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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-12-10 · Heft 50 (10.12.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 50 (10.12.1843)
Date
1843-12-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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201 Geschichte des Tages. Die Jubelfeier des Hamburger Tempels und deS Predigers an demselben vr. G. Salomon. (Schluß von Nr. 48.) Am Vorabende dcS 18. Oct. füllten sich die Räume, des prächtig ausgrschmücktrn und erleuchteten Tempels, sowol von der Tempelgcmeinde als von zahlreichen andern Verehrern des Instituts. Nach beendigtem Abendgottesdienst bestieg vr. Frankfurter die Kanzel und sprach über die Bedeutung des Tags, mit tiefer Wirkung auf sämmtliche Zuhörer. Nach beendigter Predigt ward eine Cantate, gedichtet von Haarbleicher, und componirt von Cvbelli, einem jungen, talentvollen, israelitischen Künstler, im strengsten Kirchenstpl gehalten, mit großer Präcission gesungen. Am Morgen deS 18. Oct. hielt der Jubilar die Festrede mit gewohnter Kraft, Tiefe und Begeisterung. — Im Laufe der stattgefundenen Festlichkeiten, erhielt vr. Salomon von der Tempelgemeinde ein kostbares, und höchst kunstreich, von einem jüdischen Künstler gearbeitetes Kunstwerk von Silber, mit der Bedeutung der Gabe und angemessenen Ornamenten und Inschriften. Don einem Vereine von Damen, ehemalige Schülerinnen Salomons, ward ihm ein überaus prächtiges Album, an welchem die Einzeichnungen vieler Personen von europäischem Rufe, das mit seltener Pracht auSgestattete Aeußere vergessen macht, überreicht. Die Anerkennung, die das Verdienst Salomons von den ausgezeichnetsten Männern des Vaterlandes und des Auslandes, jüdischer und elristlicher Confession, durch Zusendung von Adressen und Gedenkdlättcrn erhielt, ist noch keinem jüdischen Prediger in gleichem Grade zu Theil geworden. Freudig überraschen muß die Zuschrift des Professors Paulus aus Heidelberg an den Jubilar, namentlich wem die literarische Fehde zwischen Beiden nicht unbekannt ist. Möchten noch recht viele Gemeinden die Feier des 18. Oct. in gleicher Weihe verewigen! Möchte das heilige Streben aller frommen Männer von so gesegneten Folgen sein, und die Frucht der Anerkennung und das Bewußtsein des erfolgreichen Lebeus, noch in der Kraft der Jahre, im Zenith des Lebens, ihnen in dem Maße wie hier zu Theil werden! Die bei den polnischen Israeliten so unbeliebte Conscription hat doch so manches Hinterpförtchen, das Rettung gewährt, wie körperliche Gebrechen, Blödsinnigkeit und — die Taufe. So wenig es den dortige» Israeliten eben verdacht werden kann, daß sic nicht so bereitwillig, wie in andern Staaten die Muskete fürs Vaterland ergreifen, um sie 20 Jahre lang auf Eisfeldern, Salzsteppen und in Bergschluchten, für Zwecke, die weit über ihrem Horizont und vielleicht weit über ihrem und ihrer Kinder Lebensziele liegen, zu tragen, eben so unbillig wäre es, von ihrer Seite zu verlangen, daß die traurige Aufgabe des Staates, der Kriegsdienst den Israelit übergehe und dem christlichen Bruder allein zur Lösung überlassen bleibe. Wenn doch einmal zum wahren oder scheinbaren Wohle des Ganzen, Leben und LebenSglück des Einzelnen aufö Spiel gesetzt werden muß, so ist es billig, daß eS gleichmäßig geschehe und kein Privilegium gelte. Was soll man aber sagen, wenn die Taufe als Zuflucht vor dem gefürchteten Kriegsdienst eröffnet wird? Eine solche Maßregel deS Gouvernements ist nicht geeignet, weder die Israeliten für den Kriegerstand zu gewinnen, noch das Christenthum bei den charakterfesten Nichtbekennern desselben in Credit zu bringen. Oder will man dadurch des Gesindels bei dem Militäre sich entledigen, und die „welche niederknieen und wie die Hunde das Wasser lecken" nach Hause jagen? In Kalisch sollen sich schon einige Eöhnchen reicher Israeliten durch daö Wasser der Taufe von der Wehrpflicht rein gewaschen haben. Von ihnen gilt dar Wort des Stifters der christlichen Religion: „Ich bin nicht gekommen wegen des Friedens, sondern wegen des Schwertes." Tie D. A. Z. bringt aus dem Hannöverischen die traurige Nachricht von dem Tode des jüdischen Advocaten Salomon Philipp Gans zu Celle. Außer andern anerkannten publicistischen Leistungen ist er dem großem Publikum durch seine Zeitschrift: „Verhandlungen über die öffentlichen Angelegenheiten Hannovers und Braunfchweigs" und am meisten durch seine kühne und aufopfernde Verthcidigung der Göttinger Staatsgefangenen, die für sein persönliches Interesse nicht die besten Folgen hatte, bekannt geworden. Tas preußische Militär-Wochenblatt weist nach, daß aus den eingegangenen Listen über den Bestand der preußischen Heere während des Befreiungskampfs hervorgehe, daß in beiläufig der Hälfte des damaligen preuß. Heeres — über das ganze fehlen noch die Listen — nur 343 Juden, — worunter 80 ausgehoben und 263 freiwillig Eingetretene — gestanden wären. Vorerst möchten wir aber unterrichtet fein, welches Vertrauen die Richtigkeit diescr Notizen verdiene. Gewiß mag wol sein, daß unter diesen 343 kein Christ irrthümlich mit untergelaufen ist, weniger gewiß kann aber behauptet werden, daß unter dem Namenwust einer halben Million preußischer Krieger nicht noch hie und da ein Israelit unbemerkt geblieben. Dieser Zweifel bleibt, auch wenn wir annehmcn wollten, daß in jener großartigen Zeit, bei der Riesenarbeit des preußischen Staates, dem das Messer am Halse gestanden und bei der damals vorherrschenden Freisinnigkeit und Humanität man sich viel um die Confession des Blutes, das für das Vaterland floß, und um die Religion der Faust, die das Schwert für die heilige Sache der Völker und der Fürsten ergriff, wird gekümmert haben, daß die Behörden Zeit gehabt und den Beruf gefühlt haben sollten, die freiwillige junge Heldenschaar für ein engherziges kommendes Geschlecht, in Religionsgeschwader zu vertheilen und mit gewissenhafter Pünktlichkeit nach Taufe oder Beschneidung sie zu registriren. Soll aber, irr etwaiger Ermangelung des Prädicats „Jude", der Nameuklang entscheiden, so ist es ja bekannt, daß viele Namen ein Gemeingut von Christen und Juden sind, und daß eine Menge Juden christliche Namen angenommen haben, so daß man es ja eben in Preußen zu verbieten für nöthig fand. Erwägt man übrigens das Verhältniß der Ausgehobenen (80) zu den Freiwilligen (263), so gereicht dieses schon zum großen Lobe der Betreffenden. Tie geringe Zahl der Ausgehobenen aber ist eine Folge, der beträchtlich

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