vollendet da stehenden schönen Bau. In einem mährischen Orte war eine Feuersbrunst ausgebrochen, die die armen Bewohner in Armuth und Elend brachte. Rabbine Fasset zu Prosnitz forderte in einer Predigt seine Gemeinde zur menschenfreundlichen Hülfe aus und es gingen hierauf bedeutende Gaben ein. Nach einiger Zeit erschien der Pfarrer jenes unglücklichen Ortes, ein sehr gelehrter, würdiger Mann, in der Synagoge zu Prosnitz, da die Gemeinde eben zum Gottesdienste versammelt war, und redete dieselbe an: Er spreche nicht als christlicher Geistlicher zu ihnen, noch weniger in der Absicht Proselytcn zu machen, er komme wie ein Bruder zu Brüdern, um ihnen den Dank seines Herzens abzustatten für die menschenfreundliche Hülse. Mit dem wärmsten Gefühle sprach er sich über Hrn. v. Rothschild in Wien auS, der ihm 200 Fl. C.-M. mit den Worten eingchändigt hatte: „Wozu entschuldigen, geistlicher Herr! ich verbleibe Ihnen verpflichtet, daß Sie mir Gelegenheit verschaffen, eine gute That auSzuüben. Die Schätze, die der Allgütige mir gegeben, haben nur insofern Werth für mich, um durch sie mir Schätze in dem Himmel zu erkaufen.- — Rabbine Fasse! antwortete darauf mit Worten, die nicht weniger aus dem Herzen flössen. Dieser Austritt, der nicht in der Liturgie vorgeschrieben war, war nichts destoweniger ein sehr erbaulicher Moment für die Gemeinde. Zu Sondershausen wohnten am ersten Tage des LaubhüttenfcsteS die sämmtlichen Ständemitglieder, die höchsten Staatsbehörden des Fürstenthums dem Gottesdienst bei und hörten die Predigt mit WolgcfaÜen an. Wir wollen wünschen, daß die dortigen Israeliten den Verhandlungen der Ständekammer in Betreff ihrer gleichfalls mit Wolg efallen mit anhören. Die Israeliten haben nämlich bei derselben eine Petition um Verbesserung ihrer Zustände eingereicht. Bei der in Hamburg bestehenden scandinavischen Gesellschaft befinden sich unter den 8 Direktoren 2 Israeliten. Das ist ein gutes Omen für die Union, oder zu deutsch für die Einigkeit. Der gute Geist des Jahrhunderts rührt sich auch in Schleswig-Holstein. Er wendete sich auch gleich der Stelle zu, wo ein guter Geist am nothwendigften ist — dem israelitischen Schulwesen. Die ungefähr 100 Kinder zählende Schule zu Zriedrichsstadt mit 3 Lehrern, die in rühmlicher Weise schon einige Jahre wirkt, und im vorigen Jahre mit einem Besuche des Königs beehrt worden, erfreute sich zuerst der Aufmerksamkeit der Regierung. Es erschien für dieselbe ein sehr ausführliches Regulativ mit sehr zweckmäßigen Bestimmungen. Die Schule steht unter der Oberaufsicht der Regierung, unter Aufsicht des Oberrabbinen zu Altona, eines Schulcollegiums und eines Inspektors, eine Einrichtung, welche zur besten Hoffnung für da- Gedeihe» der Anstalt berechtigt. (Unfreundliches.) Mit der Uebersiedelung der polnische» Israeliten an der Grenze in die innern Gouvernements wird'S bitterer Ernst. Gräßlich ist der Schrei der Verzweiflung, der von jenen Unglücksstätten herübergellt. Ansehnliche Städte, die zum großen Theil eine überwiegende Mehrheit von israelitische» Einwohnern haben, sind zum Ausbruch ausgefordert, sie sollen sich erklären, wohin sie gebracht sein wollen? Das ist eine schwere Frage! Gott behüte alle Genossen der bürgerlichen Gesellschaft vor einer solchen! Die Tage Louvois, in welchen man durch Verheerung der Grenzen den vermeintlichen Vortheil deS Vaterlandes vermeintlich schützte, kehren wieder. Nur daß die Frar^ zoscn dazu deS Feindes Lande wählten und die russische Maßregel in den eigenen Eingewciden wühlt. Den deutschen Gemeinden, die für ihre Glaubensbrüder bei dem russischen Kaiser baten, ist eine, nicht eben sehr freundliche Antwort geworden. Viele der von der harten Maßregel Getroffenen wollen sich nach Asien wenden, um dort vor der europäischen Civilisation, nach russischem Zuschnitte Schutz zu suchen. Dessen können sie sich dort allerdings versichert halten, daß der Mensch nicht der Fabrik geopfert werde. (Komisches.) Die Berliner Zeitung berichtet aus Rußland: In einigen westlichen Gouvernements, vornemlich in Volhynien, obliegen die Juden dem Verfertigen von heiligen Kreuzen, und treiben mit ihnen, mit Gebetbüchern (christlichen) und andern religiösen Gegenständen einen förmlichen Handel. Die örtlichen Gouvernements - Chefs, davon Kunde nehmend, habe» sogleich allen ihnen untergeordneten Behörden die strenge Vorschrift erlassen, dem unerlaubten Verfertigen und Verkauf erwähnter Gegenstände, die allein der Geistlichkeit zustehen, ein Ziel zu setzen, widrigenfalls sie strenger Verantwortlichkeit anheim fallen würden. Lehren.läßt sich von einigen Frankfurter Kaufleuten und Bankiers ein EhrlichkeitSzeugniß ausstellen und sich über die schöne Bilanz in seinen Büchern viel Artigkeiten von jenen bekannten frommen Männern in öffentlichen Blättern sagen. Aber wer in aller Welt zweifelt an der Ehrlichkeit Lehrens? An der Harmonie seiner Bücher? Nur an der Fähigkeit, ein so wichtigeS Gcschäst, das Humanität, Bürgerglückseligkeit und Harmonie deS Glaubens mit dem Leben vorbereite und verbreite, statt den Betteisack zu verewigen und einen beschaulichen Müßiggang zu hege» und zu pflegen, daran haben wir gezweifelt, und unser Zweifel ist durch daS, was wir erfahren, eher vorwärts als rückwärts geschritten. Ein Zeugniß letztrer Art kann aber nicht von Männern, die weiter nichts für sich haben, als Vermögen, gute» Willen und religiöse Gesinnung, ausgestellt werden, das fordert vielmehr vorurtheilSsreie klare Köpfe, die auf den Höhen der Civilisation stehn, und denen eine tiefe Einsicht in die Bedürfnisse deS socialen Lebens zuzutrauen ist. vr. G. Salomon zu Hamburg gab schon einen Beweis^ daß er nicht auf seinen Lorbeeren zu schlafen gedenke. Am 13.

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